Rassismus im Kommunalwahlkampf: „Es ist doch nur ein Tuch“
Privat
Maria Achrait kandidiert für die Frankfurter SPD bei der Kommunalwahl am 15. März.
Frankfurt gilt als eine der weltoffensten und internationalsten Städte Deutschlands. Menschen aus 178 Nationen leben am Main friedlich zusammen. Fast jede*r Zweite hat hier Migrationshintergrund. So auch Maria Achrait. Die 34-Jährige ist Deutsche und Marokkanerin. Vor allem aber ist sie Frankfurterin, eine waschechte, die ihre Stadt liebt und sie gerechter machen will. Schon mit 14 engagierte sie sich bei Amnesty International und Unicef. Seit zehn Jahren ist sie in der SPD und kandidiert nun erstmals bei der Kommunalwahl am 15. März.
Ein perfektes Beispiel für Frankfurt
Achrait ist Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Wahl zur Kommunalen Ausländervertretung (KAV) und steht auf Platz 38 der SPD-Liste zur Kommunalwahl. Wer die junge Sozialdemokratin kennt, schätzt sie für Herzlichkeit und ihre gute Laune. Doch im Wahlkampf vergeht ihr manchmal das Lächeln. Ihre Plakate wurden beschmiert, an Infoständen wurde sie beleidigt und in den Kommentarspalten in sozialen Medien mit rassistischen Hasskommentaren überzogen, weil sie Muslima ist und ein Kopftuch trägt. „Es ist doch nur ein Tuch und ich mache doch Kommunalpolitik“, sagt Achrait im Gespräch mit dem „vorwärts“.
Dass ihr politisches Engagement auf solch negative Reaktionen stoße, finde sie schade. Einige Kommentare seien nicht spurlos an ihr vorbeigegangen, hätten sie verletzt, berichtet sie. Doch davon unterkriegen lassen will sie sich nicht. Denn Maria Achrait ist ehrgeizig. Nach dem Grundstudium in Jura mit dem Schwerpunkt Internationales Recht hat sie noch mal eines in Humanmedizin draufgesattelt und denkt aktuell über eine Promotion in Medizinrecht nach. Wer sie unterschätzt, hat schon verloren. Zumal sie ein perfektes Beispiel für die Frankfurter Stadtgesellschaft ist. Einer Stadt, in der mit Mike Josef ein Sohn politischer Flüchtlinge aus Syrien vor drei Jahren zum Oberbürgermeister gewählt wurde.
SPD stellt sich hinter Kandidatin
Auch deshalb hat sich die Frankfurter SPD demonstrativ hinter Achrait gestellt. Aus Sicht der Co-Parteivorsitzenden und Spitzenkandidat*innen der Frankfurter SPD, Ina Hartwig und Kolja Müller, träfen die Angriffe nicht nur Achrait als Person, sondern gefährdeten das Fundament des respektvollen Miteinanders in der Stadt.
„Maria Achrait ist eine aufrechte Demokratin, die sich mit Leidenschaft für Gleichberechtigung und Zusammenhalt in unserer Stadt einsetzt. Dass sie wegen ihres Aussehens oder ihres Glaubens herabgewürdigt wird, ist beschämend für die Urheber dieser Taten“, erklärte Hartwig. Die SPD lasse nicht zu, dass engagierte Frauen wie sie durch Hassrede und Vandalismus aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt würden. Denn Vielfalt sei kein Makel, sondern die Stärke Frankfurts.
Achrait lässt sich nicht beirren
Maria Achrait will im Wahlkampf weiter für ein Frankfurt streiten, in dem jede und jeder unabhängig von Herkunft oder Religion die gleichen Chancen und denselben Respekt erfährt. Sie habe auch viel positives Feedback bekommen. Vom Rat der Religionen, von Moscheen und von Privatpersonen, die ihr Mut gemacht und ihr für ihr Engagement gedankt haben.
„Ich bin Frankfurterin und ich liebe diese Stadt über alles“, sagt sie und ist mit den Jusos bis zum Wahltag Mitte März überall in der Stadt mit ihren fast 800.000 Einwohnerinnen und Einwohnern unterwegs. Mit den SPD-Frauen will sie zum Weltfrauentag am 8. März Rosen verteilen und mit ihrem Ortsverein ist sie im Stadtteil Westend quasi unermüdlich an Infoständen, beim Haustürwahlkampf und bei Frühverteilungen. „Dieser Wahlkampf ist etwas ganz Besonderes“, findet Achrait, die als Spitzenkandidatin auf den Einzug in die KAV hofft und sich schon auf die dortige Arbeit freut.
Gelingt der Sprung ins Parlament?
Mit Blick auf die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung fügt sie an: „Mit kumulieren und panaschieren ist alles möglich.“ Das „Kumulieren“ ist eine Besonderheit des hessischen Kommunalwahlrechts, bei dem Wähler*innen bis zu drei Stimmen an eine Person vergeben und diese dadurch auf der Liste ihrer jeweiligen Partei nach oben wählen können. Vielleicht gelingt Achrait so der Einzug ins Stadtparlament. Es wäre die richtige Antwort auf den Hass der Rassisten.
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo