Elektronische Patientenakte: Verbraucherzentrale fordert Verbessserungen
Christian Ohde
Die elektronische Patientenakte soll entscheidend zur Digitalisierung des Gesundheitssystems beitragen.
Viel Potenzial und wenig Nutzen: So lautet die Ein-Jahres-Bilanz der Verbraucherzentrale zur elektronischen Patientenakte (ePA). 94 Prozent der gesetzlich Versicherten würden die ePA laut einer repräsentativen Umfrage kennen, doch eine deutliche Mehrheit (71 Prozent) würde die eigene Akte nicht aktiv nutzen. Neun Prozent hätten Widerspruch dagegen eingelegt oder sie löschen lassen. 33 Prozent der Befragten sähen keinen persönlichen Nutzen in der ePA.
Verbraucherzentrale: Fehlende Funktionen der ePA schrecken Menschen ab
Als Hürden für die Nutzung der ePA nennt die Verbraucherzentrale fehlende Funktionen, unzureichende Informationen sowie komplizierte Freischaltungsprozesse. „Die elektronische Patientenakte ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen“, so Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, am 18. Februar bei der Vorstellung der Bilanz. „Das ist wenig überraschend, denn zentrale Funktionen, wie digitale Impf- oder Bonushefte, fehlen weiterhin.“
Bislang bleibe die ePA hinter den Erwartungen zurück. „Damit die ePA ihr volles Potenzial entfalten kann, muss sie zügig im Sinne der Versicherten weiterentwickelt werden“, fordert Pop. Die Bedarfe der Patient*innen müssten im Mittelpunkt stehen. Die Befragung zeige, dass Verbraucher*innen sich bei der ePA insbesondere genaue Steuerungsmöglichkeiten wünschen, wer welche Daten sehen darf (68 Prozent).
„Versicherte müssen genau einstellen können, welche Praxis Zugriff auf welche Informationen erhält“, fordert Pop. „So möchten Patientinnen und Patienten möglicherweise psychotherapeutische Befunde mit der Hausarztpraxis teilen, jedoch nicht unbedingt mit der Zahnarztpraxis.“
Verbraucherzentrale: Registrierung für ePA muss reibungslos funktionieren
Pop forderte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und die Krankenkassen auf, die technischen Voraussetzungen für eine reibungslose Registrierung zu schaffen. Auch müsste darauf angewiesen werden, an welche Stellen Daten aus der ePA zu Forschungszecken weitergegeben werden. Darüber hinaus müssten Ministerium und Kassen die Versicherten umfassender und regelmäßig über das Thema ePA informieren.
Warken hatte zuvor angekündigt, dass die ePA im Rahmen der Digitalstrategie für das Gesundheitssystem so weiterentwickelt wird, dass sie für alle Versicherten den einfachsten Einstieg in das Gesundheitssystem bedeutet. Pop forderte hierfür einen klaren Zeitplan.
Seit 1. Oktober 2025 sind Praxen und Kliniken verpflichtet, wichtige Daten wie Befunde oder Laborwerte in die ePA einzustellen. Diese kann Patient*innen ein Leben lang begleiten und soll auch zu besseren Behandlungen beitragen.
Hausärzte: Immer wieder massive Störungen und Ausfälle bei Infrastruktur der ePA
Eingeführt wurde die ePA im Januar 2025. Damals führte Karl Lauterbach das Bundesgesundheitsministerium. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete zieht eine kritische Bilanz. Dass die ePA kaum genutzt werde, „liegt daran, dass es noch nicht gelungen ist, Leistungen zu identifizieren, die die Nutzbarkeit auch für die Patienten fühlbar machen“, sagte Lauterbach im Interview mit dem „vorwärts“.
Der Deutsche Hausärztinnen- und Hausärzteverband fordert ebenfalls deutliche Nachbesserungen. Während die ePA in anderen Ländern schon funktioniere, scheitere sie in Deutschland nach wir vor an der konkreten Umsetzung, sagte der Bundesvorsitzende Markus Beier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Die Akte sei nur eingeschränkt praxistauglich. Derzeit sei die ePA vor allem „eine unsortierte PDF-Sammlung, mit der Praxen im Alltag nur wenig anfangen können“, sagte Beier. Mühsam müssten sich die Ärzte durch unzählige Dokumente arbeiten, es fehle eine Volltextsuche. Ein Problem sei auch, dass es bei der Infrastruktur, mit der sie betrieben wird, immer wieder zu massiven Störungen und Ausfällen komme.