Inland

Oberbürgermeister Uwe Santjer in Cuxhaven: „Ich habe Lust auf Menschen“

16. September 2026 12:54:05
Fast 60 Prozent und keine Stichwahl: Nach den Kommunalwahlen in Niedersachsen bleibt Uwe Santjer Oberbürgermeister von Cuxhaven. Der SPD-Politiker setzt auf Offshore-Windkraft, soziale Angebote und eine bürgernahe Stadtpolitik – und hat für seine zweite Amtszeit einiges vor.
Uwe Santjer ist seit 2019 Oberbürgermeister der Stadt Cuxhaven

Uwe Santjer ist seit 2019 Oberbürgermeister der Stadt Cuxhaven

Uwe Santjer hat allen Grund zur Freude am Wahlabend: 58,9 Prozent der Stimmen erhält der sozialdemokratische Politiker bei der Oberbürgermeisterwahl in Cuxhaven – das reicht aus, um eine Stichwahl zu verhindern. Damit schlägt er seinen Herausforderer Thomas Brunken von der CDU, der auf knapp 20 Prozent kommt, deutlich. Der 60-Jährige bleibt damit Chef der Stadtverwaltung in seiner Geburtsstadt. Er führt Cuxhaven seit November 2019.

Den Wahlsieg führt Santjer auf einen Mix aus wirtschaftlicher Entwicklung und sozialpolitischer Arbeit zurück. Einen prognostizierten Bevölkerungsrückgang habe die Stadt stoppen können, zugleich seien neue Arbeitsplätze entstanden. Hafenwirtschaft, die Offshore-Industrie und der Tourismus bilden für Santjer die wirtschaftlichen Säulen der Stadt. Er betont: „Cuxhaven schreibt bei den Übernachtungen die besten Zahlen, die wir je hatten.“ Stolz verweist der SPD-OB auf mehr als vier Millionen Übernachtungen pro Jahr in der 50.000-Einwohner*innen-Stadt am Meer.

Offshore-Windkraft: Warum Cuxhaven auf die Energiewende setzt

Im Hafen habe sich Cuxhaven nach dem Niedergang der Fischindustrie neu ausgerichtet und auf die Energiewende gesetzt. Heute verstehe sie sich als deutsches Offshore-Industriezentrum. Siemens Gamesa produziere in Cuxhaven die weltweit größten in Serie hergestellten Windturbinenanlagen. Außerdem würden dort 90 Prozent der Onshore-Windanlagen für Deutschland und europäische Nachbarländer umgeschlagen. Die Stadt habe inzwischen Gewerbesteuereinnahmen von mehr als 50 Millionen Euro. „Eine Größenordnung, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen ist“, freut sich Santjer.

Doch der sozialdemokratische Politiker legt Wert darauf, diese Bilanz nicht nur als persönliche Erfolgsgeschichte darzustellen. Stattdessen lobt er die gute Zusammenarbeit mit den Grünen und zeitweilig auch der Fraktion „Die Cuxhavener”. Auf eine starke SPD-Fraktion kann der Oberbürger auch künftig wieder zählen – die SPD erzielte am Wahlsonntag 32,2 Prozent der Stimmen.

Neben der Wirtschaft setzt der Erzieher und Diplom-Heilpädagoge auch auf soziale Themen: Frühkindliche Bildung, Unterstützung von Familien sowie Angebote für Erwachsene und ältere Menschen gehörten zu den Bereichen, auf die er besonders schaue. „In Cuxhaven kann inzwischen jedem Kind ein Krippen- und Kindergartenplatz angeboten werden“, sagt er. Im Gespräch tauchen die Begriffe Miteinander und Zusammenhalt oft auf. Die Stadt müsse eine „Stadt der guten Nachbarschaft“ werden. „Eine Kommune kann es leider nicht schaffen, sich jedem Menschen zuzuwenden, der allein lebt.“ Nachbarschaften könnten das aber teilweise auffangen.

Sozialpolitik: Warum Santjer auf Bildung und Familien setzt

Als Beispiel dafür, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist, erzählt er von der Cuxhavener Tafel. Als sie in der Corona-Zeit wegen des hohen Alters vieler Ehrenamtlicher ihre Arbeit einstellen musste, startete er einen Aufruf. Innerhalb von sechs Stunden hätten sich mehr als 400 Menschen gemeldet. Mit ihrer Hilfe konnte die Tafel ihre Lebensmittel weiter ausgeben. Ein Schlüsselerlebnis war für Santjer die Corona-Pandemie. Sie habe gezeigt, „dass die Stadtgesellschaft auch in einer Notlage zusammenhalten kann.“

Auch heute verfügt die Stadt über eine starke Zivilgesellschaft. „Es gibt hier in Cuxhaven ein breites Bündnis aus der Wirtschaft, aus der Politik, von Sozialverbänden, aber auch Einzelpersonen für Respekt und Menschenwürde“.  

Der Oberbürgermeister will die Verwaltung nahbarer machen: Das Rathaus ist für ihn nicht nur Verwaltungsort, sondern auch ein offener Raum für Veranstaltungen, Ausstellungen, Musik und politische Information. Außerdem hat die Stadt unter seiner Führung Schritte unternommen, die Beteiligung zu stärken: mit digitalen Angeboten, einem Jugendbeirat und indem sie das Ehrenamt mit einem Sozialfonds mit 200.000 Euro pro Jahr fördert.  

Sprechstunden: Warum Santjer die Nähe zu den Bürger*innen sucht

Santjer bietet Stadtteilsprechstunden an, wo er über die Themen des Viertels spricht und auf die Fragen der Bürgerinnen und Bürger eingeht. Nach seiner Darstellung erreicht er mit den 13 Veranstaltungen im Jahr mehr als 1.000 Menschen.  

„Ich habe Lust auf Menschen“ – ein Satz, der ihn für seine zweite Amtszeit motiviert. Die Nähe zu den Menschen ist für Santjer auch der entscheidende Unterschied zwischen Landes- und Kommunalpolitik. Sechs Jahre saß er im Niedersächsischen Landtag. Dort konnte er an Gesetzen mitwirken und war unter anderem für frühkindliche Bildung zuständig. Doch dann kehrte er zurück: „Das Schöne an der Kommunalpolitik ist, dass du heute etwas entscheiden kannst und das morgen auch umsetzen kannst.“

Zweite Amtszeit: Was Uwe Santjer in Cuxhaven vorhat

Die Herausforderungen für seine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister liegen für ihn in den Bereichen Bildung, Arbeit, Wohnen und Mobilität. Der Zuzug erhöhe den Bedarf an Wohnraum, auch an sozialem Wohnungsbau. Im ländlich geprägten Raum seien außerdem gute Schulen, Arbeitsplätze vor Ort und gemeinschaftliche Treffpunkte entscheidend. Dazu noch ein „verlässlicher öffentlicher Personennahverkehr“.  

Geboren und aufgewachsen in einer Küstenstadt, bleibt das Meer für den Sohn eines Küstenfischers ein Sehnsuchtsmotiv: „Wenn ich Urlaub mache, muss Wasser in der Nähe sein.“ Er brauche die Weite und die frische Luft. Am Meer entlangzugehen und das Rauschen zu hören, sei für ihn „einfach traumhaft“. 

Autor*in
Karin Billanitsch
Karin Billanitsch

Karin Billanitsch hat Rechtswissenschaften und Journalistik in München und Stuttgart studiert und ist Redakteurin beim „vorwärts“.

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