SPD Münchweiler an der Alsenz: Kleiner Ortsverein ganz groß
Sönke Sieg
Premiere: Svenja Ebelsheiser, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Münchweiler an der Alsenz, nahm den neu geschaffenen Hasenclever-Preis aus den Händen von Norbert Walter-Borjans entgegen.
„Für mich ist es ganz wichtig, dass wir als Basis wahr- und ernstgenommen werden“, sagt Svenja Ebelsheiser und strahlt in die Kamera. Wenige Minuten zuvor hat die 44-Jährige beim Ortsvereinstreffen den „Hasenclever“ entgegengenommen, einen in diesem Jahr erstmalig vom „vorwärts“ und dem SPD-ReiseService vergebenen Preis für herausragende Ortsvereinsarbeit. Das war im März 2025 so nicht absehbar. Damals übernahm Ebelsheiser den Vorsitz der SPD in Münchweiler an der Alsenz, einer knapp 1200 Einwohner*innen zählenden Ortsgemeinde in Rheinland-Pfalz.
Über Stammtische und Kinderschminken ins Gespräch kommen
Bis dahin war die SPD vor Ort außerhalb von Wahlkämpfen nur wenig präsent. Ebelsheiser änderte das und initiierte gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Elias Biehl niedrigschwellige und generationenübergreifende Angebote, um den Zusammenhalt zu stärken und das Gemeinschaftsleben im Ort wieder in Gang zu bringen. Dazu zählen Angebote wie ein Neujahrs-Stammtisch, Kinderschminken auf dem Dorffest oder auch die Reihe „Ansprechbar vor Ort“, zu der die SPD am 13. Juli wieder einlädt.
„Wir sind einfach da, bringen Getränke mit und sitzen von 18 bis 19.30 Uhr im Sitzungszimmer im Bürgerhaus. Die Leute können mit ihren Anliegen vorbeikommen und wir helfen ihnen“, erklärt Ebelsheiser das Konzept. Stellvertreter Biehl ist Ansprechpartner für digitale Fragen, die Vorsitzende hilft bei Beratungsbedarf, zum Beispiel wenn es darum geht, eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen. „Ich fülle gerne Formulare aus“, sagt Ebelsheiser.
Zugewinne für die SPD gegen den Landestrend
Aus der Idee der „Ansprechbar“ entwickeln sich gerade weitere, zum Beispiel eine Talentbörse für Nachbarschaftshilfe – vom Nähen über Gartenarbeit bis hin zu gemeinsamen Spaziergängen. Der Gedanke dahinter: „Wir wollen politische Arbeit vor Ort neu denken: weniger klassische Parteiveranstaltungen, mehr echte Begegnungen, praktische Hilfe und Gemeinschaft für alle Generationen“, wie die Vorsitzende erzählt.
Das zahlt sich aus. Im Gemeinderat ist die SPD stärkste Kraft, auch Ortsbürgermeisterin Tanja Dautermann ist Genossin. Bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl im März verlor die Sozialdemokratie zwar nach 35 Jahren die Staatskanzlei. Doch in Münchweiler an der Alsenz war sie mit 34,3 Prozent klar stärkste Kraft. Was nach einer absoluten SPD-Hochburg klingt, hängt jedoch an einigen wenigen Personen. Insgesamt hat der Ortsverein gerade mal 13 Mitglieder, viele sind jenseits der 70. Doch Ebelsheiser sagt: „Besonders wichtig ist uns die Einbindung junger Menschen. In diesem Jahr konnten wir bereits zwei neue Mitglieder unter 30 Jahren gewinnen.“
Dafür sorgt auch die digitale Präsenz mit eigener Homepage, Facebook-Seite und WhatsApp-Kanal, aber auch analoge Formate wie „Pizza und Politik“, um sich in lockerer Runde über Politik auszutauschen. „Das wird wahrgenommen im Ort. Es kommt ganz viel positives Feedback von Leuten, die gut finden, dass wir so präsent sind.“ Doch nicht nur in Münchweiler an der Alsenz, sondern auch im rund 300 Kilometer entfernten Friedrichroda im Thüringer Wald, wo Ebelsheiser am ersten Samstag im Juli den mehrere Kilo schweren Hasenclever-Preis in den Händen hält.
Ein Preis, gestaltet vom ehemaligen SPD-Chef Norbert Walter-Borjans
Er erinnert an den ersten vorwärts-Chefredakteur Wilhelm Hasenclever. „vorwärts“ und SPD-Reiseservice verleihen ihn gemeinsam bei einem Treffen von rund 100 Ortsvereinsvertreter*innen aus allen Teilen Deutschlands. Der Preis zeigt zwei Bronze-Figuren auf einem Sockel aus rotem Stein, die zusammen mit einem großen Schritt einen Graben überwinden.
SPDings – der „vorwärts“-Podcast, Folge 23 mit Norbert Walter-Borjans
Eigentlich reichen sechs Buchstaben, um ihn vorzustellen: Als „Nowabo“ ist Norbert Walter-Borjans innerhalb der Sozialdemokratie bekannt. Von 2019 bis 2021 war er gemeinsam mit Saskia Esken SPD-Vorsitzender. Zuvor kämpfte er sieben Jahre lang als Finanzminister von Nordrhein-Westfalen für Steuergerechtigkeit. In der aktuellen Folge erzählt er aber auch von seinen Anfängen, als er sich als Juso-Vorsitzender in Köln-Sülz für eine ökologische Verkehrswende einsetzte.
Gestaltet hat ihn der frühere SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans, der seit vielen Jahren passionierter Maler und Bildhauer ist. Für ihn stehen die Figuren symbolisch für Ortsvereinsarbeit in der SPD. „Das ist oft ein langer Lauf, für den man einen langen Atem braucht. Und wir müssen als SPD dafür eintreten, Gräben zu überwinden.“
Ideen für die Titelverteidigung
Walter-Borjans hat es sich deshalb nicht nehmen lassen, aus Köln nach Thüringen zu reisen, um „seinen Preis“ persönlich zu übergeben. Svenja Ebelsheiser wird ihn zum Ortsvereinstreffen im kommenden Jahr wieder mitbringen müssen. Denn der „Hasenclever“ soll ein Wanderpokal werden, der jedes Jahr neu vergeben wird. Doch die 44-Jährige hat schon Ideen für die Mission Titelverteidigung. Darüber reden möchte sie allerdings noch nicht. „Da ich eine Teamplayerin bin, ist es mir ganz wichtig, diese Ideen erst mal mit meinem Team vor Ort zu besprechen, bevor ich sie ausplaudere.“
Ihr wollt alle Inhalte und Neuigkeiten des „vorwärts“ aus erster Hand?
Dann abonniert auch unseren neuen Whats-App-Kanal!
Hier entlang: whatsapp.com
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo