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Klingbeil in Washington : Transatlantische Beziehungen „in Auflösung“

13. January 2026 13:48:37
Wie lief das Gespräch mit seinem US-Amtskollegen? Das behielt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil nach dem Treffen mit Scott Bessent für sich. Umso deutlicher wurde der SPD-Chef bei einem anderen Thema.
Macht sich „große Sorgen“ um das transatlantische Verhältnis: Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil

Macht sich „große Sorgen“ um das transatlantische Verhältnis: Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil

Dass „die guten alten Zeiten“ in einer Beziehung vorbei sind, merkt man meist erst in der Rückschau: Wenn längst eine Krise im Miteinander die nächste jagt und man fürchtet, auf eine Katastrophe zuzusteuern. Ganz so ist es auch im transatlantischen Verhältnis. Das zeigte der Besuch von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil am Montag in Washington.

Schon die Art der „Einladung“ an den Vizekanzler zum Treffen der G7-Finanzminister zeigte, was aus der transatlantischen Freundschaft unter US-Präsident Donald Trump geworden ist. Die kam nämlich äußerst kurzfristig, nur wenige Tage vor dem Termin. Auch wurde den Geladenen nicht gesagt, worum es konkret gehen sollte. Das Thema kritische Rohstoffe wie seltene Erden, Lithium, Kobalt, Kupfer oder Aluminium, die etwa in der Chip-, Auto- und Rüstungsindustrie unverzichtbar sind, sollte auf der Tagesordnung stehen, viel mehr erfuhren sie nicht. Und trotzdem kamen alle Finanzminister umgehend nach Washington, die der G7-Staaten sowie die aus Australien, Mexiko, Südkorea und Indien.

Klingbeil: Gespräch mit US-Amtskollegen „sehr gut“ gelaufen

Wie sehr sich die transatlantischen Beziehungen verändert haben, zeigte sich auch nach dem Treffen. Eine gemeinsame Pressekonferenz der Finanzminister gab es nicht. Zu groß die Sorge, diese könne die Widersprüche und die Entfremdung im Bündnis offen zutage bringen. Waren sie früher selbstverständlich und Routine, sind heute Pressekonferenzen mit Vertretern der Trump-Administration zu einem Hochrisikofaktor in den Beziehungen geworden. Man denke er nur an so beispiellose wie desaströse „Pressebegegnung“ von Trump und Ukraines Präsident Selenskyj im März 2025 im Weißen Haus.

Entsprechend wortkarg zeigte sich der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil nach seinem Gespräch in Washington. Es sei „sehr gut“ verlaufen, der Dialog sei ihm wichtig, so der SPD-Chef. Aber aus seinem vertraulichen Gespräch mit dem US-Amtskollegen Scott Bessent, zu dem er einen guten Draht habe, wolle er nichts ausplaudern. 

Lars
Klingbeil

Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über die Zukunft Grönlands zu entscheiden.

SPD-Chef: „Wir brauchen territoriale Integrität“

Deutlicher wurde Klingbeil dagegen vor diesem Gespräch. Und dabei ging es nicht um Rohstoffe, sondern um Grönland. „Angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen werde ich in Washington deutlich machen: Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über die Zukunft Grönlands zu entscheiden“, so der Vizekanzler im Gespräch mit Journalist*innen. Deutschlands Solidarität mit Dänemark sei völlig klar. „Wir brauchen die staatliche Souveränität, die territoriale Integrität. Und das ist ein gemeinsames Signal, das wir Europäer gegenüber der US-Administration auch immer wieder deutlich machen.“ 

Klingbeil stellte klar: „Diese völkerrechtlichen Prinzipien gelten für alle – auch für die Vereinigten Staaten.“ Die Sicherheit in der Arktis, die von Trump als Argument genannte wird, um Grönland zu kontrollieren, „erhöhen wir miteinander als Nato-Verbündete – nicht in einem Gegeneinander“, betonte der SPD-Chef.

Klingbeil: Differenzen mit USA werden immer größer

Damit reagierte er auf eine Ankündigung von US-Präsident Trump. Dieser hatte gesagt: „Wir werden wegen Grönland etwas unternehmen, ob es ihnen passt oder nicht.“ Er würde gerne eine Einigung über Grönland erzielen. „Aber wenn wir es nicht auf die einfache Art machen können, werden wir es auf die harte Art machen.“

In Europa schrillten die Alarmglocken. Ein NATO-Partner droht einem anderen mit Landraub unter Einsatz von Waffengewalt. Beispiellos in der Geschichte der Allianz. Angesichts dieser Lage sei Europa weder naiv noch blind, betonte Klingbeil. Er mache sich „große Sorgen“ um das transatlantische Verhältnis. Deshalb sei es so wichtig, im Dialog zu bleiben und miteinander zu diskutieren. „Aber wir sehen eben auch, dass die Diskussionen immer schwieriger werden, dass die Differenzen immer größer werden.“ Klingbeil ist überzeugt, „dass das schlecht für die Welt ist, wenn sich Europa und die USA auseinanderdividieren“.

„Wir sehen, dass das transatlantische Verhältnis, sich in der Auflösung befindet“

Noch kritischer zeigte sich der SPD-Chef gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Wir sehen, dass das transatlantische Verhältnis, das immer ein fester Bestandteil unserer Außen- und Sicherheitspolitik war, sich in der Auflösung befindet“, konstatierte er hier. Die Folge daraus: Klingbeil will eine engere europäische Zusammenarbeit als Antwort auf die amerikanische Aggression gegen den NATO-Verbündeten Dänemark. „Für mich ist die Konsequenz völlig klar: Wir müssen Europa weiter stärken und wir müssen dabei viel schneller werden. Das bisherige Tempo wird der Lage nicht gerecht. Die europäische Souveränität hat jetzt oberste Priorität“, so der SPD-Chef.

Klare Worte, klare Haltung. In einer ungewöhnlichen und geradezu schonungslosen Deutlichkeit, was die transatlantischen Beziehungen angeht. Und mit offener Kritik am Verhalten der Trump-Administration gegenüber den Verbündeten, wie sie etwa von Kanzler Merz oder Außenminister Wadephul nicht zu hören ist. Was Lars Klingbeil davon seinem US-Amtskollegen direkt gesagt hat und wie dieser darauf reagiert hat, wollte der SPD-Chef nach den Gesprächen in Washington nicht sagen. Wie gesagt, es waren vertrauliche Gespräche.

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2 Kommentare

Gespeichert von max freitag (nicht überprüft) am Di., 13.01.2026 - 16:59

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uns zu verzwergen. Raus aus Deutschland mit den US Truppen, WM Boykott, Abschaltung der sozialen Medien und vieles andere mehr. Amoklaufen, können wir auch, müssen uns nur trauen