Parteileben

Vor den Landtagswahlen: Warum die SPD im Umfrage-Hoch ist

5. February 2026 17:06:53
Zum Jahresanfang legt die SPD in Umfragen zum Teil deutlich zu. Daraus verspricht sie sich Rückenwind für die fünf anstehenden Landtagswahlen in diesem Jahr. Aus Sicht von Generalsekretär Tim Klüssendorf ist das Hoch kein Zufall.
Symbolbild: Modellfiguren hinter hölzernen Buchstabentäfelchen, die das Wort "Wähler" bilden vor einem roten Hintergrund mit SPD-Logo

In der Gunst der Wähler*innen kann die SPD ordentlich zulegen. Generalsekretär Tim Klüssendorf hat eine Erklärung dafür.

Berlin plus einen Prozentpunkt, Rheinland-Pfalz und Hessen plus drei, Nordrhein-Westfalen plus vier und Mecklenburg-Vorpommern plus sechs Punkte: Die Wahlumfragen lassen das Jahr 2026 für die SPD äußerst positiv beginnen. Besonders erfreulich für die Sozialdemokrat*innen: Mit Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern können sie in zwei Bundesländern, in denen in diesem Jahr eine Landtagswahl ansteht, besonders stark zulegen. Allein in Baden-Württemberg, wo am 8. März gewählt wird, verharrt die SPD in den Umfragen bei zehn Prozent.

„Wir haben einen klaren Kompass, das zahlt sich aus.“

„Man merkt in der Partei, dass da gerade etwas entsteht“, bewertet Generalsekretär Tim Klüssendorf den Höhenflug der SPD in den Umfragen. Aus Klüssendorfs Sicht sind die zum Teil deutlichen Zugewinne „kein Zufall, sondern Ergebnis der Arbeit der letzten Wochen“. Als Beispiel nennt er das Konzept der SPD für eine Neuregelung der Erbschaftssteuer, das Mitte Januar vorgestellt wurde. „Wir haben einen klaren Kompass, das zahlt sich aus“, ist Klüssendorf überzeugt.

In Sachen Erbschaftssteuer hat die SPD zudem die Mehrheit der Deutschen auf ihrer Seite. In einer Forsa-Umfrage sprachen sich im vergangenen Jahr 57 Prozent für eine höhere Erbschaftsteuer auf große Vermögen aus. Ebenso wichtig wie die Inhalte selbst ist für den Höhenflug der SPD aus Klüssendorfs Sicht, wie sie vorgebracht werden. „Es ist wichtig, Themen zu setzen, statt ihnen hinterherzulaufen“, ist der Generalsekretär überzeugt. Auch hierfür sei die Debatte über die Erbschaftssteuer ein gutes Beispiel.

Debatte über „Lifestyle-Teilzeit“ hilft SPD zusätzlich

Aus Sicht des Parteienforschers Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel profitiert die SPD aber auch von der Debatte über die „Lifestyle-Teilzeit“, angeblich zu viele Krankheitstage und die Herausnahme der Zahnarztkosten aus den Leistungen der Krankenkassen – alle angestoßen von Gruppierungen innerhalb der CDU beziehungsweise direkt von Bundeskanzler Friedrich Merz. „Insofern ist augenblicklich der Wirtschaftsflügel als Unterstützer der Opposition beziehungsweise der SPD unterwegs“, sagte Schroeder dem Sender „hr Info“.

Generalsekretär Klüssendorf will dem nicht widersprechen, sieht in den Forderungen aus der Union aber nicht die Hauptursache für das Erstarken der SPD. „Es gibt uns als SPD aber die Gelegenheit, unsere Haltung nochmal klar zu formulieren.“ Dafür wolle die Partei auch die Klausur des Parteivorstands am kommenden Wochenende nutzen. Auf der Tagesordnung stehen Beschlüsse in den Bereichen Wirtschaft, Internationales und Sozialstaat.

Hoffen auf eine Aufholjagd in Rheinland-Pfalz

Auf die Stimmung bei dem Treffen dürften die guten Umfragen in jedem Fall einen guten Einfluss haben. Gleichzeitig weiß Tim Klüssendorf aber auch, dass vor der SPD noch eine Menge Arbeit liegt: Sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch in Rheinland-Pfalz, wo die SPD bisher den oder die Ministerpräsident*in stellt, liegt die Partei nur auf dem zweiten Platz.

In Rheinland-Pfalz, wo bereits im März gewählt wird, beträgt der Rückstand zur CDU noch drei Prozentpunkte. „Ich sehe eine gute Chance, dass wir das noch drehen können“, zeigt sich Klüssendorf optimistisch. „Es wäre ja auch nicht das erste Mal.“ 

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts. Er betreut den Bereich Parteileben und twittert unter @kai_doering.

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