Veränderter Bierkonsum: „Auch kleine Brauereien sollen eine Chance haben“
IMAGO/Bihlmayerfotografie
Mehr als 40 Prozent der deutschen Brauereien sind in Bayern. Die SPD will sie beim Umstieg auf alkoholfreies Bier unterstützen.
Haben Sie ein Lieblingsbier?
Ich wohne ja inmitten der Hallertauer Hopfengärten und deshalb trinke ich auch am liebsten Bier aus der Hallertau.
Trinken Sie es lieber mit Alkohol oder ohne?
Tatsächlich am liebsten alkoholfrei. Ich bin ja meistens selbst mit dem Auto unterweg. Und klar: Don't drink and drive.
Der Konsum klassischen Bieres sinkt seit Jahren, deutschlandweit um sechs, in Bayern um 5,4 Prozent. Was bedeutet das für Bayern, wo mehr als 40 Prozent der deutschen Brauereien ihren Sitz haben?
Wir werden den Trend nicht mehr umkehren können, es ist auch gut, dass die Menschen bewusster und weniger Alkohol konsumieren als früher. Umso wichtiger ist es, unsere Brauereien, die für Tradition, Arbeitsplätze und auch dezentrale Wertschöpfung stehen, bei der Umstellung auf alkoholfreie Biersorten zu unterstützen.
Die Produktion von alkoholfreiem Bier stellt aber gerade kleine Brauereien vor Herausforderungen. Warum?
Alkoholfreies Bier zu brauen ist aufwendiger als die Herstellung herkömmlichen Bieres, da der Alkohol entweder nach der Gärung aufwendig entzogen werden muss oder der Brauprozess speziell angepasst werden muss, um die Entstehung von Alkohol von vornherein zu verhindern oder zu minimieren. Dafür braucht es teure Spezialanlagen, mehr Energie und oft spezielle Hefe, das habe ich bei meinen Besuchen in den Brauereien im letzten Sommer gelernt.
Die SPD-Landtagsfraktion fordert deshalb mehr Unterstützung des Freistaats. Woran denken Sie dabei konkret?
Ganz konkret denken wir an gezielte finanzielle Unterstützung für kleine Brauereien, etwa durch Zuschüsse oder günstige Kredite für die nötige Technik. Wichtig sind uns auch Kooperationsmodelle, bei denen sich mehrere Betriebe Anlagen teilen können. Daneben braucht es aber auch Begleitung: Forschung, Marktanalysen und Beratung, damit die Betriebe nicht ins Blaue hinein investieren.
Und last but not least: Wir wollen prüfen, wo bestehende Förderregeln oder rechtliche Vorgaben unnötige Hürden aufbauen – und wie man diese abbauen kann. Unser Ziel: Auch kleine, handwerkliche Brauereien sollen eine Chance haben, vom wachsenden Markt für alkoholfreie Biere zu profitieren.
CSU und freie Wähler lehnen eure Vorschläge ab. Liegt das daran, dass Ministerpräsident Markus Söder nach eigener Aussage lieber Cola Light trinkt als Bier?
Böse Zungen behaupten, dass Markus Söder und Hubert Aiwanger nicht wissen, wie es ist, wenn man auf der Arbeit einen klaren Kopf braucht. Aber ernsthaft: Ein früherer Bayerischer Ministerpräsident war noch der Meinung, dass jeder „anständige Bayer“ nach zwei Maß Bier (für alle außer-bayerischen Leser*innen: das sind 2 Liter!) noch locker Autofahren kann. Zu so einer Einschätzung kann man meiner Meinung nur kommen, wenn man mit dem Chauffeur zum Volksfest vorgefahren wird.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
Dirk Bleicker | vorwärts
ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.