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Als Reaktion auf Trumps Drohungen: Grönland und Island in die EU?

13. January 2026 16:42:02
US-Präsident Donald Trump droht Grönland unverhohlen mit einer Annexion. EU-Politiker*innen ringen um eine Reaktion auf die imperialen Gelüste. Die SPD setzt auch auf die militärische Karte.
Grönlands Hauptstadt Nuuk: Auf der Insel leben insgesamt nur 65.000 Menschen.

Grönlands Hauptstadt Nuuk: Auf der Insel leben insgesamt nur 65.000 Menschen.

Dänemark ist ein vergleichsweise kleines Land. Deswegen bittet es die USA um Unterstützung bei der Verteidigung Grönlands. Beide Staaten schließen darauf einen Verteidigungsvertrag. 10.000 amerikanische Soldaten werden auf Grönland stationiert. Kein Szenario aus der Zukunft, sondern eines aus der Geschichte, das der frühere dänische Außenminister Villy Søvndal zu Beginn eines Pressegespräches am Dienstag in Erinnerung ruft. 

Grönland: Kaufversuch der USA scheiterte schon vor 80 Jahren

1951, also vor genau 75 Jahren, wurde dieser Verteidigungsvertrag zwischen Dänemark und den USA geschlossen, „weil wir schon damals wussten, dass es für ein kleines Land wie Dänemark sehr schwierig sein würde, Grönland zu verteidigen“, sagt Søvndal. Fünf Jahre zuvor hatten die USA vergeblich versucht, die Insel für 100 Millionen Dollar in Gold zu kaufen. Dieser Teil der Geschichte könnte sich wiederholen. Zumindest wenn es nach US-Präsident Donald Trump geht, der nach seinem erfolgreichen Militärschlag gegen Venezuela nun unverhohlen Drohungen Richtung Grönland ausspricht. 

Tobias
Cremer

Es ist wichtig, mehr Präsenz zu zeigen. Denn das erhöht die Hemmschwelle für die USA.

Doch wie positioniert sich die Europäische Union in diesem Streit? Denn Grönland ist zwar nach einem Streit bereits 1985 aus der damaligen Europäischen Gemeinschaft ausgetreten, gehört politisch aber zu EU-Mitglied Dänemark und sei dementsprechend „schützenswert für Europa“, wie der außenpolitische Sprecher der SPD-Abgeordneten im Europaparlament, Tobias Cremer, sagt. Aus seiner Sicht solle die EU als Reaktion auf Trumps Drohgebärden ein stärkeres Interesse an Grönland zeigen. „Es ist wichtig, mehr Präsenz zu zeigen. Denn das erhöht die Hemmschwelle für die USA“, glaubt Cremer.

EU-Mittel für Grönland verdoppelt

Ein stärkeres Interesse könnte zum einen bedeuten, die militärische Präsenz auf Grönland auszuweiten. Laut Cremer auch um Washington zu zeigen, dass die europäischen Staaten willig und fähig seien, selbst in der Region sicherheitspolitisch Verantwortung zu übernehmen. Eine aktivere Tolle in der Arktis soll zum anderen auch die Verdopplung der EU-Mittel für Grönland auf mehr als eine halbe Milliarde Euro bedeuten, wie Cremers konservativer Parlamentskollege David MacAllister (CDU) referiert. Damit sollen mehr Investitionen in Forschung, Sicherheit und nachhaltige Rohstoffgewinnung in Grönland finanziert werden.

Eine weitere Möglichkeit der vertieften Zusammenarbeit wäre ein erneuter EU-Beitritt Grönlands. „Wenn sie das wollen würden, stünden ihnen in Europa die Türen offen, aber es wäre keine Frage von drei oder vier Tagen“, lautet Cremers Einschätzung. Ein EU-Beitritt böte Grönland größere Sicherheit und mehr wirtschaftliche Möglichkeiten, glaubt Villy Søvndal. „Ob sie den ganzen Weg gehen und wieder EU-Mitglied werden wollen, muss die grönländische Bevölkerung entscheiden“, sagt der frühere dänische Außenminister.

Grönland und Island: Fischfang als Hürde zum Beitritt

Auftrieb könnte der Wunsch nach einem Beitritt womöglich durch ein in den nächsten eineinhalb Jahren geplantes Referendum im benachbarten Island bekommen. Dort sollen die Bürger*innen darüber abstimmen, ob die Beitrittsverhandlungen mit der EU fortgesetzt werden sollen. Also kommt nach der über viele Jahre vorangetriebenen Ost- bald auch eine Norderweiterung der EU? Als Hürde könnten sich auf dem Weg dahin die Fischereirichtlinien der EU erweisen. Deswegen sagt Søvndal: „Da müssen wir irgendwie einen eleganten Kompromiss machen und pragmatisch operieren. Denn wir haben als EU ein Interesse am Beitritt von Island und Grönland.“

Autor*in
Jonas Jordan
Jonas Jordan

ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo

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6 Kommentare

Gespeichert von max freitag (nicht überprüft) am Mi., 14.01.2026 - 12:13

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ihrem Bestand Spielball der Interessen der USA sein und bleiben, es sei denn: Russland in die EU, und die Ukraine auch. Das beendet den Krieg dort, und es bringt Sicherheit für den ganzen Kontinent

Gespeichert von Rudolf Isfort (nicht überprüft) am Mi., 14.01.2026 - 14:52

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US-Präsident Trump, einzig durch „seine eigene „Moral“ und seinen eigenen „Verstand““ limitiert (Süddeutsche Zeitung, 9.1.16), braucht Grönland für die Sicherheit der USA – unbedingt. Das gefällt dem „außenpolitischen Sprecher der SPD-Abgeordneten im Europaparlament, Tobias Cremer“ nicht. Sein Vorschlag für Grönlands Sicherheit: „Es ist wichtig, mehr Präsenz zu zeigen. Denn das erhöht die Hemmschwelle für die USA“, Grönland zu annektieren. Natürlich meint Cremer nicht, dass seine Präsenz auf Grönland die USA abschrecken würde, es müsse schon „die EU ... ein stärkeres Interesse an Grönland zeigen … und die militärische Präsenz auf Grönland ausweiten“. Es gibt ja unzählige Beispiele dafür, wie todsicher Abschreckung wirkt.
In wenigen Wochen, Monaten oder Jahren, unsere kriegsbesessenen Kriegstüchtigen können sich auf den genauen Zeitpunkt nicht einigen, wird Putin uns, die Nato angreifen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, denn,

Trump agiert wie Kaiser Nero von Rom und setzt nur auf zerstörung andere und selbstbereicherung. Wir müssen ähnlich wie Frankreich und andere Länder die USA als Gefahr für unsere Sicherheit einstufen. Die Regierung, besonders Wadephul und Merz kuscheln zuviel mit Trum und die USA. Die Nato muss aufgelöst werden. Eine neue Bündnis zwischen EU und Kanada muss her. Auch andere vond der USA bedrohte Länder, wie Mexico dürfen und sollen selbstverständlich ein TGeil des Bündnisse werden könn. Alle USA Miltair einrichtungen müssen geschlossen werden und die USA Soldaten müssen nach hause kehren. Wir müssen wie Kanada den Handel mit den USA weitgehenst umgehen mit neue Verträgen mit andere Länder. USA Güter sollen boykottiert werden (siehe Kanada) und wir sollen in den USA nichts mehr exportiere (auch wie Kanada). Die Fussball Wm und die Olympische Spiele müssen boykottiert werden. Es muss eine strenge Reisewarnung ind die USA geben wegen der US Gestapo Gefahr.

Gespeichert von Rudolf Isfort (nicht überprüft) am Mi., 14.01.2026 - 14:56

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wie unser „ranghöchster Soldat der Bundeswehr (weiß,) denkt Russland Krieg in einem Kontinuum“ - die Lage ist also „bitterernst“ (Handelsblatt, 3.2.25). Cremer will es im Zweifel auch noch mit den USA aufnehmen. Ja, warum nicht? Und fordert uns China nicht auch dauernd heraus? Müssten wir deshalb nicht unsere Präsenz im Südchinesischen Meer verstärken?

Laschet übrigens meint, in Falle eines Angriffs der USA auf Grönland könnten wir, könnte die EU gar nichts machen. Er setzt darum auf Diplomatie, diesen Fall zu verhindern – aber der Mann schlägt ja auch schon seit geraumer Zeit bei Illner vor, dass Europa endlich versucht, mit Putin ins Gespräch zu kommen.

Wer fühlt sich angesichts der SPD-Spitzenpolitiker nicht bestens in der SPD aufgehoben?

Gespeichert von John Doe (nicht überprüft) am Mi., 14.01.2026 - 19:35

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Ich würde sagen, für unsere eigene nationale Sicherheit und eine bessere Überwachung von Russland benötigen wir unbedingt Alaska als neues Bundesland. Alles andere ist inakzeptabel...