Jung, kinderlos und in Teilzeit: Ich lebe den Lifestyle
privat
Karin Distler: Mein Lifestyle? Für unsere Zukunft eintreten.
Es ist das Unwort der vergangenen Wochen: Lifestyle-Teilzeit. Dieser Neologismus findet sich im Titel eines Antrags, den die Mittelstands- und Wirtschaftsunion beim Bundesparteitag der CDU im Februar stellen wollte: „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“.
Demnach sollen Arbeitsstunden nur noch bei Vorliegen einer „besonderen Begründung“ reduziert werden dürfen. Das können etwa Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige sein. Das Ziel: dem Fachkräftemangel entgegentreten.
Wir sollen länger arbeiten, diese Botschaft ist angekommen
Die Empörung war groß, die Reaktion folgte: Mittlerweile wurde der Antrag abgeändert. Der Lifestyle ist verschwunden, die Klarheit auch. Es bleibt der Anspruch, die Teilzeitarbeit zu ordnen. Wie das konkret aussehen soll, dafür bleibt in der neuen Version mehr Auslegungsspielraum.
Wir sollen länger arbeiten, diese Botschaft ist angekommen. Gleichzeitig haben wir aber auch eine weitere Verantwortung zu tragen: die für unser solidarisches Miteinander. Für florierende Vereine, für aktive Sportgruppen; dafür, niemanden alleine zu lassen auf den mitunter wenig geradlinigen Pfaden des Lebens. Von Jung bis Alt alle mitzunehmen, das ist die Grundlage für ein funktionierendes Gemeinwesen von morgen – davon bin ich überzeugt.
Zeit für Familie und Freundinnen plane ich Monate im Voraus
Ich bin jung, kinderlos… und in Teilzeit. Ja, ich gebe es offen zu: Ich lebe den Lifestyle.
Den Lifestyle, mich als jüngste Stadträtin für meine Heimatstadt einzusetzen. Mit engagierten Mitstreiterinnen ein Frauennetzwerk aufzubauen, um gemeinsam Veränderungen anzustoßen. Mich in einem politischen Jugendverband zu engagieren, um Perspektiven zu schaffen.
Konkret bedeutet das:
Sitzungen bis tief in die Nacht.
Unzählige Termine in der Freizeit.
Zeit für Familie und Freundinnen?
Plane ich Monate im Voraus im Kalender ein. Und verpasse trotzdem noch viele wichtige Momente.
Mein Lifestyle? Für unsere Zukunft eintreten.
Es bedeutet aber auch, weiter zu denken. Arbeit, Privatleben und Engagement sind keine Konkurrenten um Zeit und Produktivität der Einzelnen. Sie bedingen sich gegenseitig – nur eine solidarische Gesellschaft kann mit ihren Ressourcen auf Dauer gesund wirtschaften.
Mein Lifestyle?
Für unsere Zukunft eintreten.
Weit über die Bürotür hinaus.
verantwortet die Presse- und Kommunikationsarbeit der Diakonie Saar und sitzt im Rat der Stadt Ottweiler.
Hut Ab vor Frau Distler, den eigenen Job und damit auch auch nicht selten die Karriere zu reduzieren, um im Ehrenamt mehr Zeit für die Gesellschaft einbringen zu können. Ich war selbst 9 Jahre ehrenamtlich in der Kommunalpolitik aktiv, darunter 3 Jahre als Gemeindevertreterin. Neben einem Vollzeitjob mit mehr als 40 Wochenstunden, war das mehr als anstrengend. Ich wollte aber weiterarbeiten, da ich jeden Cent meines Gehaltes benötige, um meine Fixkosten zu decken, private Vorsorge für die Rente aufzubauen und vieles mehr. Ich habe für den Vollzeitjob und eine vernünftige Rente keine Familie gegründet, lebe solo und habe keine Kinder, arbeiten macht mir Spass und ich hatte auch immer erfüllende und interessante Jobs. Aber in der Tat, frau muss sich entscheiden und das ist das schwierige daran, da bei einer guten Lebenserwartung im Leben Zeit für viele Aufgaben ist als "nur" Vollzeit zu arbeiten. Ich engagiere mich weiterhin im ADFC als Tourguide.MfG Janina Schildt