Reformplan der Koalition: „Es geht zurück auf die Erfolgsspur“
IMAGO/Mike Schmidt
CDU-Chef Friedrich Merz mit den SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil bei der Pressekonferenz zu den Ergebnissen des Koalitionsausschusses.
In der Präambel des „Programms für Aufschwung und Beschäftigung“ heißt es: „Wir lassen niemanden zurück, aber wir wollen nach vorne.“ Wo ist „vorne“ aus Sicht der SPD?
Aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion ist dieses Programm ein gutes und faires Gesamtpaket. Nach den Ergebnissen der Rentenkommission zeigen wir als Koalition kurz vor der parlamentarischen Sommerpause erneut, dass wir handlungs- und entscheidungsfähig sind, dass wir gemeinsam regieren wollen und die Zukunft dieses Landes gerecht gestalten. Das sind wichtige Signale. An vielen Stellen lahmt unsere Wirtschaft, viele Dinge laufen zu bürokratisch und bei der Steuer gibt es eine zu hohe Belastung gerade für kleine und mittlere Einkommen. Mit den Ergebnissen des Koalitionsausschusses geht es jetzt in die richtige Richtung, also zurück auf die wirtschaftliche Erfolgsspur und hin zu einer Entlastung derjenigen, die das Rückgrat des Landes bilden.
Bei welchem der 34 Punkte sehen Sie den wichtigsten Impuls für eine wirtschaftliche Belebung?
Für uns als SPD ist es wichtig, dass wir bei der Einkommensteuerreform den Durchbruch geschafft und eine saubere Gegenfinanzierung hinbekommen haben, insbesondere durch eine höhere Reichensteuer für Spitzenverdiener. Das stärkt die Kaufkraft in der Breite. Außerdem investieren wir gezielt in die Zukunftsbranchen unseres Landes. Bei diesem Paket gibt es keine Gewinner oder Verlierer, das ist ein Gesamtpaket der Koalition. Das ist auch das, was die Bürgerinnen und Bürger erwarten: dass diese Koalition aus der demokratischen Mitte heraus funktioniert.
Wie schmerzhaft ist es für Sie als Sozialdemokrat, dass sachgrundlose Befristungen von Arbeitsverträgen künftig vier Jahre lang möglich sein sollen?
Es gibt natürlich Punkte, die die SPD allein dort nicht hineingeschrieben hätte. Wir haben hier aber darauf hingewirkt, dass diese Maßnahme bis Ende 2030 befristet ist. Nochmal: Dieses Gesamtpaket basiert auf einer Einigung mit unserem Koalitionspartner. Dass wir uns in der Koalition auch in schwierigen Fragen kompromissfähig zeigen, ist ein Wert an sich.
Familien mit zwei Kindern sollen um rund 600 Euro im Jahr steuerlich entlastet werden. Hätten Sie sich bei der Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen mehr gewünscht?
Insgesamt hat diese Steuerreform ein Entlastungsvolumen von zehn Milliarden Euro. Natürlich kann man sich immer mehr vorstellen, keine Frage, aber es muss gegenfinanziert werden. Dieses Entlastungsvolumen ist gegenfinanziert. Breite Schultern werden künftig mehr tragen. Dies bringt eine starke Gerechtigkeitskomponente in die Einkommenssteuerreform. Das war uns als Sozialdemokraten sehr wichtig.
Die zuvor von der Union geforderten Karenztage für erkrankte Beschäftigte wird es nicht geben. Worin sehen Sie einen weiteren entscheidenden Verhandlungserfolg der SPD?
Es ist wichtig ist, dass wir an vielen Stellen unnötige Bürokratie abbauen und Dinge wieder einfacher machen. Gleichzeitig müssen wir im Bereich Wohnen und Bauen vorankommen. Mit einer Bundeswohnungsbaugesellschaft wird es ein klares Signal an die Wohnungswirtschaft bei uns im Land geben, das wieder zu mehr Baukonjunktur führen wird. Und hier staatlich reinzugehen, zu unterstützen, wo der Markt nicht funktioniert, ist sinnvoll und notwendig im Sinne der vielen Mieterinnen und Mieter. Die Bau- und Wohnungswirtschaft unterstützt diese Idee von SPD-Bundesbauministerin Verena Hubertz, die Richtung dieses Ansatzes stimmt also. Wie gesagt, auch die Einkommenssteuerreform mit der Gegenfinanzierung bei denjenigen, die sehr, sehr viel verdienen, hat die SPD durchsetzen können. Ein Gebot der Fairness.
Ihr wollt alle Inhalte und Neuigkeiten des „vorwärts“ aus erster Hand?
Dann abonniert auch unseren neuen Whats-App-Kanal!
Hier entlang: whatsapp.com
Dieses "Reformpaket" schadet der Vokswirtschaft, höhlt hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte aus, begegnet den Arbeitnehmern mit Misstrauen, schmeißt Blackrock Gelder der Zwangsversicherten in den Rachen, kürzt die Rente kürzt usw. Auf der anderen Seite der Bilanz stehen homöopathische Erfolge im sozialdemokratischen Interesse, die jede Folgeregierung mit dem ersten Steuergesetz wieder schleifen kann.
Jetzt werden alle regierungsnahen Spitzengenossen uns erzählen, dass der erreichte faule Kompromiss eigentlich ein großer Erfolg ist. Der Wähler wird diese billige Rethorik durchschauen und die SPD bei den nächsten Wahlen bestrafen.
Wenn Klingbeil und Bas glauben, dass dies ein Erfolg ist, würden sie mit diesen Reformvorschlägen Wahlkampf bei den nächsten LT-Wahlen und die Umsetzung von einem Wahlerfolg abhängig machen. Sie beabsichtigen aber die "Reformen" jetzt schnell zu beschließen und werden nach den absehbaren Wahlniederlagen zurücktreten. Die SPD-Spitze will den Untergang der SPD.
das ist in der Tat die Frage bezüglich Erfolg oder Untergang der SPD. Die "richtig linken Genossen und Genossinnen" (Marxisten) sind bereits zur Partei "Die Linke" abgewandert. Diejenigen Stammwähler, die frustriert von der "Bürgergeld- und Migranten-Kuschler-SPD" waren, finden sich - warum auch immer - bei der AfD besser aufgehoben und die erfolgreichen Aufsteiger dank der alten SPD-Ideale einer durchlässigen sozial-liberalen Gesellschaft sowie deren Kinder sehen die verbliebenen ( 5-10 Prozent) marxistischen Klassenkämpfer als anachronistisch und altersstarrsinnige Aufstiegsverlierer und vor allem -Hinderer an. Sie wollen wieder eine SPD a la W. Brandt, H. Schmidt, F. Müntefering und auch G. Schröder, keinen Klassenkampf und als Erben keine Erhöhung der bestehenden Erbschaftssteuer-Enteignung ihres Erbes, keine Vermögensenteignung ihres Aufstiegs per "Vermögenssteuer-Transfer" und keine Ausweitung des bereits ausgeuferten Sozialsektors. Sie wollen Freiheit: Aufstieg durch Leistung.
Zugriff auf die Reichen, jetzt nur nicht nachlassen, sondern nachlegen. Da geht noch mehr.