SPD-Nachrücker David Mandrella: Aus dem Klassenzimmer in den Bundestag
Privat
David Mandrella ist für die SPD in den Bundestag nachgerückt.
Eigentlich hätte David Mandrella am 30. März seinen ersten freien Tag in den Osterferien genießen können. Doch stattdessen leistete der 25-jährige Lehrer an diesem Tag eine Unterschrift, die seine berufliche Laufbahn für die kommenden drei Jahre komplett verändern wird. Der Sozialdemokrat unterschrieb beim bayerischen Landeswahlleiter die Annahme seines Bundestagsmandates. Seither ist der Oberpfälzer das jüngste Mitglied der 120-köpfigen SPD-Fraktion.
Nachrücker für verstorbenen Carsten Träger
Dass Mandrella diese Nachricht nicht mit uneingeschränkter Freude aufnahm, hat zum einen damit zu tun, dass sie so kurzfristig kam, zum anderen aber auch damit, dass sie unmittelbar mit dem tragischen Tod seines Parteikollegen Carsten Träger zusammenhing. Dieser verstarb am 21. März im Alter von nur 52 Jahren, nachdem er während eines Skiurlaubs kollabiert war. „Ich habe Carsten zwar nicht jede Woche, aber schon des Öfteren gesehen. Man kennt sich aus der Gremienarbeit. Er war immer ein sehr lebensfroher Mensch. Plötzlich zu realisieren, dass er nicht mehr da ist, hat mich erst mal schockiert“, erzählt Mandrella im Gespräch mit dem „vorwärts“.
Dass er selbst Nutznießer dieses Schicksalsschlags sein würde, wurde ihm zwar schnell mitgeteilt, rückte für ihn aber erst einmal in den Hintergrund. „Carsten hat auch zwei Kinder in noch jungem Alter gehabt. Ich bin selbst noch nicht so alt und wenn ich mir vorstelle, ich würde meinen Vater verlieren, wäre das einer der schlimmsten Tage meines Lebens“, sagt Mandrella, dessen Eltern einst aus Polen nach Deutschland kamen. Bis er im Alter von drei Jahren in den Kindergarten kam, habe er kein Deutsch gekonnt, sagt er.
„Schulz-Zug“ bringt Mandrella in den Bundestag
In der Schule habe er sich alles hart erarbeiten müssen. Als erster in der Familie begann er ein Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg. „Im Hörsaal kam ich mir immer etwas fremd vor. Das war eine ganz andere Welt, in die ich mich erst einmal reinarbeiten musste und bei der ich immer das Gefühl hatte, mehr als alle anderen machen zu müssen, um dazuzugehören“, sagt er. So rückte Bildungsgerechtigkeit zwangsläufig für ihn in den Fokus, und damit auch die SPD und insbesondere Martin Schulz.
Dessen begeisternder Bundestagswahlkampf bewegte ihn 2017 noch als Schüler zum Eintritt in die Partei. Acht Jahre später kandidierte er selbst für den Bundestag und verfehlte den Einzug nur knapp. Er stand auf Landeslistenplatz 15, alle vor ihm kamen rein. Mandrella musste noch ein Jahr warten und arbeitete weiter als Lehrer für Wirtschaftswissenschaften und Politik und Gesellschaft. Es schmerze ihn etwas, mitten im Schuljahr seine Klasse aufgeben und sie nicht zur Abschlussfahrt nach Wien begleiten zu können, sagt er.
Abschlussfahrt ohne Klassenlehrer
Auch seine Schüler*innen waren traurig, aber stolz auf ihren Lehrer, der am Sonntag seinen 25. Geburtstag feierte und am Tag drauf seine erste Plenarwoche in Berlin begann. Dort ist erst einmal alles neu für ihn. „Mir wurde schon ein Raum genannt, aber ich habe noch keinen Plan, wo das ist“, sagte er vor seiner Fahrt in die Hauptstadt. Wo wird er wohnen? Welche Mitarbeiter*innen stellt er ein? Und in welchen Ausschüssen darf er künftig mitarbeiten? Diese Fragen klären sich für den jüngsten SPD-Bundestagsabgeordneten in den kommenden Wochen erst noch.
„Was ich bisher realisiert habe, ist, dass ich seit Montag nicht mehr in die Schule gehe“, sagt er. Seine neue Aufgabe erfüllt ihn mit Ehrfurcht: „Allein schon dieses riesige, historische Gebäude mit der ganzen Geschichte und Bedeutung zu sehen und dort künftig tätig zu sein, bedeutet mir viel.“ Klar ist für ihn schon jetzt: „Ich will mich um die Kommunen kümmern.“ Die Menschen in der Oberpfalz sollen merken, dass Politiker*innen keine abgehobenen Leute sind, sondern Menschen wie er mit dem Gespür für die Probleme vor Ort.
„Bayern ist zu schön, um es der CSU zu überlassen“
Auf seinem Instagram-Profil steht neuerdings „Mitglied des Deutschen Bundestags“, aber kurz darunter auch „Bayern, Bierzelt, Brotzeit“. Denn Mandrella sagt: „Ich liebe Bayern über alles und finde Bayern zu schön, um es der CSU zu überlassen.“
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo