Inland

Kurz erklärt: Boris Pistorius‘ neuer Wehrdienst – was gilt und was nicht

8. April 2026 15:41:00
Die Frage, ob junge Männer für längere Auslandsreisen eine Genehmigung der Bundeswehr brauchen, erregt die Gemüter. Wir erklären, was genau das Wehrdienstgesetz von Verteidigungsminister Boris Pistorius vorschreibt – und was nicht.
Gibt die Richtung vor: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) setzt beim Wehrdienst auf Freiwilligkeit.

Gibt die Richtung vor: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) setzt beim Wehrdienst auf Freiwilligkeit.

Gibt es in Deutschland eine Wehrpflicht?

Nein. Die Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt, ebenso wie das entsprechende Wehrpflichtgesetz. Es könnte aber reaktiviert werden.

Was schreibt das aktuell gültige Wehrdienstmodernisierungsgesetz stattdessen vor?

Das Gesetz wurde maßgeblich von Verteidigungsminister Boris Pistorius erarbeitet und gilt seit Jahresbeginn 2026. Auf seiner Grundlage verschickt die Bundeswehr seit Januar Fragebögen an junge Männer und Frauen ab dem Jahrgang 2008. Das betrifft rund 700.000 junge Menschen. Während bei Frauen Freiwilligkeit gilt, sind Männer zur Beantwortung des Fragebogens und zur Musterung verpflichtet. Sie können danach allerdings frei entscheiden, ob sie Wehrdienst leisten möchten oder nicht. Damit gilt aktuell ein freiwilliger Wehrdienst.

Wieviele Soldat*innen benötigt die Bundeswehr zusätzlich?

Aktuell gibt es rund 180.000 aktive Soldat*innen in der Bundeswehr. Ziel der Bundesregierung ist es, 80.000 neue Soldat*innen hinzuzugewinnen, damit ihre Gesamtzahl auf 260.000 steigt. 

Wie will die Bundeswehr mehr Freiwillige gewinnen?

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius will die Attraktivität der Bundeswehr für junge Menschen deutlich steigern. Die Bezahlung soll besser werden, das Einstiegsgehalt etwa auf 2.600 Euro pro Monat steigen. Auch sollen finanzielle Boni gewährt werden, wie Zuschüsse zum Führerschein. Die Dienstzeiten sollen kürzer und flexibler werden, die Unterkünfte der Bundeswehr sollen ausgebaut und modernisiert werden. Arbeitsbedingungen und Karriereperspektiven sollen verbessert werden.

Boris 
Pistorius

Alle dürfen selbstverständlich verreisen und brauchen derzeit dafür auch keine Genehmigung.

Was gilt aktuell für die Genehmigung längerer Auslandsreisen?

Das gültige Wehrdienstgesetz sieht vor, dass sich alle jungen Männer zwischen 17 und 45 Jahren Auslandsaufenthalte über drei Monate von der Bundeswehr genehmigen lassen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat klargestellt, dies gelte nicht beim freiwilligen Wehrdienst, wie er bisher gilt. „Derzeit ändert sich für die Männer nichts: Ob 17 oder 45 Jahre oder dazwischen – alle dürfen selbstverständlich verreisen und brauchen derzeit dafür auch keine Genehmigung“, so Pistorius. „Dafür habe ich mich innerhalb der Koalition erfolgreich eingesetzt.“ In einer Verwaltungsvorschrift soll das nun noch einmal präzisiert werden.

Wird die Wehrpflicht wieder eingeführt?

Dazu gibt es bisher keinen Beschluss des Bundestages, der aber nötig wäre. Die alte, 2011 ausgesetzte Wehrpflicht für Männer könnte reaktiviert werden, dazu müsste es allerdings einen Gesetzesbeschluss geben.

Was soll für Frauen gelten?

Eine Reaktivierung der alten Wehrpflicht würde nur für Männer gelten. Frauen könnten, wie bisher auch schon, weiter freiwillig Wehrdienst leisten. Sollte die Wehrpflicht auch für Frauen gelten, müsste eine neue Wehrpflicht eingeführt werden. Dazu wäre eine Grundgesetzänderung mit einer 2/3-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig.

Wie steht die SPD zur Wehrpflicht?

Die SPD setzt auf einen freiwilligen Wehrdienst. Sie erwartet, damit die benötigte Zahl der Soldat*innen zu erreichen. Laut aktuellem Wehrdienstgesetz soll nur dann über eine „Bedarfswehrpflicht“ entschieden werden, „wenn die verteidigungspolitische Lage oder die Personallage der Streitkräfte dies erforderlich macht“. Das heißt, wenn sich nicht genug Freiwillige zur Bundeswehr melden oder sich die Bedrohungslage für die Sicherheit des Landes zuspitzt. 

Gibt es einen Automatismus zur Wiedereinführung der Wehrpflicht?

Nein, den gibt es nicht. Das war der SPD stets wichtig. Der SPD-Bundesparteitag in Berlin im Juni 2025 hat diese Position noch einmal ausdrücklich bekräftigt.

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