Inland

Förderung zugewanderter Studierender: Widerstand gegen Kürzungspläne

29. August 2026 08:53:27
Mit dem „Garantiefonds Hochschule“ werden seit mehr als 50 Jahren Zugewanderte beim Start ins Studium gefördert. Das Bundesfamilienministerium will nun die Gelder dafür streichen. Doch es formiert sich Widerstand.
Zwei lächelnde junge Frauen in Talaren und mit Absolventenhüten einer Universität

Der "Garantiefonds Hochschule" hat bereits Tausende Studierende aus dem Ausland durchs Studium begleitet. Nun soll damit Schluss sein.

Als Sepideh nach Deutschland kam, hatte sie keine Ahnung vom deutschen Bildungssystem. Wie auch? Die 25-Jährige hatte in Iran ihr Abitur gemacht und begonnen, Stadtplanung zu studieren. Noch im ersten Semester verließ sie das Land. So erzählt sie es in einem Video im Internet. Ihr Studium wollte sie in Deutschland fortsetzen. „Es ist nicht einfach für jemanden, der Ausländer ist und nach Deutschland kommt“, sagt Sepideh. Beratungsangebote seien vor allem auf Menschen ausgerichtet, die in Deutschland direkt arbeiten wollen. „Niemand hilft, wenn es ums Studium geht.“

Ende des Garantiefonds Hochschule: „eine gesellschaftspolitische Geisterfahrt“

Glücklicherweise geriet die Iranerin an Jens Buschmeier. Er berät junge Zugewanderte, die in Deutschland ein Studium beginnen oder fortsetzen wollen. „Wir helfen ihnen, sich in der deutschen Hochschullandschaft zurechtzufinden“, erklärt Buschmeier ebenfalls in dem Internetvideo. Auch bei der Anerkennung von Zertifikaten unterstützt er. Jens Buschmeier ist einer von mehr als 30 Bildungsberatern, die bundesweit für das Bundesprogramm „Garantiefonds Hochschule“ tätig sind. Zumindest noch.

Denn das Bundesfamilienministerium will die Finanzierung des Programms zum Ende des Jahres einstellen, nach mehr als 50 Jahren. Ab 2027 würde damit die Unterstützung für junge Zugewanderte, Geflüchtete und Spätaussiedler*innen auf ihrem Weg in Studium und akademische Ausbildung wegfallen. „Den Garantiefonds Hochschule abwickeln zu wollen, ist eine sozial- und gesellschaftspolitische Geisterfahrt“, kritisiert Frank Überall. Er ist Geschäftsführer der Otto Benecke Stiftung (OBS), die den „Garantiefonds Hochschule“ koordiniert.

Garantiefonds Hochschule hilft bei Gewinnung von Fachkräften

„Auf der einen Seite ringen wir in Deutschland um Fachkräfte, auf der anderen Seite soll ein erfolgreiches Programm zerstört werden, das uns genau diese Expertinnen und Experten bringt“, sagt Überall. Fast zwei Drittel der Absolvent*innen, die die Angebote des „Garantiefonds Hochschule“ in Anspruch nähmen, belegten naturwissenschaftliche, technische oder medizinische Studiengänge. Es gehe vor allem um Ingenieur*innen und Ärzt*innen. „Jetzt ein paar Euro einzusparen, wird später einen viel höheren finanziellen Aufwand mit sich bringen, um Fachleute andernorts anzulocken“, warnt Überall.

Nach Angaben des Familienministeriums stehen im aktuellen Haushalt 16,3 Millionen Euro für den „Garantiefonds Hochschule“ zur Verfügung. Geld, das im kommenden Jahr eingespart werden soll. Doch der Widerstand gegen die Pläne wächst. Eine Online-Petition, die fordert, das Programm zu erhalten, hat gerade die Marke von 100.000 Unterzeichner*innen geknackt.

Es droht eine strukturelle Lücke im Bildungssystem

„Es existiert deutschlandweit kein vergleichbares Angebot“, heißt es in der Petition. Werde das Programm nicht weiter gefördert, entstehe „eine gravierende strukturelle Lücke im Bildungssystem. Jungen Talenten wird damit ein zentraler Zugang zu akademischer Bildung und Qualifizierung versperrt.“ OBS-Geschäftsführer Frank Überall hat die Hoffnung, dass das Programm in den anstehenden Haushaltsberatungen im Bundestag noch gerettet werden kann, noch nicht aufgegeben. Es gebe „viele Kräfte in den aktuell regierungstragenden Fraktionen, die mit uns im konstruktiven Gespräch sind und die eine solche Streichung nicht mitmachen wollen“, sagt Überall.

Welche Bedeutung der „Garantiefonds Hochschule“ für jungen Einwander*innen wie Sepideh hat, macht die Iranerin im Video deutlich. „GF-H ist der Grund dafür, dass ich heute glücklich bin.“

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.

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