Inland

2026: Wie die SPD die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz gewinnen will

30. December 2025 14:29:00
Noch liegt die SPD in den Umfragen zur Landtagswahl am 22. März 2026 hinter der CDU. Doch mit ihrem Ministerpräsident Alexander Schweitzer hat sie gute Chancen, am Ende doch wieder die Nummer 1 im Land zu werden.
Einer, auf den es ankommt: Alexander Schweitzer (r.), Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, am 4.12.2025 vor der Presse in Berlin gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz

Einer, auf den es ankommt: Alexander Schweitzer (r.), Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, am 4.12.2025 vor der Presse in Berlin gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz

Fünf Landtagswahlen stehen 2026 an. Davon dürfte die Wahl in Rheinland-Pfalz am 22. März für die SPD besonders wichtig sein. Seit 1991 regierten vier sozialdemokratische Ministerpräsident*innen das Land: Rudolf Scharping, Kurt Beck, Malu Dreyer und seit Juli 2024 Alexander Schweitzer. Alle vier hatten auch auf Bundesebene bereits wichtige Funktionen und höchste Ämter inne: als Kanzlerkandidat, Parteichef oder Vizechef der SPD. Auch das zeigt die Bedeutung von Rheinland-Pfalz für die SPD.

Damit die Partei das Land auch weiterhin regieren kann, setzt sie auf den bisherigen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer. Mit 100 Prozent wählte ihn die Landesvertreterversammlung der SPD am 22. November zum Spitzenkandidaten. „Mister 100 Prozent“ betitelte der „vorwärts“ ihn deshalb in seiner jüngsten Ausgabe. Minutenlanger Jubel begleitete seine Nominierung. Hier zeigte die SPD Rheinland-Pfalz, was sie so besonders macht: gute Stimmung, hohe Geschlossenheit und Motivation. Alle 52 Kandidat*innen für die SPD-Landesliste erhielten jeweils über 90 Prozent der Stimmen auf der Landesvertreterversammlung.

Alexander Schweitzer lobt „hochmotivierte SPD“

„Ich erlebe eine hochmotivierte SPD und freue mich auf unsereren ‚gute Laune Wahlkampf‘ mit Haustürbesuchen statt Hochglanz“, so Alexander Schweitzer auf der Landesvertreterversammlung. „Nach dem Motto ‚klingeln, klopfen, gewinnen‘ wollen wir an mindestens 100.000 Haustüren ins Gespräch kommen.“ 

Für Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD in Rheinland-Pfalz, gibt das einstimmige Votum für Alexander Schweitzer zusätzliche Stärke. „100 Prozent: Das ist das Motto für die kommenden Wochen und Monate. Denn jetzt gibt es nur noch Vollgas – für den Start in den Wahlkampf, den Endspurt in der Legislaturperiode, und für das Rennen um den Wahlsieg.“

Konkreter Plan für Rheinland-Pfalz

Damit es mit dem Wahlsieg dann auch klappt, präsentierte der Ministerpräsident den Delegierten seinen konkreten Plan für Rheinland-Pfalz. Erstens sollen alle Schulbücher und Arbeitshefte kostenlos werden, „weil uns alle Kinder gleich lieb und gleich viel wert sind“, so Schweitzer. Zweitens sollen die ländlichen Räume gestärkt werden, indem Kneipen, die „Wohnzimmer“ der Dorfgemeinschaften, einen Zuschuss von bis zu 50.000 Euro für wichtige Anschaffungen und Sanierungen erhalten sollen. Drittens sollen die Kosten für Verwaltungs- und Prüfungsgebühren für den Führerschein Klasse B für Erstanmelder unter 25 Jahren vom Land übernommen werden.

Weitere wichtige Themen für die SPD sind die Förderung finanzschwacher Kommunen, die bessere Sprachförderung in Kindertagesstätten sowie eine verlässliche Versorgung von Menschen, die Pflege oder medizinische Behandlung benötige, auch im ländlichen Raum. Im Wahlkampf will die SPD auch auf ihre Leistungsbilanz in der Regierung verweisen. Dazu gehört neben Rekordzahlen bei Lehrer*innen und Polizist*innen auch die milliardenschwere Entschuldung von Kommunen.

Noch liegt die SPD hinter der CDU

Entscheidend wird nun sein, wie sehr die SPD im Wahlkampf mit all dem punkten kann. Das muss sie auch, denn nach der jüngsten Umfrage von Infratest dimap im Oktober 2025 liegt sie mit 23 Prozent nur auf Platz zwei und damit hinter der CDU, die auf 29 Prozent kommt. Doch mit Aufholjagden hat die SPD in Rheinland-Pfalz Erfahrung: Auch bei der vergangenen Landtagswahl 2021 lag sie mit ihrer Spitzenkandidatin Malu Dreyer lange hinter der Union zurück. Doch mit einem engagierten Wahlkampf drehte die Sozialdemokratie, die in Rheinland-Pfalz als breit verankerte Volkspartei gilt, die Lage: Am Ende lag die SPD mit 35,7 Prozent klar auf Platz Eins, deutlich vor der CDU mit 27,7 Prozent.

Alexander
Schweitzer

Wir werden hier in Rheinland-Pfalz keine Ersatzbundestagswahl haben, sondern wir werden eine rheinland-pfälzische Wahl haben.

„Wir werden hier in Rheinland-Pfalz keine Ersatzbundestagswahl haben, sondern wir werden eine rheinland-pfälzische Wahl haben“, erklärte Alexander gegenüber dem „vorwärts“ die Umfrage. „Und so wie in dieser Umfrage der Abstand zwischen CDU und SPD erneut kleiner geworden ist, wird es weitergehen.“ Die Landesregierung habe unter seiner Führung erneut an Zustimmung gewonnen.  

SPD setzt auf Kraft und Kompetenz ihrer Frauen

Im Gegensatz zur Union will die Landes-SPD auch mit ihren starken Frauen punkten. Mit Sabine Bätzing-Lichtenthäler führt nicht nur eine Frau Partei und Fraktion, der Frauenanteil auf der Landesliste der SPD beträgt auch 46 Prozent. Bei der CDU liegt der Frauenanteil bei nicht mal einem Viertel: 52 Männer stehen auf ihrer Landesliste, aber nur 11 Frauen.

In den letzten zehn Jahren wurde Rheinland-Pfalz von einer Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP regiert. Ob diese Bündnis weiterregieren kann, ist fraglich. Schaffte es die FDP vor fünf Jahren mit 5,5 Prozent knapp in den Mainzer Landtag, müssen die Liberalen nun um die Rückkehr ins Parlament bangen.

Amtsbonus des Ministerpräsidenten entscheidend

Die SPD geht hingegen zuversichtlich in den Wahlkampf. Sie setzt auf ihren populären Ministerpräsidenten, der als stellvertretender Vorsitzender der SPD und als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz auch in der Bundespolitik eine wichtige Rolle spielt. Im Wahlkampf präsentiert sich der 52-jährige Südpfälzer als kompetenter Landesvater, nah bei den Menschen. „Ich bin Rheinland-Pfälzer durch und durch und wir Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer teilen eines ganz sicher: Wir lieben unsere Heimat und unseren Zusammenhalt. Das treibt mich an“, so Alexander Schweitzer. 

Dass sich der Amtsbonus eines populären Ministerpräsidenten an der Wahlurne auszahlt – auch bei schwieriger Ausgangslage seiner Partei – haben die Landtagswahlen der vergangenen Jahre gezeigt. Und dies oft auch erst wenige Wochen vor dem Wahltag. „Das war in Rheinland-Pfalz in den letzten Jahrzehnten schon immer so, dass am Ende auch die Ministerpräsidentenfrage die Wahlen mitentschieden hat“, erklärte Schweitzer im vorwärts-Interview. „Das war bei Kurt Beck so, das war bei Malu Dreyer so und ich habe das Gefühl, das kann auch bei mir so sein.“ 

„Wahlkampf ist wie Hochleistungssport“

SPD-Fraktionschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler ist zuversichtlich, dass sich der starke Auftritt von Partei und Spitzenkandidat am 22. März auszahlen wird. „Wahlkampf ist wie Hochleistungssport, es braucht Ausdauer, Kampfgeist und Selbstvertrauen“, erklärte sie auf der SPD-Vertreterversammlung. „Und es braucht ein Team, das bereit ist, mit großer Motivation und Freude die Extrameile zu gehen. Genau das sind wir – die SPD Rheinland-Pfalz.“

Alexander Schweitzer beschrieb die Landes-SPD gegenüber dem „vorwärts“ so: Die SPD an Rhein und Mosel sei „eine vernünftige Sozialdemokratie, die Modernität und Tradition so in sich vereint, dass wir in der Mitte der Gesellschaft anschlussfähig sind, dass wir Menschen erreichen, die womöglich bei anderen Wahlen andere Parteien wählen würden, aber in Rheinland-Pfalz immer sagen: ‚Ich will, dass das Land vernünftig regiert wird. Ich will, dass es fortschrittlich zugeht. Ich will, dass die Demokratie gestärkt ist.‘ Und dafür ist die Sozialdemokratie die beste Adresse.“ 

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2 Kommentare

Gespeichert von pHqghUme (nicht überprüft) am Mi., 31.12.2025 - 03:29

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