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Telefonische Krankschreibung: Warum sie keine Lizenz zum Faulenzen ist

23. January 2026 12:26:32
Lädt die telefonische Krankschreibung zum Blaumachen ein? Bundeskanzler Friedrich Merz sieht das offenbar so. Dabei ist dieser Weg alles andere als ein Freifahrtschein fürs Krankfeiern. Wir erklären die Gründe hierfür.
Anruf bei der Hausärztin während der Erkältungssaison

Krankschreibung während der Erkältungssaison: Ein Anruf bei der Hausärztin erspart den Gang in die Praxis und bewahrt andere davor, sich anzustecken.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat die seit Dezember 2023 mögliche telefonische Krankschreibung von Beschäftigten grundsätzlich infrage gestellt. Ärzt*innen sei es kaum möglich, den Gesundheitszustand am Telefon zu beurteilen, begründete der CDU-Politiker seine Haltung. Er verwies auf eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Krankentagen in Deutschland. 

SPD und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) regierten mit scharfer Kritik. warfen Merz vor, Arbeitnehmer*innen unter Generalverdacht zu stellen, die Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung zu missbrauchen, um zusätzliche freie Tage zu gewinnen. Ein Blick auf die Fakten zeigt, warum der Kanzler mit seiner Einschätzung danebenliegt.

Warum und wann wurde die telefonische Krankschreibung eingeführt?

Die telefonische Krankschreibung wurde während der Corona-Pandemie im März 2020 eingeführt. Ursprünglich war sie als temporäre Maßnahme gedacht, um die Praxen von Ärztinnen und Ärzten zu entlasten und das Risiko einer Ansteckung dort zu minimieren. Nach einer zeitweiligen Pause wurde sie im Dezember 2023 in die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie aufgenommen. Seitdem gilt sie unbefristet.

Was sind die Voraussetzungen für eine Krankschreibung per Telefon?

Es gibt bereits im Vorfeld einige Hürden, um sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Hierfür können Patient*innen nicht irgendeine Praxis kontaktieren. Sie müssen dem Praxisteam bereits bekannt sein. Darauf weist das Bundesgesundheitsministerium hin. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre muss man mindestens einmal vor Ort gewesen sein. Nach Darstellung der Techniker Krankenkasse ist der telefonische Weg nur dann möglich, wenn keine Videosprechstunde angeboten wird. 

Bei welchen Erkrankungen ist die telefonische Krankschreibung möglich?

Eine Krankschreibung auf dem telefonischen Weg ist nur bei leichten Symptomen möglich. Im Fall einer schweren Erkrankung ist ein persönliches Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt erforderlich, sei es per Video oder in der Praxis. Das heißt: Offiziell ist es nicht möglich, während eines Anrufs eine ernsthafte Erkrankung vorzutäuschen. Was „schwer“ oder „leicht“ bedeutet, liegt aber im Ermessen der Mediziner*innen. 

Wie ist der Ablauf der Krankschreibung auf telefonischem Weg?

Für eine telefonische Krankschreibung genügt es nicht, lediglich beim Empfang der Praxis anzurufen. Die gesetzliche Regelung sieht vor, dass mit der jeweiligen Ärztin oder dem Arzt persönlich gesprochen werden muss.

Welche Laufzeit gilt für die telefonische Krankschreibung?

Die telefonische Krankschreibung umfasst maximal fünf Tage. Für Folgebescheinigungen müssen Erkrankte die Praxis einer Ärztin oder eines Arztes aufsuchen. Diese Art der Krankschreibung ermöglicht also nur sehr begrenzte Zeiten der Abwesenheit.

Wie oft kommt die telefonische Krankschreibung zum Einsatz?

Laut verschiedenen Erhebungen vom Oktober 2025 lag der Anteil der telefonischen Krankschreibung an allen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen seinerzeit zwischen 0,8 und 1,2 Prozent. 29 Prozent der Befragten hätten diese Möglichkeit bisher einmal oder mehrfach genutzt. Wer behauptet, die telefonische Krankschreibung sei der Haupttreiber für den Krankenstand, liegt also falsch.

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1 Kommentar

Gespeichert von max freitag (nicht überprüft) am Sa., 24.01.2026 - 20:05

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Überwachung und Kontrolle mehr als überflüssig. Die Menschen sind von Natur aus doch so geschaffen, dass sie ihre eigenen Interessen den gemeininteressen unterordnen. daher ist, wer sich krank meldet, auch krank. Ob ein Arzt dieses auch noch verschriftet, hat auf den Zustand keinen Einfluss- wirksam ist allein die ärztliche Behandlung und die Arznei