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Maximilian Schröter: Die verrückte Woche eines Jusos im Thüringer Landtag

16. September 2026 17:06:00
Seit Anfang September ist Maximilian Schröter Landtagsabgeordneter in Thüringen. Sein Start als Neuling fällt mitten in eine Regierungskrise. Wie erlebt ein junger Parlamentarier seine ersten Tage, wenn im Landtag plötzlich alles auf dem Spiel steht?
Maximilian Schröter im Innenhof des Thüringer Landtages

Maximilian Schröter: Der SPD-Politiker will sich im Thüringer Landtag vor allem für Kinder, junge Erwachsene und Familien einsetzen.

Am Ende einer aufregenden Woche sinkt Maximilian Schröter müde auf einen Kunstledersessel im Foyer des Thüringer Landtages. Hinter ihm liegen die ersten Plenarsitzungen als nachgerückter Abgeordneter. So konnte der 32-jährige Sozialdemokrat die Thüringer Regierungskrise aus nächster Nähe betrachten. Die BSW-Fraktion, immerhin Teil der Koalition, hat sich aufgelöst. Die meisten Mitglieder sind aus der Partei ausgetreten und haben eine neue gegründet. Als wäre das nicht schon aufregend genug, ist Schröter ein paar Tage zuvor auch noch Vater geworden. „Ich bin nicht allzu viel zum Schlafen gekommen“, erzählt er.

Schröter vertritt die Jusos im Landtag

Motiviert wirkt er trotzdem: „Natürlich habe ich super viel Bock, mich hier einzubringen und Politik zu gestalten“, betont Schröter. Er wolle sich besonders für diejenigen einsetzen, die aus seiner Sicht bisher zu wenig Gehör finden, nämlich Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene und Familien. Zur Thüringer Landtagswahl 2024 trat er als Wunschkandidat der Jusos an. Doch sein Platz auf der SPD-Liste reichte damals nicht, um ins Parlament einzuziehen. 

Nun gelang ihm das unverhofft doch noch: Weil die Abgeordnete Cornelia Urban ihr Mandat aus persönlichen Gründen niederlegte. Und weil gleich drei erfahrene SPD-Politiker*innen, die in der Nachrückerliste vor Schröter standen, ihren Verzicht erklärten – darunter die ehemalige Thüringer Finanzministerin Heike Taubert. Alle drei begründeten es damit, dass sie lieber eine junge Stimme im Landtag unterstützen wollten.

Dieses Profil erfüllt Maximilian Schröter zweifellos. „Nach wie vor gibt es viele junge Menschen, die aus Thüringen wegziehen, weil es hier für sie keine Perspektive gibt“, kritisiert er. Ihn treibt um, dass viele junge Menschen ohne Job oder Ausbildung dastehen. Er fordert, dass sie bei der Berufswahl besser unterstützt werden. Dabei müsse man ihre Ideen und Wünsche ernst nehmen und dürfe sie nicht nur nach kapitalistischen Maßstäben in den Arbeitsmarkt hineindrücken, meint er.

Die Jugend in einer Arbeiterfamilie hat ihn geprägt

Als erster in seiner Familie hat Schröter studiert. Aufgewachsen ist er im Nordhausen, einer 40.000-Einwohner*innen-Stadt im Norden Thüringens. Der Vater war gelernter Drucker, die Mutter Floristin. Das Geld war zuhause oft knapp, den Mindestlohn gab es noch nicht. Zeitweise musste die Familie ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken. „Das prägt jemanden“, sagt Schröter. Er war damals ein Jugendlicher. „Dann war halt der Skiausflug mal nicht drin.“ Auch wegen solcher Erlebnisse habe er beschlossen, sich politisch zu engagieren.

Neu im Landtag

Seit dem 1. September 2026 gehört Maximilian Schröter dem Thüringer Landtag als Abgeordneter an. Er ist für Cornelia Urban nachgerückt.

Maximilian Schröter im Plenarsaal des Thüringer Landtages

Ein zweiter Grund war die Neonazi-Szene, die schon damals in Nordhausen groß war. Schröter wollte sich dagegen wehren und schloss sich einem Bündnis gegen rechts an, das Demonstrationen organisierte und Aktionen auf die Beine stellte. „Nordhausen ist eine geschichtsträchtige Stadt, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges stark bombardiert wurde“, erklärt er. Rechte Gruppen bis hin zur AfD versuchten, die Erinnerung daran politisch zu instrumentalisieren und die Geschichte zu verklären. Als die Pegida-Demonstrationen begannen, zogen in Nordhausen rechte Fackelmärsche durch die Stadt, während Geflüchtete in Turnhallen übernachten mussten. „Wir haben dann zivile Wachen davor installiert“, berichtet Schröter. Sie sollten ein Zeichen senden, dass es neben all dem Hass auch Mitmenschlichkeit gibt.

Maximilian Schröter entschied sich, Politik und Kommunikationswissenschaften zu studieren. Als Arbeiterkind fielen ihm einige Hürden besonders schwer, etwa der Bafög-Antrag. Auch Netzwerke fehlten ihm. Ein Kommilitone gab ihm den Tipp, sich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung um ein Stipendium zu bewerben. Das bekam er auch. So konnte er sich mit einem Freund in Leipzig eine Wohnung leisten. Wenn er am Wochenende seine Eltern besuchte, brachte er sich von dort Essen mit.

Schröter kennt die Thüringer Politik schon lange

Für das Masterstudium in Staatswissenschaften zog Schröter nach Erfurt. Nebenher jobbte er für das Regionalmanagement Nordthüringen, ein landkreisübergreifendes Projekt, das die Wirtschaft stärken soll. Als er seinen Studienabschluss in der Tasche hatte, fand Schröter eine Stelle als Referent im Thüringer Wirtschaftsministerium. Dadurch lernte er auch die Arbeitsweise des Thüringer Landtages detailliert kennen. 

2024 wechselte er zur Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, wo er sich ums Fachkräftemanagement kümmerte. Parallel dazu engagierte sich Schröter weiter bei den Jusos, kämpfte unter anderem für ein günstiges Azubi-Ticket. Von 2021 bis 2023 war er Landesvorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisation. Anschließend gehörte er 2025 dem Bundesvorstand an.

Im Landtag ist Maximilian Schröter nun zwar ein Neuling, politische Erfahrung bringt er trotzdem mit. In der Thüringer Presse wurde spekuliert, ob der Nachrücker in der SPD-Fraktion Unruhe stiften könnte. Schließlich gehört er dem linken Parteiflügel an, der bis dahin in der Fraktion nicht vertreten war. Darauf angesprochen, schmunzelt Schröter. Dann erklärt er: Ja, er wolle hier und da eine kritische Perspektive einbringen. Dies werde er aber konstruktiv tun, denn die große Gefahr lauere nicht in den eigenen Reihen. „Das Problem sitzt Rechtsaußen, und die haben eine ganz andere Agenda“, meint er mit Blick auf die AfD. Die müsse man bekämpfen.

Die AfD nutze das Parlament nur für Show, meint Schröter

Wie die AfD im Parlament agiert, konnte sich Schröter in seinen ersten Parlamentswochen anschauen. Eine Regierungsbefragung hat die rechtsextreme Partei boykottiert und den Plenarsaal geschlossen verlassen, nachdem sie den Rücktritt von Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) gefordert hatte. Für Schröter ein weiterer Beleg dafür, dass die AfD ihre Oppositionsrechte kaum wahrnimmt. In der fachpolitischen Arbeit gebe es von dort kaum Wortbeiträge, berichtet er. „Darum geht es denen auch gar nicht.“ Stattdessen nutze die Partei die Bühne des Plenums, um Clips für die eigenen Social-Media-Kanäle zu produzieren und der Regierung ihre Legitimität abzusprechen.

Bekanntes Terrain

Maximilian Schröter im Innenhof des Thüringer Landtages: Als Abgeordneter ist er zwar ein Neuling, doch als Referent im Wirtschaftsministerium hat er die Parlamentsarbeit bereits kennengelernt.

Maximilian Schröter im Innenhof des Thüringer Landtages

Dass die Thüringer Minderheitsregierung trotz BSW-Krise noch drei Jahre durchhält, ist für Schröter auch eine persönliche Wette. Mit seinem bisherigen Arbeitgeber hat er vereinbart, den Arbeitsvertrag drei Jahre lang ruhen zu lassen – also bis zur nächsten regulären Landtagswahl. Eine vorgezogene Neuwahl, wie von der AfD gefordert, würde seine Pläne durchkreuzen. 

Schröter gibt sich zuversichtlich. Dass die BSW-Fraktion auseinandergeflogen ist, habe ihn nicht überrascht. Vielleicht sei das sogar reinigend gewesen, sodass die Koalition jetzt nach vorn blicken könne. Der größere Teil der bisherigen BSW-Fraktion hat eine neue Partei gegründet mit dem Namen „Türingen.Gerecht”. Sie will die Regierung weiter mittragen. Zuvor hatten der Bundesvorstand und BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht die Thüringer Abgeordneten aufgefordert, aus der Koalition auszutreten.

Klar ist: Die nächsten Monate dürften für Maximilian Schröter spannend bleiben. Ob da neben Landtagsarbeit und neuer Vater-Rolle viel Zeit für Hobbys bleibt, ist fraglich. Zumindest das Fußballspielen will Schröter nicht aufgeben. Seit er sechs Jahre alt ist, spielt er leidenschaftlich im Verein. Das bedeutet ihm auch deshalb viel, weil er auf dem Fußballplatz aus der SPD-Blase herauskommt. „Dort spiele ich sowohl mit dem Anwalt linksaußen als auch mit dem auszubildenden Maurer in der Innenverteidigung zusammen.“ Nach dem Spiel werde in der Kabine geredet, auch über Politik. Das seien für ihn besonders gewinnbringende Gespräche. 

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