Längere Reisen nur mit Genehmigung der Bundeswehr? Darum geht es
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Das modernisierte Wehrpflichtgesetz steht in der Kritik - beschneidet es die Reisefreiheit junger Männer? (Symbolbild)
Eine Norm im modernisierten Wehrpflichtgesetz sorgt für großen Unmut. Männer bis zum 45. Lebensjahr müssen sich längere Auslandsaufenthalte genehmigen lassen - obwohl noch gar keine Wehrpflicht gilt. Das Verteidigungsministerium will nun klarstellen, dass die Genehmigung generell als erteilt gilt, solange es keine Wehrpflicht gibt.
Um welche Norm geht es?
In Paragraf 3 Absatz 2 heißt es: „Männliche Personen haben nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen [...]. Das Gleiche gilt, wenn sie über einen genehmigten Zeitraum hinaus außerhalb der Bundesrepublik Deutschland verbleiben wollen oder einen nicht genehmigungspflichtigen Aufenthalt außerhalb der Bundesrepublik Deutschland über drei Monate ausdehnen wollen.“
Ist diese Norm neu?
Nein, diese Regelung steht schon seit Jahrzehnten im Wehrpflichtgesetz. Allerdings sollte früher die Genehmigung vom „Kreiswehrersatzamt“ eingeholt werden. Erst seit August 2019 steht im Gesetz das „Karrierecenter der Bundeswehr“. Außerdem war Paragraf 3 des Wehrpflichtgesetzes ab 2011 ausgesetzt, so wie die ganze Wehrpflicht seitdem ausgesetzt ist. Die Genehmigungspflicht für Auslandsaufenthalte sollte nur noch im Spannungs- oder Verteidigungsfall gelten.
Seit dem 1. Januar ist die Genehmigungspflicht für Auslandsaufenthalte wieder anwendbar. In Paragraf 2 des Wehrpflichtgesetzes heißt es jetzt, Paragraf 3 gelte auch „außerhalb des Spannungs- oder Verteidigungsfalls“, also schon heute.
Wie wahrscheinlich ist es, dass die Genehmigung von Auslandsaufenthalten verweigert wird?
Im Wehrpflichtgesetz heißt es hierzu: „Die Genehmigung ist für den Zeitraum zu erteilen, in dem die männliche Person für eine Einberufung zum Wehrdienst nicht heransteht.“ Das heißt: eine Genehmigung ist immer zu erteilen, wenn sich ein Mann nicht freiwillig zum Wehrdienst gemeldet hat. Ansonsten ist derzeit keine Einberufung zum Wehrdienst möglich, denn die Wehrpflicht ist weiter ausgesetzt.
Wann wird die Wehrpflicht wieder eingeführt?
Die Wiedereinführung der Wehrpflicht wird im modernisierten Wehrpflichtgesetz zwar erwähnt. Doch dafür wäre ein neuer Gesetzesbeschluss des Bundestags erforderlich. Konkret heißt es in Paragraf 2a: „Der Bundestag entscheidet durch Gesetz über die Einsetzung einer Bedarfswehrpflicht, insbesondere, wenn die verteidigungspolitische Lage oder die Personallage der Streitkräfte dies erforderlich macht.“ Wann und ob und wie die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, ist also eine noch offene politische Entscheidung.
Warum sorgte die Genehmigungspflicht für Auslandsaufenthalte für Empörung?
Sie betrifft jeden Mann, der Deutschland länger als drei Monate verlassen will. Schon ein Auslandssemester bei Studenten, ein Sabbatical oder ein längerer Arbeitsaufenthalt im Ausland löst die Genehmigungspflicht aus. Gleichzeitig ist die Genehmigungspflicht überhaupt nicht bekannt. Ihre Wiedereinführung war kein Thema der politischen Debatte um eine neue Wehrpflicht. Das Verteidigungsministerium hat die Genehmigungspflicht auch nicht bekannt gemacht. Das Ministerium wusste wohl selbst noch nicht genau, wie es mit der Genehmigungspflicht umgehen soll.
Welche Sanktionen drohen, wenn ein Mann ohne Genehmigung der Bundeswehr länger als drei Monate ins Ausland reist?
Keine.
Wie reagiert das Verteidigungsministerium auf die aktuelle Empörung?
Das Ministerium hat eine Verwaltungsvorschrift angekündigt, die „klarstellen“ soll, „dass die Genehmigung als erteilt gilt, solange der Wehrdienst freiwillig ist.“ Männer, die länger ins Ausland reisen wollen, müssen also nicht mehr die ausdrückliche Genehmigung der Bundeswehr abwarten. Offen ist noch, ob die Männer vorher eine Genehmigung beantragen müssen. Dafür spricht, dass das Ministerium für den Ernstfall den Überblick behalten will, wer sich längerfristig im Ausland aufhalte.
Wer ist also verpflichtet, sich bei der Armee zu melden, bevor er für mehr als drei Monate ins Ausland reist?
Ist dieses Gesetz aktiv/Gilt dieses Gesetz für alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren? https://www.gesetze-im-internet.de/wehrpflg/__3.html
Zu Ihrer Frage: Genau, die Regelung gilt für alle Männer zwischen 18 und 45 sind dazu verpflichtet, so steht es im Gesetzestext (§ 3, Abs. 2 und 3).
Pistorius so treffend formuliert hat, kriegsfähig werden. Dazu gehören gewissen Einschränkungen in der persönlichen Lebensführung, die Wehrpflichtige in den Jahren 1957 bis 1995 mit oder ohne Murren auf sich genommen haben. Das kann man aushalten, glaubt mir, ich war dabei, und stehe auch heute noch zur Verfügung, sollte ich gerufen werden. Dieses Land ist es Wert, verteidigt zu werden, wenn es losgeht, ich bin dabei
Welche Wahrheit?
Wir müssen nicht kriegsfähig werden. Wir müssen friedensfähig sein. Wie viele Menschen sollen in großenteils herbeischwadronierten Kriegen/militärischen Auseinandersetzungen
noch sterben? Für was? Für wen?
Reicht es nicht, dass die ganze Welt in Riesenschritten auf einen Umweltkollaps zutreibt, wenn nicht endlich global entscheidend dagegen gesteuert wird?!
Bitte zur Besinnung kommen! Auch z.B. hiermit:
https://www.erhard-eppler-kreis.de/aktuell/
Helmut Gelhardt, Mitglied der NaturFreunde Deutschlands
Vertreter der KAB Deutschlands in der KlimaAllianz Deutschland
Und ich darf noch hinweisen auf:
https://kontrast.at/wintersteiner-friedensforschung-neutralitaet-interv…
Auch dieser Beitrag enthält wichtige friedenspolitische Aspekte - über die j e d e n f a l l s e r n s t h a f t n a c h g e d a c h t werden sollte!
mE realistischeren Ergebnissen. Wir können uns vieles wünschen, an der Wirklichkeit kommen wir nicht vorbei. Letztendlich muss nach dem sich abzeichnenden Zerfall der NATO eine atomare Rüstung der BW her muss, und zwar ziemlich zügig. Wollen wir ggf von Marine LePen abhängig sein? Doch wohl nicht, oder?
Ihnen mag das utopisch vorkommen:
Ich bin absolut für die weltweite globale Abrüstung und das weltweite Verbot von ABC-Waffen.
Wie viele Male wollen wir uns selbst vernichten können ??? !!!
Oskar Negt: Nur noch Utopien sind realistisch!
die Möglichkeit zur vernichtenden Vergeltung glaubwürdig zu offerieren. Nordkorea kann dies, und ist nun aus dem Schneider . Iran kann das nicht, und hat Probleme
Bei den heutigen ABC-waffen ist eine glaubwürdige vernichtende Vergeltungsmöglichkeit nach meiner Ansicht völlig ohne Vernunft.
Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter! Aber er stirbt mit Sicherheit genauso wie der Gegner. Was soll bei einer glaubwürdigen vernichtenden Vergeltungsmöglichkeit
die Vernunftlogik sein? Wir haben eine globale Klimakrise - die sehr bald globale Klimakatastrophe sein wird - zu bewältigen, den globalen Hunger zu bekämpfen, für weltweites
Trinkwasser zu sorgen, für globale Bildung - und, und, und. D a f ü r müssen wir global Geld investieren. Nicht für Machtspiele und Massenvernichtungswaffen.
Papst Franziskus in HOFFE Die Autobiografie, 2025, S. 310:
" ,,, , dass es völliger Unsinn ist, vom Krieg zu erwarten, dass er Probleme löst: Krieg ist nur ein Wahnsinn, der die Händler des Todes mästet und die Unschuldigen dafür bezahlen lässt.
Würde man ein ganzes Jahr lang keine Waffen produzieren, könnte man den Hunger in der Welt ein für alle Mal besiegen."
„Wenn es losgeht“, hätte man besser „ den dicken Knüppel neben sich stehen gehabt“. Beide Zitate beziehen sich auf Krieg, letzteres sogar auf den mit Atomwaffen (19.3.2026, (Kommentar)). Beide Zitate verharmlosen Krieg in einem Maße, dass es mir den Atem verschlägt. Pistorius (- und Genossen -) steht dahinter allerdings nicht zurück, wenn er für Bundeswehr und Gesellschaft Kriegstüchtigkeit verlangt, die er inzwischen hinter Verteidigungsfähigkeit versteckt oder - komplett camoufliert – hinter Resilienz. Unseren Kriegstüchtigen schwebt eine Gesellschaft vor mit „dem Mut und der Entschlossenheit des ukrainischen Volkes“ (António Costa, 24.2.26). Unser Kanzler verstieg sich gar zur Aussage, dass „seit vier Jahren jeder Tag und jede Nacht für die Ukrainerinnen und Ukrainer ein Albtraum ist. Und nicht nur für sie, sondern für uns alle“. Er und alle unsere Kriegstüchtigen könnten sich ja mal als Entsatz für die zwei ukrainische Soldaten anbieten, die, wie die WAZ (8.4.26) schrieb,
„290 Tage in einer Betonröhre an der Front … monatelang ohne Ablösung ausharrten, nur aus der Luft versorgt“. Was sie in dieser Zeit, die überstanden zu haben an ein Wunder grenzt, andeutungsweise „Unvorstellbares“ erlebt haben, erspare ich uns.
Wir sollten hinterfragen, was Costa, Merz und all die anderen kriegssüchtigen Kriegstüchtigen eigentlich meinen, wenn sie „ dem Mut und der Entschlossenheit des ukrainischen Volkes Tribut zollen“, wenn sie sagen, „das Schicksal der Ukraine ist unser Schicksal". Was alle unsere Friedens-, Strategie- und Sicherheitsexperten aus Publizistik, Politik, selbst Wissenschaft noch im Halbschlaf bestätigen, hat Albrecht Meier (Vorwärts, „Macrons Angebot: …“, 19.3.26) um einen entscheidenden Aspekt nahtlos-schnörkellos ergänzt, als er mit Verweis auf Kriegstüchtigkeitsminister „Boris Pistorius (SPD) und ranghohe Militärs“ voraussagte, dass „Russland bis 2029 in der Lage sein könnte, Nato-Territorium anzugreifen. Russland verfügt über rund 5500 Atom-
sprengköpfe“. Punktgenau passt in diese Kriegsrhetorik das Bedauern unseres Bundeskanzlers darüber, dass „wir (gelegentlich) nicht bereit waren, grundlegende Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen" (T-Online, 5.3.26). (Auch für Klingbeil ist „militärische Gewalt ein legitimes Mittel der Politik“ (21.6.22).) Da macht es Sinn, dass Deutschland in Kürze die größte konventionelle Armee Europas haben wird – ein „Sondervermögen“ in unbegrenzter Höhe haben wir uns dafür ja bereits genehmigt -, gestützt auf eine aufgeblähte Rüstungsindustrie im „Kriegswirtschafts“-Modus (BundeswehrVerband, 26.3.26). Und, vielleicht, können wir ja dabei helfen, dass eine "ganze Zivilisation untergehen wird" (ZDF, 7.4.26: Trump droht Iran).
Die SPD hat „den Rüstungswettlauf in einer kriegerischen Welt zum Programm erhoben“ (Wolff, 27.3.26). Sie will (nicht nur) dafür ein „neues Wirtschaftsmodell“ entwickeln und eine resiliente, kriegstüchtige Gesellschaft heranbilden.
Wir sollten dagegen aufbegehren: Politik muss Frieden schaffen und Krieg durch Kooperation und gemeinsame Sicherheit verhindern.
Wir konnten es 30 Jahre lang.