Cademartori und Mesarosch wollen SPD Baden-Württemberg zusammen führen
Anna Voelske / Fionn Große
Wollen die SPD Baden-Württemberg künftig als Doppelspitze führen: Isabel Cademartori und Robin Mesarosch
„Lasst uns mutig sein und endlich mal was anders machen.“ Mit deutlichen Worten hat Robin Mesarosch Mitte März in einem Social-Media-Video seine Kandidatur für den Vorsitz der SPD Baden-Württemberg erklärt. Nun wird daraus eine Doppel-Kandidatur. Ebenfalls per Video in den Sozialen Netzwerken erklären Mesarosch und die Mannheimer Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori, sich gemeinsam um den Landesvorsitz zu bewerben.
Cademartori und Mesarosch: „Wir viel mehr gemeinsam“
„Wir bündeln jetzt unsere Kräfte“, sagt Cademartori. „Und deswegen kandidieren wir ab sofort zusammen für den Landesvorsitz unserer SPD in Baden-Württemberg als Doppelspitze mit Ecken, Kanten und Gemeinsamkeiten“, ergänzt Mesarosch. Der 35- und die 38-Jährige kennen sich schon lange. Während der Ampel-Regierung saßen sie gemeinsam im Bundestag. Bei der Neuwahl im vergangenen Jahr verpasste Mesarosch den Wiedereinzug. Cademartori ist inzwischen verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion.
„Wir sind unterschiedlich“, betont Robin Mesarosch gleich zu Beginn des knapp zweiminütigen Videos. Während er mit seinem Sohn im ländlichen Baden-Württemberg lebe, wohnt Isabel Cademartori in der Großstadt Mannheim. Während sie Seeheimerin ist, gilt er als Parteilinker. „In Deutschland, in der Politik, reden wir immer gerne über unsere Unterschiede“, sagt Cademartori. „Dabei haben wir viel mehr gemeinsam“, sagt Mesarosch.
„Viele Mitglieder wollen sehen, dass die Dinge sich grundsätzlich ändern“
„Insgesamt ist unser Angebot ein verbindendes und kein spaltendes“, erklärt Isabel Cademartori im ersten gemeinsamen Interview der beiden, das am Dienstag in der „Süddeutschen Zeitung“ erschienen ist. „Wenn wir im Südwesten wieder relevant werden wollen, müssen wir wieder sichtbar werden“, nennt sie ein Ziel der Kandidatur. „Die Menschen müssen überhaupt wieder etwas von unseren Ideen mitbekommen.“ Bei der Landtagswahl am 8. März hatte die SPD mit 5,5 Prozent so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor in ihrer Geschichte.
„Viele Mitglieder wollen sehen, dass die Dinge sich grundsätzlich ändern“, sagt Robin Mesarosch im „Süddeutsche“-Interview. „Die sagen: Entweder wir verändern uns – oder wir sind weg vom Fenster.“ Die SPD müsse daher auch „liebgewonnene Strukturen“ hinterfragen. „Es muss jetzt einen Bruch geben“, fordert Mesarosch. Und Isabel Cademartori ist sicher: „Der Wunsch im Landesverband nach Veränderung ist groß.“
Zwei Premieren sind möglich
Ob die Mitglieder im Südwesten Cademartori und Mesarosch diese Veränderung zutrauen, wird sich am 20. Juni zeigen. Dann findet der vorgezogene Landesparteitag statt, auf dem die Parteiführung neu gewählt werden soll. Der bisherige Landesvorsitzende Andreas Stoch hatte noch am Wahlabend angekündigt, das Amt zur Verfügung zu stellen. Weitere Kandidaturen sind bisher nicht bekannt.
Sollten Cademartori und Mesarosch seine Nachfolge antreten, wären sie nicht nur die erste Doppelspitze in Baden-Württemberg, sondern auch die jüngsten Landesvorsitzenden. „Wir sind eine neue Generation, die jetzt Verantwortung übernimmt“, sagt Isabel Cademartori selbstbewusst. „Weil wir auch unzufrieden sind, wie es bisher läuft.“
Dirk Bleicker | vorwärts
ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.