Meinung

Reformpaket mit Reichensteuer: Wer mehr hat, zahlt mehr — endlich

3. Juli 2026 11:00:42
Union und SPD haben ihr Reformpaket mit Steuerreform und Entlastungen vorgelegt. Dass hohe Einkommen stärker besteuert werden, wird das Land ein bisschen gerechter machen. Bemerkenswert ist auch, welche umstrittenen Vorschläge es nicht ins Paket geschafft haben.
500-Euro-Scheine hängen an einer Wäscheleine

Über die Reichensteuer werden Spitzenverdienende nun mehr am Wohlstand der Gesellschaft beteiligt.

Rund sieben Stunden Verhandlungen, 34 Maßnahmen und eine Koalition, die sich nach monatelangem Hin und Her sehr einig ist: Das Reformpaket, das SPD und Union am Donnerstag vorgestellt haben, ist mehr als ein Kompromiss auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Die SPD konnte einen bemerkenswerten Erfolg verbuchen: Die Reichensteuer wurde 2007 eingeführt und seitdem kein einziges Mal angehoben. Fast zwei Jahrzehnte galt der Steuersatz von 45 Prozent unantastbar, egal welche Koalition regierte. Das ändert sich jetzt: Ab 250.000 Euro Einkommen gilt der bisherige Satz von 45 Prozent, ab 280.000 Euro dann 47 Prozent.

Reichensteuer: Wie Reiche ihren Teil beitragen sollen

Dadurch, dass die Steuer gesplittet wird, werden wirklich hohe Einkommen auch wirklich stärker belastet. Auch wenn sich die SPD mit ihren Forderungen für eine Vermögensteuer und einer Erhöhung der Erbschaftsteuer vorerst nicht durchsetzen konnte, ist das ein Schritt, um Reiche endlich am Wohlstand unseres Landes stärker zu beteiligen.

Und die Reichensteuer erfüllt noch einen weiteren Zweck – sie macht den Kern des Pakets erst möglich. Mit einer Reform der Einkommenssteuer will Schwarz-Rot kleinere und mittlere Einkommen entlasten, und zwar in einem Volumen von jährlich rund zehn Milliarden Euro im Jahr. Familien mit Kindern werden durch höhere Freibeträge und ein höheres Kindergeld am stärksten profitieren. Eine Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern soll aufs Jahr gerechnet 600 Euro mehr im Portemonnaie haben.

Ein Erfolg ist auch, dass die Koalition sich auf eine Rentenreform einigen konnte. Alle 33 Vorschläge der Rentenkommission sollen umgesetzt werden. Darunter eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente, von der erstmals auch Menschen profitieren, die bislang keine private Altersvorsorge hatten.

Reformpaket: Wo die SPD gut verhandelt hat

Das Reformpaket konnte nur geschnürt werden, weil sich alle drei Parteien aufeinander zubewegt haben. Einige Punkte tun aus sozialdemokratischer Perspektive weh, wie die Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag. Auch, dass Arbeitsverträge zukünftig bis zu vier Jahre lang befristet sein dürfen – doppelt so lange wie bisher – ist ein Zugeständnis an die Union. Allerdings hat man sich hier auf einen Testlauf geeinigt: Die neue Regelung gilt nur bis Ende 2030. Dann können die Regierenden auswerten, ob die Maßnahme tatsächlich positive Impulse für den Arbeitsmarkt gesetzt hat.

Ohnehin gilt es zu würdigen, was alles im Paket nicht enthalten ist. In den vergangenen Monaten hatte die Union einige Schreckgespenster für Arbeitnehmer*innen verbreitet: Sie wollte den Kündigungsschutz in Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten abschaffen. Oder im Krankheitsfall einen Karenztag einführen, sodass der Arbeitgeber am ersten Krankheitstag keinen Lohn mehr gezahlt hätte. Das Ergebnis wäre wohl gewesen, dass sich mehr Menschen krank zur Arbeit schleppen und dort andere anstecken. Dass es diese Punkte nicht ins Reformpaket geschafft haben, dürfte für Millionen Beschäftigte eine Erleichterung sein – auch für die SPD.

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5 Kommentare

Gespeichert von Peter Boettel (nicht überprüft) am Sa., 04.07.2026 - 09:07

Permalink

Hoffentlich wird es auch so, dass diese Ungerechtigkeit, die nachweislich immer stärker wird, endlich eingeschränkt wird.
"Auch wenn sich die SPD mit ihren Forderungen für eine Vermögensteuer und einer Erhöhung der Erbschaftsteuer vorerst nicht durchsetzen konnte". Hier bleibt zu hoffen, dass das Wort vorerst nicht zur endgültigen Regelung wird. Wenn sich die SPD nämlich tatsächlich durchsetzen könnte, würde sie auch wieder besser bei Wahlen abschneiden. Aber dies wollen natürlich, Merz, Reiche, Dobrindt, Söder & Co. vermeiden.

Umverteilung schafft keinen Wohlstand, jedenfalls keinen nachhaltigen. Das einzige, was reine Umverteilung erreichen kann, ist Gleichheit im Mangel. Die Geschichte des Sozialismus lehrt dies mannigfach. Gleichheit schafft auch keine Zufriedenheit, außer in den derzeit besonders unter Neo-Marxisten wieder angesagten rein theoretischen Überlegungen und Thesen eines Thomas Piketty, jedenfalls verkauft er sich gut - und für ihn lukrativ.
Der Sozialismus kann so oft und so krachend wie auch ausnahmslos gescheitert sein, er kommt immer wieder auf. "Ein Gespenst geht [wieder] um in Europa." Karl Marx 1848

"Quod scribsi scribsi!"- Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Ich will nur nicht, dass alle gleich arm werden und ein de facto Staatsbankrott resultiert, wie das bei allen Sozialismus-Experimenten bisher ausnahmslos passierte. Von den Opfern an Leib und Leben ganz zu schweigen.

Ich schrieb es bereits, reine Umverteilung führt nicht zu Wohlstand; ein resultierender Nutzen ist, wenn überhaupt nur sehr kurzfristiger Art. Gleichheit allein ist kein Wert und für die Fortentwicklung eines Gemeinwesens sowohl innovativ als auch ökonomisch von Nachteil. Konkurrenz, auch Leistungskonkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und der Ehrgeiz ist der gute Bruder des Neides. "Gerechtigkeit" als Totschlagargument ist selbst zu einem sinnentleerenden""Wieselwort" geworden und ersetzt oft genug das eigenständige bis zum Ende Denken eines Sachverhaltes. Mir kann es doch egal sein wie reich oder superreich mein Nachbar ist oder werden will, wenn mein Wohlstand für mich ausreichend ist. Der Wohlstand eines Gemeinwesens wird nur durch Prosperität erreicht. Das Deutschland der "Wirtschaftswunderjahre" war das Ergebnis eines Denkens und Handelns in den Kategorien der Ludwig Erhard´schen Sozialen Marktwirtschaft". Die DDR ging einen anderen Weg: Viel Gleichheit und wenig Wohlstand.