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Kommunalwahl in Italien: Sozialdemokrat*innen mit Erfolgen in großen Städten

Italien wird von Rechten regiert. Doch links der Mitte kommt Gegenwind auf: Nach dem guten Ergebnis bei der Europawahl schnitten die italienischen Sozialdemokrat*innen auch in wichtigen Provinzhauptstädten gut ab.

von Lea Hensen · 25. Juni 2024
Die Sozialdemokratin Sara Funaro (Mitte) freut sich über ihren Sieg in Florenz.

Die Sozialdemokratin Sara Funaro (Mitte) freut sich über ihren Sieg in Florenz.

Regierungschefin Meloni hin oder her – das Mitte-Links-Lager in Italien hat weiter Erfolge zu verzeichnen. Nach einem starken Ergebnis bei der Europawahl triumphieren die italienischen Sozialdemokrat*innen als größte Oppositionspartei nun auch bei den Bürgermeister*innen-Stichwahlen in wichtigen Hauptstädten der Regionen.

In landesweit mehr als 100 Kommunen waren am Sonntag und Montag die Italiener*innen an die Wahlurnen gerufen, nachdem dort im ersten Wahlgang vor zwei Wochen kei­ne*r der Kan­di­da­t*in­nen 50 Prozent der Stimmen erhielt. Dabei konnten die Linken ihre traditionell roten Hochburgen verteidigen und gewannen in 16 von insgesamt 27 Provinzhauptstädten.

Deutscher verliert in Florenz

International richtete sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Florenz. In der traditionell roten Renaissance-Stadt der Toskana trat ein Deutscher als Bürgermeisterkandidat an. Eike Schmidt, ehemals langjähriger Direktor des renommierten Kunstmuseums Uffizien, hat mittlerweile einen italienischen Pass und wurde als Parteiloser von Melonis Rechtsbündnis unterstützt. Seit Monaten wurde über seine Kandidatur spekuliert, denn der Freiburger hatte gerade erst die Direktion des Museums Capodimonte in Neapel übernommen. 

Eine Anstellung an einer staatlichen Einrichtung schließt eine Kandidatur bei Wahlen eigentlich aus. Und so ließ sich Schmid kurzerhand für den Wahlkampf unbezahlt freistellen. Doch am Wahltag straften ihn die Florentiner*innen ab: Schmidt erhielt weniger als 40 Prozent der Stimmen und kehrt nun wohl ins Museum zurück. Mehr als 60 Prozent gingen an die Sozialdemokratin Sara Funaro. Alle Mitte-Links-Parteien, die vorher eigene Kandidat*innen in Rennen geschickt hatten, hatten sich im zweiten Wahlgang hinter sie gestellt. Sie wird jetzt erste Frau im Rathaus am Arno.

Mitte-Links-Lager erobert Perugia zurück

Noch herausragender ist der Wahlsieg der Linken im italienischen Süden. In Bari, Hauptstadt der Region Apulien, gewann der Sozialdemokrat Vito Leccese gegen den Kandidaten aus dem Rechtsbündnis mit 70 Prozent der Stimmen. Das ist nochmal mehr als ein Triumph über Melonis Gefolgsleute zu werten, weil diese vor der Wahl versucht hatten, Lecceses Vorgänger, ebenfalls Sozialdemokrat, Mafianähe zuzuschreiben. Die Vorwürfe waren haltlos, die Schmutzkampagne ging nach hinten los: Ein breites Bündnis aus Mitte-Links-Parteien und Zivilgesellschaft stellten sich hinter die Genoss*innen. 

Auch in Potenza, Hauptstadt der süditalienischen Region Basilicata, gewann ein Sozialdemokrat mit 65 Prozent der Stimmen und übernimmt jetzt das Ruder im Rathaus von den Rechten. Für Freude sorgte auch der Wahlsieg in Perugia in der Region Umbrien. In der früheren Hochburg der Linken in Mittelitalien hatten vor zehn Jahren die Rechten übernommen. Auch hier gewann die Linkskandidatin mit knappem Vorsprung.

Elly Schlein freut sich über „historischen Sieg"

Elly Schlein, Parteivorsitzende der italienischen Sozialdemokrat*innen, sprach von einem „historischen Sieg für das ,Partito Democratico' und das progressive Feld“. Die Beteiligung beim zweiten Urnengang der Bürgermeister-Wahlen war niedrig. Weniger als die Hälfte aller Stimmberechtigten gingen zur Wahl. Die erste Runde der Kommunalwahlen hatte parallel zu den Europawahlen stattgefunden. Dabei gewannen Mitte-Links-Kandidat*innen bereits in zahlreichen wichtigen Städten, unter ihnen Modena, Livorno oder Cagliari.

Bei der Wahl des EU-Parlaments vor zwei Wochen hatten die italienischen Sozialdemokrat*innen mit 24 Prozent der Stimmen ihre Ergebnisse aus vorherigen Abstimmungen übertroffen. Die Fünf-Sterne-Bewegung, zweitgrößte Partei links der Mitte, bekam zehn Prozent der Stimmen.

Autor*in
Lea Hensen

ist Redakteurin des „vorwärts“.

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