Meinung

Lehren aus Riester für geplante Kapitalrente: Mehr Risiko wagen!

2. Juli 2026 15:00:37
Wer Rendite verspricht, muss sie auch zulassen. Die Riester-Rente scheiterte nicht an Aktien, sondern an politischen Vorgaben. Die Empfehlung der Rentenkommission für eine kapitalgedeckte Zusatzrente ist eine Chance, diesen Fehler zu korrigieren. 
Eine Rentnerin joggt fröhlich über den Strand.

Eine kapitalgedeckte Zusatzrente nach dem Schweden-Modell verspricht mehr Rendite und Freiheit im Alter.

Die Rentenkommission hat vergangene Woche ihre Empfehlungen für eine Reform der Rente vorgelegt. Ein Vorschlag sticht hervor: Deutschland soll als Erweiterung der gesetzlichen Rente eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente einführen, nach schwedischem Vorbild. 

Das wäre ein großer Wurf. Eine gesetzliche Rente, die allein auf dem Umlageverfahren beruht, kann das Rentenniveau nicht langfristig halten. Mit einer cleveren Mischung aus umlagefinanzierter und kapitalgedeckter Rente, wie sie Schweden seit rund 25 Jahren nutzt, könnten künftig alle von den Erträgen des Kapitalmarkts profitieren.  

Rentenreform: Woran Riester gescheitert ist 

Dennoch gibt es Vorbehalte, die ernst zu nehmen sind. Viele Deutsche verbinden kapitalgedeckte Vorsorge mit der „Riester-Rente“. 2002 eingeführt und vom Staat mit Zulagen gefördert, gilt die kapitalgedeckte Rente heute als gescheitert. Viele Verträge ruhen oder wurden gekündigt, weil sie schlicht nicht rentabel sind.  

Doch Riester scheiterte nicht am Kapitalmarkt selbst, sondern an hohen Kosten, einer komplexen Ausgestaltung und strengen Garantievorgaben: Anbieter*innen mussten garantieren, dass am Ende mindestens das Geld herauskommt, das eingezahlt wurde. Das macht größtenteils nur konservative Anlagen möglich und schmälert die Rendite.  

Nach Riester: Was die Rente nach Schweden-Modell anders machen sollte

Die vorgeschlagene Zusatzrente würde das ändern: Sie wäre verpflichtend und als fester Teil in die gesetzliche Rentenversicherung integriert. Nach Vorstellung der Rentenkommission würden Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen zusammen zwei Prozent des Bruttolohns in einen öffentlich verwalteten Fonds zahlen. 

Auf eine Auszahlungsgarantie wie bei Riester würde bewusst verzichtet – einzig für Menschen, die sich dem Renteneintrittsalter nähern, könnte das Fondsvermögen schrittweise in weniger schwankungsanfällige Anlagen umgeschichtet werden. Das individuelle Risiko wäre nach Einschätzung der Kommission geringer, weil der Fonds breit gestreut wäre und der Anlegezeitraum durch die gesetzliche Verpflichtung lang ausgelegt würde. 

Rentenreform: Wo Schweden außerdem ein Vorbild wäre

Wie hoch die Rente am Ende ausfällt, hängt immer davon ab, wie sich der Aktienmarkt entwickelt. Mit nur zwei Prozent Beitragssatz sollte man zunächst nicht mit großen Erfolgen rechnen. Dennoch: Die Richtung ist richtig. Entscheidend ist, dass das Kapital über Jahrzehnte anwachsen kann. Der Fehler bei Riester war, dass die vermeintliche Sicherheit am Ende genau die Rendite gekostet hat, die sie eigentlich bringen sollte. Wer Menschen eine echte Zusatzrente verschaffen will, muss ihnen erlauben, von den Chancen des Aktienmarkts zu profitieren.  

Außerdem: Selbst bei einem Börsencrash wäre nicht die komplette Rente weg. Deutschland sollte sich bei den Schweden nicht nur die Kapitaldeckung abgucken, sondern auch ein Rentensystem, das auf drei etablierten Säulen beruht. Denn neben der gesetzlichen und der kapitalgedeckten Rente verfügen die Schweden über etwas, was die SPD schon lange für Deutschland fordert: Neun von zehn Arbeitnehmer*innen in Schweden sind über tarifliche Betriebsrenten abgesichert – hierzulande gilt das nur für 54 Prozent der Beschäftigten. Auch das sollte uns ein Vorbild sein – und der nächste Schritt, den die Bundesregierung gehen sollte. 

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Autor*in
Lea Hensen
Lea Hensen

ist Redakteurin des „vorwärts“.

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Gespeichert von max freitag (nicht überprüft) am Do., 02.07.2026 - 15:20

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gesichert, was angesichts des stetigen Beitragsaufkommens permanent steigende Kurse zwangsläufig nach sich ziehen wird. Das kommt dann den Rentner zugute- ein großartige Idee, die nun dank unserer SPD endlich umgesetzt wird. Weiter so.

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