Inland

US-Demokraten und die SPD: „Trump und MAGA sind unsere Gegner“

12. February 2026 12:30:00
Am 15. Februar diskutiert die SPD-Abgeordnete Isabel Cademartori mit der US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez in Berlin. Im Interview erklärt sie, was sie sich von dem Abend erhofft und weshalb die SPD die Beziehung zu den progressiven US-Demokraten vertiefen sollte.
Eine Kreidezeichnung von Donald Trump auf einem Gehweg, daneben der Schriftzug "We don't need another Hitler"

„Der Trump-Faschismus ist ja kein reines US-Phänomen: Bei uns macht er sich in Form der AfD breit“, findet SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori. (Symbolbild)

In den Vereinigten Staaten ist die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, auch kurz „AOC“ genannt, schon längst ein Polit-Star der Linken. Nun kommt sie nach Deutschland – und macht auch in Berlin halt. Mit auf der Agenda: Ein Gespräch zwischen Ocasio-Cortez und der SPD-Bundestagsabgeordneten Isabel Cademartori.

Alexandria Ocasio-Cortez ist zwar auch außerhalb der USA bekannt, bisher jedoch nicht durch internationale Auftritte aufgefallen. Jetzt wird sie am Sonntag mit Ihnen in Berlin diskutieren – wie kam es dazu?

Das stimmt, sie hat sich bisher stark auf innenpolitische Fragen konzentriert. Meines Wissens ist das ihre erste Reise nach Europa als Kongressabgeordnete jemals. Und auch erst die zweite Auslandsreise überhaupt. Jetzt versucht sie, ihr außenpolitisches Profil zu schärfen, und kommt dafür zur Münchner Sicherheitskonferenz und im Anschluss nach Berlin. Ich sehe darin ein gutes Zeichen, dass die neue Generation von Politiker*innen in den USA das transatlantische Verhältnis mitgestalten wollen – daran sollten wir hier in Deutschland ein großes Interesse haben.

Ich selbst war seit ich im Bundestag bin schon mehrfach in den USA und habe dort mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem damaligen Leiter in Washington, Knut Dethlefsen, von Anfang an sehr stark den Kontakt zum progressiven Flügel der Demokraten gesucht. Alexandria Ocasio-Cortez und ich hatten zwar keinen direkten Kontakt, aber es gibt viele Themen, die uns verbinden.

Welche Themen sind das?

Vor allem die internationalen Themen – da habe ich mit ihrem Beraterumfeld und den progressiven Flügel der Demokraten schon gemeinsam an Projekten gearbeitet. Das bekannteste Beispiel ist unser Brief aus dem Januar 2024, in dem zwölf Kongressabgeordnete der USA und 20 SPD-Bundestagsabgeordnete einen Waffenstillstand für Gaza fordern. Sie haben mich bei meiner Israel- und Palästina-Reise unterstützt und mir wichtige Einschätzungen zum US-Angriff auf Venezuela gegeben, die ich im „vorwärts“ veröffentlicht habe.

Wir sind beide Latinas, und als sie auf einer Lateinamerika-Reise auch in Chile war und sich dort für die Verbrechen der Amerikaner während der Militärdiktaturen in Lateinamerika entschuldigt hat, habe ich mich bedankt, weil das auch meine Geschichte berührt.

„Die progressiven US-Demokraten sind der natürliche Partner der SPD“ 

Wünschen Sie sich eine stärkere Zusammenarbeit zwischen der SPD und der demokratischen Partei in den USA?

Ja, ich finde eine enge Kooperation an dieser Stelle sehr wichtig. Meiner Meinung nach sind die progressiven Demokraten der natürliche Partner der Sozialdemokraten. Es gibt in der transatlantischen Arbeit der SPD den Ansatz zu sagen, wir müssen mit moderaten Republikanern und moderaten Demokraten im Gespräch sein.

Dagegen spricht grundsätzlich nichts, natürlich sollte man mit allen reden – aber wir haben begrenzte Kapazitäten und Ressourcen. Deshalb sollten wir uns als Partei, anders als die Bundesregierung, auf diejenigen konzentrieren, die uns politisch nahestehen – und nicht versuchen, Leute aus dem Umfeld von Donald Trump gnädig zu stimmen. Das führt zu nichts. Trump und MAGA sind unsere Gegner.

Aktuell ist das allerdings das politische Lager, das in den USA das Sagen hat.

Aus meiner Sicht ist entscheidend gemeinsam daran zu arbeiten, die MAGA Bewegung, wie die AFD hierzulande, zu überwinden. Wenn wir irgendwann wieder eine andere US-Politik in der Welt haben wollen, dann sind gerade die Partner wichtig, die für Völkerrecht und eine regelbasierte Ordnung stehen.

Deswegen ist es entscheidend, dass auch die junge Generation in der Politik die transatlantischen Beziehungen pflegt, oder sie in gewisser Weise neu erarbeitet. Zumal die Generation von Joe Biden, deren persönliche und politische Verbindung zu Europa stark biografisch verankert war, zunehmend keine Rolle mehr spielt. 

Welche Werte sollten dabei im Vordergrund stehen?

Die Vielfalt unserer Gesellschaften sollte auch in den politischen Beziehungen eine Rolle spielen. Die USA sind ein unglaublich vielfältiges Land, aber Deutschland ist das auch. Die kulturelle Vielfalt, die wir hier haben, kam bisher in der transatlantischen Arbeit nicht ausreichend zum Tragen.

„Wir wollen ein Bild von einer Zukunft zeichnen, die gerecht und solidarisch ist“ 

Als Menschen und Politikerinnen mit Migrationshintergrund in Deutschland und den USA verbindet uns vieles. Das kann den transatlantischen Beziehungen eine zusätzliche Tiefe und Breite geben, weil uns nicht nur die Frage beschäftigt, wie das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA ist, sondern wie wir als Wertepartner mit dem Rest der Welt umgehen. 

Am Sonntagabend wird es dann um verschiedene Themen gehen. Was sollen Zuschauer*innen aus Ihrem deutsch-amerikanischen Austausch mitnehmen?

Da die Veranstaltung an der Technischen Universität Berlin stattfindet, werden vorrangig Studierende im Publikum sitzen. Das war bewusst so gewählt – denn es geht uns ja auch darum, die nächste Generation dazu zu inspirieren, sich für unsere Demokratie zu engagieren.

Der Trump-Faschismus ist ja kein reines US-Phänomen: Bei uns macht er sich in Form der AfD breit, aber am Ende ist es ein globales Problem. Wir wollen ein Bild von einer Zukunft zeichnen, die gerecht und solidarisch ist. Jetzt in Fatalismus zu verfallen im Kampf gegen die Tech Milliardäre, die Trumps, die Putins, die Netanjahus, die Orbans – das wäre das Falsche. Wir brauchen die Jugend und ihr Engagement im Kampf um eine gerechte und friedliche Welt.

Für alle Interessierten bietet die TU Berlin einen Livestream der Veranstaltung mit Isabel Cademartori und Alexandria Ocasio-Cortez am 15.02.2026 um 18:00 Uhr an. 

Autor*in
FL
Finn Lyko

ist Redakteurin des „vorwärts“.

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