Inland

Erbschaftssteuer reformieren: So sieht das Konzept der SPD aus

13. January 2026 15:19:21
Beim Thema Vermögen geht aus Sicht der SPD nicht gerecht zu in Deutschland. Um mehr Gerechtigkeit zu erreichen, fordert sie eine Reform der Erbschaftssteuer. Wir erklären, welche Schritte das SPD-Konzept vorsieht.
Haus, Auto und Geld als Symbol für die Erbschaftsteuer

Laut SPD-Konzept bleibt das vererbte Elternhaus, in dem Kinder weiterleben, von der Erbschaftsteuer befreit.

Die SPD will Erbschaften in Deutschland gerechter besteuern. Es brauche eine stärkere Beteiligung der allerhöchsten Vermögen bei Erbschaften und Schenkungen, um geringe und mittlere Einkommen zu entlasten, so hatte es SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin erklärt. Auch wenn das in diesem Jahr erwartete Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftssteuer noch ausstehe, wolle die SPD vorbereitet sein, so Klüssendorf. „Wir sind der Gesetzgeber und wir müssen Gesetze machen, die Verfassungsgerichtsurteilen standhalten“, erklärte er. Am Dienstag stellten Abgeordnete der SPD-Bundestagsfraktion das Konzept „FairErben – Für eine gerechte Reform der Erbschaftsteuer“ vor. Darum geht es:

Warum will die SPD die Erbschaftsteuer reformieren?

Die SPD hält die Erbschaftssteuer in ihrer jetzigen Form für „schlicht ungerecht“: So heißt es im Konzeptpapier der SPD-Bundestagsfraktion. Kritisiert wird, dass schon bei kleineren Erbschaften Steuern anfallen, während große Vermögen geschont würden. Deren Erbschaftssteuer ist aktuell äußerst gering, auch weil es für sie in Deutschland zu viele Umgehungsmöglichkeiten gebe, erklärte SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar im Bundestag. Ziel der SPD sei, „für mehr Leistungsgerechtigkeit und mehr Chancengleichheit“ zu sorgen. 

Was hat es mit dem „Lebensfreibetrag“ auf sich?

Jede und jeder soll im Leben eine Million Euro steuerfrei erben können, so geht es aus dem Konzept hervor. Konnten bislang Kinder alle zehn Jahre 400.000 Euro steuerfrei vererbt bekommen, bedeutet der im Vergleich dazu höhere Lebensfreibetrag von einer Million Euro für die meisten Erben eine Steuersenkung. 

Gleichzeitig vereinfacht er bestehende Steuerregelungen. Dieser sogenannte Lebensfreibetrag setzt sich zusammen aus 900.000 Euro, die innerhalb der Familie steuerfrei vererbt werden können. Hinzu kommen Schenkungen und Vererbungen von anderen Personen in Höhe von 100.000 Euro. Steuern sollen erst ab dieser Summe anfallen und progressiv ansteigen. Die Höhe des Betrags lässt die SPD offen, das könne politisch ausgehandelt werde, heißt es dazu im Papier..

Was passiert mit dem vererbten Wohnhaus?

Das selbstbewohnte Familienheim der Eltern kann weiterhin steuerfrei vererbt werden.

Wie hoch ist der Unternehmensfreibetrag?

Statt der bislang gültigen Verschonungsregelungen schlägt die SPD auch hier einen pauschalen Steuerfreibetrag vor. Dieser Unternehmensfreibetrag soll fünf Millionen Euro betragen und dafür sorgen, dass kleine und mittlere Betriebe steuerfrei an die nächste Generation übertragen werden können. Liegen die vererbten Vermögenswerte höher, schafft die SPD zudem die Möglichkeit, anfallende Steuerzahlungen über einen Zeitraum von 20 Jahren aus laufenden Gewinnen zahlen zu können. 

Mit diesen Stundungsregelungen wolle man Arbeitsplätze in Deutschland sichern, erklärte Wiebke Esdar. Zudem würden die meisten Unternehmen unter der Fünf-Millionen-Grenze liegen, sagte sie. Der Vorschlag der SPD sei damit einer, der der Wirtschaft Perspektive gebe. SPD-Finanzpolitikerin Frauke Heiligenstadt bekräftigte, dass es durch das vorliegende Konzept weder für die meisten Unternehmen noch für die meisten Menschen Steuererhöhungen geben werde. Zu Steuererhöhungen könne es aber für jene kommen, die sehr viel erbten. 

Wie hoch werden die Mehreinnahmen geschätzt?

Auch wenn massive Steuerprivilegien für große Unternehmensvermögen abgeschafft würden, geht die SPD zunächst von einem kleinen einstelligen Milliarden-Betrag an Mehreinnahmen pro Jahr aus. Das habe mit den sehr langfristigen Stundungen für Unternehmen zu tun.  Erst im Laufe der Jahre erwarte man steigende Einnahmen.

Was ist an den neuen Regelungen gerechter?

Obwohl jährlich schätzungsweise 300 bis 400 Milliarden Euro vererbt und verschenkt würden, lagen Im Jahr 2022 die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer bei gerade einmal rund neun Milliarden Euro. (Im Vergleich: bei der Tabaksteuer waren es mehr als 14 Milliarden Euro; bei der Lohnsteuer rund 230 Milliarden Euro), erklärte dazu Julia Jirmann vom Netzwerk Steuergerechtigkeit in einem Beitrag im „vorwärts“. Auch deshalb warnten Wirtschaftsorganisationen, wie die OECD und der Internationale Währungsfonds, Deutschland schon seit Längerem vor einer Gefährdung des sozialen Zusammenhalts durch wachsende soziale Ungleichheit, betonte sie.

Mit ihrer Reform möchte die SPD nun unfaire Verschonungsregelungen abschaffen, die aktuell dazu führen, dass bei Erbschaften über 26 Millionen Euro zumeist gar keine Erbschaftsteuer gezahlt werden müssen. Gleichzeitig erhofft sie sich davon ein ansteigendes Steueraufkommen in der Erbschaftssteuer, die den Ländern zugutekommt und zur Stärkung des Bildungssystems verwendet werden soll. 

Immer wieder sei in den vergangenen Monaten darüber gesprochen worden, das Einschnitte auf die Menschen zukomme, erklärte Klüssendorf mit Blick auf die Diskussionen zur Finanzierung von Rente und Gesundheit. Es müsse nun auch ein Punkt gesetzt werden, der zeige, dass auch diejenigen, die am meisten haben, dazu beitragen, dass diese Gesellschaft vorankommt. Klüssendorf: „Das ist die Botschaft, die von diesem Konzept ausgeht.“ 

Wann soll das Gesetz kommen?

Zum weiteren Vorgehen hinsichtlich eines Gesetzentwurfs hatte Klüssendorf bereits am Montag angekündigt, dass man zunächst das Urteil des Bundesverfassungsgerichts abwarten müsse. Dies hatte die bestehenden Regelungen zur Besteuerungen von Erbschaften als verfassungswidrig eingestuft, da insbesondere Firmenerben durch Ausnahmen bevorzugt würden. Das vorliegende SPD-Konzept berücksichtigt diese Kritik und soll zunächst als Diskussionsgrundlage dienen. Er nehme die Union und die SPD zurzeit als sehr gesprächsbereit wahr, so Klüssendorf. Am Ende würden Kompromisse der Weg sein.  

Wie fallen die ersten Reaktionen aus?

Der Sozialverband VdK Deutschland begrüßt die konkreten Vorschläge des Konzepts für eine gerechte Finanzierung des Gemeinwesens. Die angedachte Reform ziele darauf ab, sehr hohe Erbschaften stärker zu besteuern, während kleinere Erbschaften und Vermögenswerte wie selbstgenutztes Wohneigentum entlastet würden. „Damit eröffnet das Konzept eine wichtige Chance, die Erbschaftsteuer gerechter zu gestalten“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Auch für Michael Groß, Präsident der Arbeiterwohlfahrt, ist es notwendig, ist es an der Zeit, „dass wir uns nicht mehr von deren unrealistischen Horrorszenarien an der Ausgestaltung einer gerechten, solidarischen Steuerpolitik hindern lassen“. Groß bezeichnete Vermögensungleichheit als „Gift für die Demokratie“, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährde.

Kritik kam dagegen aus der Wirtschaft. Allein die Diskussion über neue Steuererhöhungen sendet das Signal aus, dass die SPD nicht verstanden hat, was die strukturellen Hintergründe der Rezession sind“, sagte Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger der „Rheinischen Post“. „Wir müssen darüber sprechen, wie wir unser Land wieder wettbewerbsfähig machen – und nicht über neue Bürden für die Unternehmen.“

Auch die Stiftung „Familienunternehmen und Politik“ griff kritisierte den Erbschaftsteuervorstoß der Sozialdemokraten: „Das Modell der SPD wird am Ende uns alle schädigen und wir alle werden uns auf einem geringeren Wohlstandslevel wiederfinden“, sagte Vorstand Rainer Kirchdörfer dem RND.

Autor*in
Avatar
Vera Rosigkeit

hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.

Weitere interessante Rubriken entdecken

9 Kommentare

Gespeichert von max freitag (nicht überprüft) am Di., 13.01.2026 - 16:39

Permalink

vorgeschlagen wird. Wir müssen das Thema größer bis riesig denken, verlieren uns hier wieder im Klein/Klein, wenn auch die Richtung stimmen mag.
Erben sollte nur der Staat, damit er seinen sozialen Verpflichtungen und der Integrationspflicht nachkommen kann. In der Familie bleiben Erinnerungsstücke ohne wirtschaftlichen Wert, alles andere nur nach ordentlicher Versteuerung mit Sätzen von 50% und höher

Sehr geehrte Vorwärts-Redaktion,
Achtung, Satire: warum macht man nicht einen DDR-Erlebnispark? Wer so leben will, bucht für 2 Monate in einen Plattenbau, nimmt sein "Recht auf Arbeit" in einem VEB wahr und KOMMT KEINEN EINZIGEN TAG früher aus der Veranstaltung raus. Gymnasialbildung oder gar Studium wird vor der Übernahme von Ministerämtern verboten und die Kinder von Andersdenkenden von Lebenschancen ausgeschlossen. Das Proletariat "regiert" und muss "Neidveranstaltungen" besuchen gegen Menschen in guten Anzügen. Für den Eintritt wird der/die/das Buchende in harter Währung ordentlich gerupft (Taschen leeren!) und wird arm aber von seinen Phantasien bekehrt froh sein, wieder im Kapitalismus mit Grundrechten leben zu dürfen. Kein Kapitalist könnte sich eine bessere Kur hin auf ein demokratisches, Grundrecht-geschütztes Gemeinwesen mit sozialer Marktwirtschaft ausdenken. Leider scheint das Jahr 1989 vergessen, als Millionen froh waren, dass der SED-Spuk endete. MfG Klaus Fuchs

Die Begehrlichkeiten im Verbund mit "Dein und Mein" sind ein Phänomen, das die gesamte Menschheitsgeschichte zu begleiten scheint. Bekanntlich lautet - deshalb - das 10. der mosaisch-christlichen 'Zehn Gebote': "Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Hab und Gut!" Das Deutsche Strafrecht schützt das private Eigentum gegen Diebstahl durch eine Strafbewehrung nach § 242 StGB. Die monströse These "Eigentum ist Diebstahl" (1840) stammt vom französischen Sozialphilosophen, Sozialisten und Anarchisten Pierre-Joseph Proudhon, wurde von Marx kritisiert, ist aber anscheinend immer noch in den Köpfen vieler Genossen existent und die Grundlage für mehr oder weniger große bis radikale Enteignungsfantasien - koste es was es wolle, sogar Wohlstand und Prosperität; als wenn es nicht bereits genug krachend gescheiterte Sozialismus- und Kommunismus-Experimente in der Geschichte auf aller Welt gegeben hätte.

Gespeichert von Helmut Gelhardt (nicht überprüft) am Mi., 14.01.2026 - 14:00

Permalink

Über den Kommentar von Herrn Klaus Fuchs kann ich leider nicht lachen. Vielleicht bin ich da als 72-jähriger der Generation " WILLY WÄHLEN " / " Mehr Demokratie wagen " zu humorlos. Das neue Erbschaftsteuerkonzept der SPD ist tendenziell sehr richtig! Es muss im Ergebnis jedenfalls viel (!) gerechter ausfallen als die bisherige Rechtslage! Aber CDU / CSU / FDP feuern aus allen Rohren dagegen! Sie lügen von "Leistungsfeindlichkeit" und "falschem Zeitpunkt". Und hier muss man deshalb absolut dagegen halten!
Macht Euch keine Illusionen: In meiner Heimat RLP wird im März gewählt. Alexander Schweitzer ist sehr guter MP. Aber die RLP-CDU schießt ununterbrochen scharf und ätzend gegen die RLP-SPD. Es ist durchaus möglich, dass die CDU in RLP ERSTER werden könnte - was eine Katastrophe wäre! Wenn RLP für die SPD fällt, ist es bundespolitisch für die SPD gelaufen! Kämpft f a i r !!! Aber nehmt keine falschen Rücksichten !!!
Redet nicht nur sozial - seid auch glaubhaft sozial !!!

Gespeichert von max freitag (nicht überprüft) am Mi., 14.01.2026 - 14:55

Antwort auf von Helmut Gelhardt (nicht überprüft)

Permalink

sehr wichtigen Hinweis auf unseren Koalitionspartner in der BR. Wir tappen immer wieder in die Fallen, die diese christliche Partei uns stellt, in Rheinland Pfalz nun also auch, aber das wundert einen nicht mehr. in Sachsen Anhalt ist die Falle gestellt, aber noch nicht zugeschnappt. Wir dürfen dort den nicht zum MP wählen, den wir dann im sofort einsetzenden Wahlkampf bekämpfen wollen und müssen. Machen wir dies, sind wir hinterher (einmal mehr) die dummen. Enttäuscht geben dürfen wir uns dann nicht mehr.

Das Schlimme ist, diese Partei i s t nicht christlich. Sie gibt nur vor 'christlich' zu sein. Wenn sie wirklich christlich wäre, müsste sie verfahren
nach dem Neuen Testament, Apostelgeschichte des Lukas, 2.44 - 45; 4.32 - 35.
Aber auch die heutige Sozialdemokratie in der BRD muss selbstkritisch sein. Tut sie noch d a s, w a s August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Karl Kautsky,
Eduard Bernstein, Willy Brandt und Egon Bahr als Prinzip heilig war ?

Gespeichert von Willi (nicht überprüft) am Mi., 14.01.2026 - 16:41

Permalink

Respekt SPD. Endlich eine Partei, die eine durchdachte Diskussionsgrundlage für eine deutlich gerechtere und insbesondere verfassungskonforme Erbschaftsbesteuerung vorlegt 👍. Dazu durch die Freibeträge und Stundungsregelungen für Unternehmen ohne Neidfaktor. Zudem ist es auch noch eine äußerst unbürokratisch Regelung. Da müssen die anderen Parteien erstmal was besseres nachlegen, zumal davon ausgegangen werden muss, dass das Verfassungsgericht die jetzige Erbschaftsbesteuerung noch in diesem Jahr kippen wird.

Gespeichert von Gerald Kolb (nicht überprüft) am Sa., 17.01.2026 - 14:31

Permalink

"Gerechtigkeit" wird gerne und häufig bemüht. Die aktuell erwartete Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Erbschaftssteuer geht bekanntlich auf die Klage eines Privatmannes aus Detmold vor dem Finanzgericht Münster zurück. Er monierte, dass er 30% Steuer bei einem Kapital-Erbe von 210.000 € zu entrichten habe, während Erben von Unternehmen oft von einer nennenswerten Steuer verschont blieben. Wenn er also ein Unternehmen von seiner Tante geerbt hätte, so hätte er - bestimmte Bedingungen vorausgesetzt - ebenfalls keine Steuern entrichten müssen. Dies, so fand er, sei "ungerecht".

Wie wäre nun "Gerechtigkeit" herzustellen? Etwa dadurch, dass bei Wegfall der Erbschaftssteuerpflicht auch der Mann aus Detmold keine Steuer mehr bezahlen müsste oder dadurch, dass Unternehmenserben Erbschaftssteuer zu entrichten hätten - im Vergleichsfall ebenfalls 30% bereits für einen Unternehmenswert von 210.000 €, vererbt durch die Tante? Man sollte dazu den Mann aus Detmold einmal befragen.