Meinung

Fußball darf nicht politisch sein, will er seine Werte bewahren

8. Juni 2026 05:45:09
Am Donnerstag beginnt die Fußball-Weltmeisterschaften in den USA, Mexiko und Kanada. Politik sollte dabei keine Rolle spielen. Die Vergangenheit zeigt, dass das nie gut ausgegangen ist.
Ein Fußball liegt auf Rasen und wird von den Händen eines Schiedsrichters berührt.

Ball der Fußball-WM 2026: Die Politik sollte ihre Finger vom Fußball lassen.

Fußball darf nicht politisch sein. Wer das anders sieht, sollte sich die Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 30er Jahren ansehen, auf denen die Spieler der deutschen Nationalmannschaft vor dem Anpfiff den rechten Arm zum Hitlergruß nach oben strecken. Bei Länderspielen war diese Geste politisch vorgeschrieben.

Der Nationalsozialismus hat den Fußball für sich vereinnahmt

Dass sich der Deutsche Fußball-Bund lange schwertat, seine Geschichte in der NS-Zeit aufzuarbeiten, ist kein Wunder, denn der Hitlergruß der Nationalspieler ist nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Die nationalsozialistische Ideologie wirkte tief in die Vereine hinein, jüdische Funktionäre und Spieler wurden aus dem Fußball herausgedrängt. Die Geschichte des jüdischen Präsidenten des FC Bayern München, Kurt Landauer, ist der wohl prominenteste Fall.
 
Doch auch in der Gegenwart versuchen Autokraten, den Fußball für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Sie wollen die Fankurven kontrollieren, um politische Mobilisierung gegen das Regime im Keim zu ersticken. Große sportliche Erfolge der Nationalmannschaft werden von autokratischen Regimen propagandistisch vereinnahmt, um den Nationalstolz zu stärken und die Bevölkerung hinter der Führung zu vereinen.

Wie wird Donald Trump die WM für sich nutzen?

Durch die Ausrichtung globaler Großereignisse – wie etwa der WM in Katar 2022 oder Turniere in Russland oder Saudi-Arabien – präsentieren sich autokratische Staaten als weltoffene und moderne Gastgeber. So lenken sie gezielt von Menschenrechtsverletzungen ab. Wie Donald Trump die WM für sich nutzen wird, lässt sich bisher nur erahnen: Dass sowohl er während des Turniers seinen 80. als auch die USA ihren 250. Geburtstag feiern, dürfte dem US-Präsidenten aber in jedem Fall gelegen kommen.
 
Wer es mit dem Fußball gut meint, sollte ihn deshalb strikt von der Politik trennen. Werte wie Fairness und Gemeinschaftsgefühl, die den Sport ausmachen, drohen ansonsten auf der Strecke zu bleiben oder sogar in ihr Gegenteil verkehrt zu werden. Und das kann niemand wollen.

Fußball muss politisch sein, um ihn nicht Trump und Infantino zu überlassen, fordert dagegen vorwärts-Redakteur Jonas Jordan.

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.

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