„Der ‚Vorwärts‘ kann zu einem echten Player in der Medienlandschaft werden“
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Will mit dem „Vorwärts“ an die Tradition aus den 20er Jahren anknüpfen: SPD-Generalsekretär und Vorwärts-Herausgeber Tim Klüssendorf
Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an den „Vorwärts“ denkst?
Ich habe sofort die Titelseiten aus den 1920er Jahren vor mir. Der Kampf gegen die Feinde der Demokratie, die drei Pfeile der „Eisernen Front“, die zu dieser Zeit fester Bestandteil der Vorwärts-Titelseiten waren mit einem klaren Bekenntnis: Wir stehen für eine freie und gerechte Gesellschaft und wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte.
Der „Vorwärts“ war in dieser Zeit auch ein starkes Gegengewicht zu mächtigen Kapitalinteressen und der bürgerlichen Presse hinsichtlich der öffentlichen Meinungsbildung. In dieser Funktion hat er schlagkräftig sozialdemokratische Politik erklärt. Das ist etwas, auf das man auch 100 Jahre später noch sehr stolz sein kann. Mit dem neuen Logo knüpfen wir deshalb auch bewusst an diese Tradition an.
„Als Medium der SPD kann und muss der „Vorwärts“ zukünftig einen stärkeren Beitrag dazu leisten, unsere Haltung mit journalistischem Anspruch in die Öffentlichkeit zu tragen.“
Wo siehst du Parallelen?
In der Medienlandschaft verschiebt sich gerade rasant etwas. Neben den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und private Medien sind die digitalen Plattformen getreten, die für immer mehr Menschen die Hauptinformationsquelle sind. Darüber hinaus gibt es ein wachsendes Interesse von rechtskonservativer bis rechtsextremer Seite, eigene Medien aufzubauen, um ungefiltert die eigene Weltsicht zu verbreiten.
Mit dem „Vorwärts“ haben wir ein Medium mit einer langen Tradition, das dagegenhalten kann. Das kann er aber nur, wenn er nicht allein in die SPD hineinwirkt, sondern auch klar nach außen Position bezieht und Orientierung gibt. Deshalb haben wir uns vor einigen Monaten auf den Weg gemacht, den „Vorwärts“ neu auszurichten – mit einem klar journalistischen Auftrag, einer eigenen Sprache und einer klaren Haltung.
Es sorgt immer mal wieder für Irritation, dass eine Partei eine eigene Zeitung, ein eigenes Medium hat. Warum ist der SPD das wichtig?
Die deutsche Sozialdemokratie war und ist mehr als eine Partei. Sie ist eine Bewegung und Medien waren stets ein wichtiger Teil davon. Als Medium der SPD kann und muss der „Vorwärts“ zukünftig einen stärkeren Beitrag dazu leisten, unsere Haltung mit journalistischem Anspruch in die Öffentlichkeit zu tragen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, unkritisch mit der SPD umzugehen. Wichtig ist, dass er mit einem klaren Wertekompass handelt, mit einer klaren Haltung für unsere Demokratie, für Respekt und Gerechtigkeit.
„Der „Vorwärts“ bespielt mehr Kanäle als früher, aber vor allem tritt er anders auf.“
Siehst du den „Vorwärts“ mit dem neuen Konzept dafür gut aufgestellt?
Ja. Heute ist die Medienlandschaft deutlich vielfältiger als bei der Gründung des „Vorwärts“ und das Format Zeitung reicht bei weitem nicht aus, um die Menschen zu erreichen. Mit einem E-Mail-Briefing richten wir uns an diejenigen, die kurz und knapp informiert sein und Orientierung für den Tag haben wollen. Über vorwärts.de werden Informationen und Einordnungen schnell verbreitet. Vor dem Hintergrund von Künstlicher Intelligenz spielt das eine immer wichtigere Rolle. Wer verlässliche Quellen setzt, gewinnt an Gewicht.
Und natürlich wollen wir auch im Bereich Bewegtbild unterwegs sein. Hier sind die digitalen Plattformen wie Instagram und TikTok ganz entscheidend, um Informationen, Hintergründe und Haltung in die Breite zu tragen. Ergänzt wird das zweimal im Jahr durch ein hochwertiges Magazin, das die stärksten Beiträge bündelt. Der „Vorwärts“ bespielt mehr Kanäle als früher, aber vor allem tritt er anders auf. Und das machen wir auch mit dem neuen Markenauftritt deutlich.
Am 1. Oktober wird der „Vorwärts“ 150 Jahre alt. Wenn wir ein Jahr weiterschauen: Wann wärst du zu seinem 151. Geburtstag zufrieden?
Mein Wunsch ist, dass sowohl die SPD-Mitglieder als auch Menschen aus dem Umfeld der SPD regelmäßig sagen: „Das habe ich beim ‚Vorwärts‘ gesehen. Jetzt weiß ich, wie ich argumentieren kann.“ Das wäre ein echtes Zeichen, dass er ankommt. Ein Ziel ist auch, dass andere Medien sich häufiger auf den „Vorwärts“ beziehen müssen, weil hier neue Vorschläge und Vorhaben zuerst sichtbar werden. So kann der „Vorwärts“ zu einem ernsthaften Player in der Medienlandschaft werden, zum Wohle der Sozialdemokratie, aber auch der demokratischen Öffentlichkeit in unserem Land insgesamt.
Dirk Bleicker | vorwärts
ist Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.