CDU Rheinland-Pfalz: Endlich Wahlkampf ohne nervige Wähler!
Die rheinland-pfälzische CDU ist wirklich nicht zu beneiden. Seit 35 Jahren sitzt sie im „Land der Reben und Rüben“ auf den harten Oppositionsbänken im Landtag. In schöner Regelmäßigkeit glaubt sie alle fünf Jahre wieder, nun sei wirklich ihre Zeit gekommen und sieht dann doch wieder ihre Felle auf dem Rhein davonschwimmen. Besser sieht es da auf der von Mainz aus gesehen anderen Seite des Flusses aus. In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden sitzt die CDU seit 1999 ununterbrochen in der Staatskanzlei. Also schon seit dem letzten Jahrtausend!
Sehnsuchtsvoller Blick ans andere Rheinufer
Neidisch blicken die Parteikollegen da ans andere Rheinufer, während sie sich mal wieder mit den nervigen Fragen der Wählerinnen und Wähler beschäftigen müssen. Was die CDU vorhabe, wenn sie an der Macht sei, wollen sie wissen, um dann am 22. März doch wieder die SPD zu wählen. Wie in all den Jahren zuvor. Für Spitzenkandidat Gordon Schnieder ist der Straßenwahlkampf besonders demütigend. Immer wieder muss er die Frage beantworten: Wer sind Sie eigentlich? Er soll sich bekannt machen, wurde ihm gesagt. Aber können die Wähler nicht mal selbst nachschauen? Er hat schließlich Plakate, Flyer und sogar eine eigene Homepage. „Weil’s jetzt gilt“, steht da und ein Countdown bis zum Wahltag.
Besser hat es Boris Rhein. Der muss das nicht machen, sondern kann einfach regieren, so richtig als Ministerpräsident von Hessen. „Mir reicht’s! Das mache ich jetzt auch“, dachte sich Schnieder offenbar. Also nicht regieren, aber nach Hessen fahren. Aber nicht irgendwohin! Es gibt dort ja auch so SPD-regierte Schmuddelstädte wie Hanau, Offenbach oder Frankfurt. Nein, ein Schloss muss her! Genauer gesagt das Schloss Johannisberg im Rheingau, ganz idyllisch mitten in einem Weinberg gelegen. Und das Beste: Von dort aus hat man einen wunderbaren Blick auf Rheinland-Pfalz, nur ganz ohne die nervigen Wähler. Endlich mal Wahlkampf zum Wohlfühlen! Also hat die CDU das für den Abend des 27. Januar direkt gebucht und zu einer Veranstaltung mit Boris Rhein und Gordon Schnieder eingeladen. Wie toll!
SPD hinterfragt Geographie-Kenntnisse der CDU
Natürlich hat sich die SPD direkt wieder mokiert. Die Landesvorsitzende Sabine Bätzing-Lichtenthäler nannte das „aberwitzig“. Der Generalsekretär Gregory Scholz hat auf Instagram direkt ein Video veröffentlicht, in dem er erklärt hat, wo auf einer Deutschland-Karte Rheinland-Pfalz und Hessen liegen. Scholz war schließlich mal Gymnasiallehrer.
Aber wahrscheinlich ist die SPD nur neidisch. Vor allem sollte sie etwas toleranter sein. Denn vom großen hessischen SPD-Ministerpräsidenten Georg-August Zinn ist der Satz überliefert: „Hesse ist, wer Hesse sein will.“
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo