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„Political Cakes“: Rasha Nasr erklärt Demokratie mit Kuchen

17. März 2026 08:50:52
In ihrem neuen Insta-Format „Political Cakes“ backt die SPD-Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr einfache Rezepte – und verbindet sie mit politischen Botschaften. So erreicht sie Zehntausende Follower*innen weit über die Polit-Blase hinaus.
Backen und Politik sind die beiden Leidenschaften der sächsischen SPD-Bundestagsabgeordneten Rasha Nasr. Nun hat sie auf Instagram mit „Political Cakes“ ein neues Format gestartet, in dem sie beides zusammenbringt.

Backen und Politik sind die beiden Leidenschaften der sächsischen SPD-Bundestagsabgeordneten Rasha Nasr. Nun hat sie auf Instagram mit „Political Cakes“ ein neues Format gestartet, in dem sie beides zusammenbringt.

Manchmal kann es so einfach sein. Im Fall von Rasha Nasr war es ein einzelner Kommentar auf Instagram, der dazu führte, das ein neues Format entstand. „Ich möchte gerne eine wöchentliche Serie Political Cakes“, schrieb dort eine Nutzerin. Und Nasr dachte sich: „Wie geil ist das denn? Das machen wir jetzt!“ So berichtet es die SPD-Bundestagsabgeordnete im Gespräch mit dem „vorwärts“.

Mit Baiser-Küssen Demokratie erklären

Inzwischen hat sie bereits drei Folgen ihrer neuen Reihe veröffentlicht. Darin präsentiert sie beispielsweise das Rezept für „Baiser-Küsse“, die nur aus zwei Zutaten bestehen: Eiweiß und Zucker in gleicher Menge. Das Rezept ist nicht zufällig ausgewählt, denn Nasr sieht darin eine Parallele zur Demokratie, die ebenfalls mit zwei grundlegenden Zutaten beginne: mit gleicher Würde und gleichem Rechten für alle. „Baiser-Küsschen“ fallen ohne Eiweiß auseinander, erklärt sie in dem Video – ganz wie die Demokratie, die nicht mehr funktioniere, wenn Menschen diese Rechte verlören. Nasr wirbt daher dafür, sich für die Demokratie zu engagieren und sich für den Otto-Wels-Preis der SPD-Bundestagsfraktion zu bewerben.

Der Clou an dem Video: Es funktioniert doppelt. Denn Nasr erreicht damit nicht nur politisch Interessierte, sondern auch diejenigen Menschen, die sich auf Instagram für Koch- und Backvideos interessieren. Mit dem Format setzt die sächsische SPD-Abgeordnete zudem etwas fort, das mit ihrer Kandidatur für den Bundestag 2021 begann. Angesichts ihrer Vorstellungsvideos titelte der „vorwärts“ damals: „Mit Backen in den Bundestag“. In dem Video verzierte Nasr einen Muffin und sagte: „Backen ist ein bisschen wie Politik. Man braucht die richtigen Zutaten, die richtigen Mengen und ganz viel Geduld. Dann kann am Ende was richtig Schönes rauskommen.“

Reichweitenstärkste SPD-Abgeordnete

Seitdem wurde Nasr nicht nur zweimal in den Bundestag gewählt und ist dort inzwischen integrations- und migrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Auch die Zahl ihrer Follower*innen auf Instagram hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Inzwischen sind es fast 80.000 Menschen. Damit ist sie die weibliche SPD-Abgeordnete mit der größten Reichweite auf der Plattform. Was den gesamten Bundestag angeht, liegt sie auf Platz 21. „Das ist crazy. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass ich höhere Reichweiten erziele als der eine oder die andere Ministerin.“ Zugleich mache sie das auch stolz. „Denn es ist ein Zeichen dafür, dass die Leute gut finden, was ich da auf meinem Profil mache.“

Das ist wörtlich gemeint. Denn die Betreuung ihres Instagram-Accounts ist für die SPD-Politikerin Chefinnensache. Auch ihre Back-Videos filmt und schneidet sie selbst. Dass sie ein paar Jahre lang zwischendurch keine Back-Videos veröffentlichte, erklärt sie mit der Geburt ihrer Tochter. „Ich habe das Backen sehr vermisst. Es ist für mich wie Urlaub. Ich kann dabei einfach mal zwei Stunden lang den Kopf ausschalten und mit den Händen arbeiten“, sagt Nasr.

Nasr über Anfeindungen: „Das war sehr belastend“

In den Kommentaren zu ihren Back-Videos finden sich auffallend viele positive Reaktionen. Menschen schreiben, wie inspirierend Nasrs Arbeit sei und bedanken sich dafür. Doch im vergangenen Jahr erlebte die sächsische Sozialdemokratin auch die Schattenseiten der sozialen Medien. Um die Koalition mit der Union zusammenzuhalten, stimmte die SPD-Bundestagsfraktion im Juni 2025 für die Aussetzung des Familiennachzugs bei Geflüchteten, obwohl viele SPD-Abgeordnete eine andere Meinung vertraten, darunter auch Rasr. 

Auf Social Media erntete sie dafür nicht nur Kritik, sondern auch üble Beleidigungen bis hin zu Todesdrohungen gegen ihre Tochter. „Das war sehr belastend. Anfeindungen von der rechten Seite sind für mich nichts Neues, aber diesmal kam es von Leuten, die enttäuscht darüber waren, wie ich abgestimmt habe. Das fiel bei mir auf fruchtbaren Boden, da ich selbst von mir enttäuscht war.“

Trotzdem war eine Grenze erreicht, spätestens als sie auf dem Nachhauseweg tätlich angegriffen wurde. Eine Frau schrie sie in der Straßenbahn an, packte sie und schlug ihr das Handy aus der Hand. „Ich war dann im Prinzip den ganzen Sommer über krank und habe in der Zeit auch nicht wirklich Social Media gemacht“, sagt Nasr. Nach dieser Zwangspause habe sie die Konsequenz gezogen, ihr Privatleben stärker aus den sozialen Medien rauszuhalten und beispielsweise keine Bilder mehr von ihrem Mann und ihrer Tochter zu posten. 

„Kinder, Arbeit, Alltag, alles gleichzeitig“

Nur im Back-Video, das sie anlässlich des Weltfrauentages veröffentlicht hat, sieht man den Schnuller ihrer Tochter auf die Arbeitsfläche fallen. „Viele Frauen kennen das. Kinder, Arbeit, Alltag, alles gleichzeitig“, sagt die Sozialdemokratin, während sie Butterkekse aussticht. In den Kommentaren regnet es Lob und Herzen. Auch das bringt Nasr zu dem Schluss: „Meine Community ist die Beste!“ 

Autor*in
Jonas Jordan
Jonas Jordan

ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo

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