Künstler gegen Weimer: Forderungen nach Rücktritt werden lauter
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Mit seinem Vorgehen beim Deutschen Buchhandlungspreis hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine rote Linie überschritten, so Bettina Martin vom Kulturforum der SPD.
Wolfram Weimer soll eigentlich die Kunst- und Kulturfreiheit in Deutschland wahren. Als Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ist er unter anderem dafür zuständig, die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Kultur- und den Medienbereich weiterzuentwickeln und zu verbessern. So wird sein Aufgabenbereich auf der Seite des Kulturstaatsministers beschrieben.
Kulturszene: Staatsminister Wolfram Weimer ist eine Fehlbesetzung
Doch nach nicht mal einem Jahr im Amt erscheint Weimer (parteilos) vielen wie das komplette Gegenteil – wie ein oberster staatlicher Zensor. Der 61-Jährige sei eine Fehlbesetzung: So lassen sich Stimmen aus der Kunst- und Kulturszene nach den Kontroversen um die Berlinale und den Deutschen Buchhandlungspreis zusammenfassen. Einige Kunstschaffende legen ihm den Rücktritt nahe. Auch SPD-Politiker*innen kritisieren Weimer, der zuvor jahrelang als Medienmanager gearbeitet hatte.
So beschreibt Schriftsteller Saša Stanišić den konservativen Verleger in einem Post auf dem Sozialen Netzwerk Bluesky mit folgenden Worten: „Inkompetenz, paternalisierende Übergriffigkeit, Willkür, Illiberalität, ideologische Einflussnahme auf Kultur und überhaupt Kulturfreiheit-Feindlichkeit.“
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, spricht von einem „kulturpolitischen Scherbenhaufen“: „Ob es die Berlinale war oder jetzt der Buchhandlungspreis – das lief zuletzt alles richtig schlecht. Auswahlentscheidungen für Kunst- und Kulturpreise werden aus gutem Grund Fachjurys überlassen, da sie die fachliche, inhaltliche oder auch ästhetische Expertise haben“, sagte Zimmermann gegenüber dem „vorwärts“. Eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz bei der Vergabe von Kulturfördermitteln widerspreche dem Kunstfreiheitsgebot des Grundgesetzes.
Bettina Martin, die Co-Sprecherin des Kulturforums der SPD, sieht dadurch eine rote Linie überschritten. „Vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien erwarte ich, dass er die Kulturfreiheit nicht nur in Reden, sondern in seinem täglichen Tun verteidigt“, sagte sie dem „vorwärts“.
Nach der Berlinale folgte der nächste Eklat
Nach kritischen Äußerungen eines Regisseurs während der Berlinale zur Haltung der Bundesregierung zu Israels Gaza-Krieg soll Weimer die Absetzung von Intendantin Tricia Tuttle betrieben haben. Sein Ansinnen blieb erfolglos, Tuttle behielt ihr Amt, aber die Filmfestspiele müssen sich auf einen Verhaltenskodex und ein „Beratungsgremium“ einstellen.
Kurz danach folgte der nächste Eklat: Zunächst ließ Weimer drei linke Buchläden vom Deutschen Buchhandlungspreis ausschließen. Er berief sich dabei auf nicht näher benannte Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Wenige Tage später ließ der BKM die gesamte Preisverleihung absagen.
„Das wäre kein schlechter Moment für ihn, um noch halbwegs gesichtswahrend aus der Sache herauszukommen“, antwortete die Schriftstellerin Nora Bossong am Dienstag im rbb-Sender Radio 3 auf die Frage, ob Weimer zurücktreten solle. Nicht erst im Zuge der Berlinale habe sich Weimer angreifbar gemacht. Sie verwies auf den „Ludwig-Erhard-Gipfel“ der von Weimer gegründeten Weimer Media Group. Bei der Veranstaltung bekommen Teilnehmende jährlich einen exklusiven Kontakt zu Unternehmer*innen und Spitzenpolitiker*innen zugesichert – gegen eine Gebühr von mehreren tausend Euro.
Nora Bossong: „Wolfram Weimer steht im Verdacht der Käuflichkeit“
„Das hat Weimer den Verdacht der Käuflichkeit eingebracht“, so Bossong. Zum Eklat in Sachen Berlinale sagte sie: „Wenn die Bundesregierung beginnt, Kritik an ihrer Arbeit auf solchen Bühnen zu unterbinden, dann ist das ein höchst gefährliches Fahrwasser.“ Und weiter: „Sollte Weimer im Amt bleiben, hoffe ich, dass er sein liberales Herz, von dem er mal gesprochen hat, wieder etwas kräftiger schlagen lässt und dass er die Vielfalt der Kulturlandschaft ernstnimmt.“
Der Schriftsteller und Publizist Max Czollek forderte ebenfalls Weimers Rücktritt. „Der Schaden für die Glaubwürdigkeit dieser vormals doch ziemlich integren Institution (gemeint ist der Deutsche Buchhandlungspreis, Anm. d. Red.) ist so fundamental, ich sehe keinen anderen Weg, als dass der aktuelle Kulturstaatsminister seinen Posten räumt“, schrieb er auf Facebook.
Auch Serpil Midyatli fürchtet um das Ansehen des Deutschen Buchhandlungspreises. Weimers Agieren setze die Serie „instinktloser und fehlgeleiteter Entscheidungen“ fort, so die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der Ausschluss mehrerer Buchhandlungen habe in der Branche und der Öffentlichkeit viele Fragen aufgeworfen, die beantwortet werden müssten. „Eine nachvollziehbare Erklärung kann helfen, das Vertrauen in das Verfahren und den Preis wieder zu stärken“, erklärte sie. „Das wäre auch für den Kulturstaatsminister selbst wichtig.“
Denis Yücel: „Der Buchhandlungspreis wird nicht für Gesinnung vergeben“
Der Schriftsteller Denis Yücel betonte, der Buchhandlungspreis werde nicht für Gesinnung, sondern für Leistung vergeben. Mit Blick auf die Parole „Deutschland verrecke, bitte“ an der Fassade des Bremer Buchladens Golden Shop, einer der von Weimer ausgeschlossenen Buchhandlungen, ließ er auf Facebook wissen: „Das Hadern mit Deutschland gehört nicht erst seit 1933 zum deutschen Kulturgut. Könnte man als deutscher Kulturstaatsminister wissen.“
Vor seiner Ernennung zum BKM war Weimer als Medienmanager und Verleger tätig. Im 2012 gründete der frühere Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“ gemeinsam mit seiner Ehefrau die Weimer Media Group, in der Magazine wie „The European“ oder „Business Punk“ erscheinen. Seit 2014 veranstaltet das Unternehmen den jährlichen „Ludwig-Erhard-Gipfel“, in dessen Rahmen der „Freiheitspreis der Medien“ vergeben wird.
das darf hier nicht gelten. Es muss möglich sein, die Hand, die einen füttert, abzuschlagen. Alles andere wäre undemokratisch
Der Niedergang der Kulturpolitik ist entsetzlich. Aber nach der Vorgeschichte des konservativ-autoritären
Die Einschränkungen von Kunst- und Meinungsfreiheit durch Staatsminister Weimer sind erschreckend. Die illiberale Linie des autoritär-konservativen ehemaligen Medienmanagers ist aber an sich keine Überraschung. Kanzler Merz wollte bewusst ein Zeichen gegen Kultur von unten setzen. Schlimm aber ist, dass die im Kabinett disziplinierte SPD-Parteispitze den von Herrn Merz eingesetzten Kulturkämpfern Weimer, Reiche und Dobrindt nichts entgegenzusetzen hat. Lediglich vereinzelt wahrzunehmende kritische Stimmen aus der Fraktion reichen nicht aus, um noch eine eigene SPD-Agenda außerhalb der Sozialpolitik erkennen zu können.
Eine Partei, die sich angesichts populistischer Angriffe auf Menschenrechtssstandards, Umweltschutz und Kulturfreiheit vornehm zurückhält, setzt ihre historische Glaubwürdigkeit und ihre Zukunftsfähigkeit aufs Spiel.
der Weimer mag ich nicht. Eine Fehlbesetzung. Umso erschreckender wirkt jetzt, auch nach all der Zustimmung, die die Kritiker hier im VORWÄRTS fanden, dass Weimer- wie u.a. der Tagesspiegel berichtet, gar nicht selbst die Prozedur (Verfassungsschutzerkenntnisse als ko-Kriterium) erfunden hat, diese vielmehr von der von uns geführten Ampelregierung etabliert wurde. Wenn das stimmt, muss man sich schon die Frage stellen, warum hier kritisiert wird, was wir uns selbst zuzuschreiben haben. Die Kritik fällt dann doch auf uns zurück, und wir stehen da wie die Deppen. Das kann man auch anders organisieren-finde ich, etwas professioneller
Ich glaube das unsere deutsche Interesse liegen da wo Gerechtigkeit greift deshalb man anerkent sollte Handlungen von Genosse Weimar sollte unsere Schutz erhalten wegen freie Meinung eusserung die für Gerechtite Vorstellungen über Wiederstand gegen Terrorismus und Sorge um Erhalt von unsere europäische und Deutsche Kultur und Morale spricht.