Kultur

Film „Die Schule des Mutes“: Wie junge Afghaninnen für ihren Traum kämpfen

30. January 2026 17:20:00
Ehrgeizige Schulmädchen schrauben an Robotern und träumen von einer internationalen Karriere: Der Film „Die Schule des Mutes – Rule Breakers“ erzählt von einer Zeit der Hoffnung in Afghanistan. Seine Botschaft ist aktueller denn je.
Szene aus "Die Schule des Mutes - Rule Breakers"

Chancen durch Hightech: Diese afghanischen Schulmädchen verfolgen große Ziele.

Der Zugang zu moderner Technik vermag nicht nur ein einzelnes Leben, sondern eine ganze Gesellschaft umzukrempeln. Kaum jemand weiß dies besser als Roya Mahboob. Die aus Afghanistan stammende IT-Spezialistin kann sich noch an den Moment erinnern, wie es war, als sie sich zum ersten Mal an einem Computer versucht hat. Dieser Moment erschien ihr wie ein Licht in der Dunkelheit. Die ungeahnten technischen Möglichkeiten haben die ehedem kleine Welt des Mädchens plötzlich unendlich groß gemacht. 

Eine IT-Schule für Mädchen ist in Afghanistan revolutionär

Mahboob erzähl diese Anekdote zu Beginn des Films „Schule des Mutes – Rule Breakers“ vor einer Schulklasse im afghanischen Herat. Es ist nicht irgendeine Schule, sondern die von ihr eigens gegründete IT-Schule für Mädchen. Es ist das Jahr 2017. Bis zur erneuten Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vergehen noch ein paar Jahre. 

Doch auch in dieser fragilen politischen Ordnung sind solche Projekte alles andere als selbstverständlich, werden nicht nur von ultrakonservativen Kräften als rebellisch oder überflüssig betrachtet. Schließlich ist Frauen ein anderer Platz in der Gesellschaft zugedacht. Wer davon abweichen will, muss in der Regel darum kämpfen.

Wenig später bringt Mahboob ein weiteres, für afghanische Verhältnisse revolutionäres Vorhaben ins Rollen: Aus den Schüler*innen pickt sie die begabtesten heraus, um ein Team für einen internationalen Robotik-Wettbewerb zu bilden. Gemeinsam tüfteln und werkeln die Mädchen an Hightech-Geräten und reisen zu Wettkämpfen in die USA und nach Deutschland, wo sie in eine gänzlich anders gelagerte Alltagskultur eintauchen. 

Trotz einiger Widrigkeiten und Rückschläge verlieren sie den Traum vom Spitzenplatz auf dem Podest nicht aus den Augen. Eines Tages scheint er tatsächlich zum Greifen nah - und damit auch die Chance, womöglich leichter einen technikaffinen Studienplatz im Ausland zu ergattern und so der traditionellen Rolle als Hausfrau und Mutter zu entkommen. 

Es gab mal Hoffnung in Afghanistan

Der neue Spielfilm des zweifachen Oscar-Preisträgers Bill Guttentag erzählt von einer Zeit, als die Lage in Afghanistan äußerst schwierig, aber nicht ohne Hoffnung war, insbesondere aus der Sicht von Frauen und Mädchen. Allein deswegen lohnt es sich, sich mit „Schule des Mutes – Rule Breakers“ zu befassen. 

Seit der Rückkehr der Taliban im Jahr 2021 hat sich die Lage massiv verdüstert. Mädchen wird allenfalls noch der Schulbesuch bis zur sechsten Klasse zugestanden, das war es dann aber auch mit Bildungschancen. Als Frau außerhalb des Hauses arbeiten? Nahezu unmöglich. 

YouTube wurde aufgrund Ihrer Cookie-Einstellungen blockiert.
Zum Anzeigen des Inhalts müssen Sie die Marketing-Cookies akzeptieren .

Die Handlung fußt auf wahren Begebenheiten. Mahboob zählte zu den ersten weiblichen CEOs in Afghanistans IT-Sektor. Im Alter von 23 Jahren gründete sie in Herat ein Softwareentwicklungsunternehmen. Weil sie sich unter anderem für Internet-Klassenzimmer in Afghanistan eingesetzt hat, nahm sie das „Time“-Magazin im Jahr 2013 in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt auf. Später formierte sie das „Afghan Girls Robotics Team“, auch bekannt als „Afghan Dreamers“. Mittlerweile lebt Mahboob in den USA und engagiert sich für internationale Projekte zur digitalen Bildung sowie zur Förderung von Mädchen und Frauen.

Die Intentionen von Roya Mahboob stehen im Vordergrund

Der Film dreht sich darum, Visionen auch unter schwierigsten Bedingungen zu verwirklichen. Die damit verbundenen Hoffnungen schwingen in jeder Szene mit. Leider geht dies zulasten der erzählerischen Tiefe. Anstatt anschauliche Einblicke in die Welt des Tüftelns und Schraubens in der improvisierten Roboter-Werkstatt zu geben, widmet sich das Ganze vor allem den Intentionen und der Perspektive von Mahboob. Auch über die Protagonistin hinaus wird das Vorbildhafte mancher Figur bisweilen überstrapaziert.  

Und auch die Erzählweise ist arm an Brüchen. Springt der Film anfangs zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, um auf Mahboobs Vorgeschichte einzugehen, wird die Handlung irgendwann geradlinig runtererzählt. 

Man wünschte sich, dieser etwas glatt geratene Film könnte eine und einen mehr für seine Figuren und sein Anliegen begeistern. Nichtsdestotrotz ist er ein wichtiges Statement. Und das ist mit Blick auf das Afghanistan von heute aktueller denn je.

„Schule des Mutes – Rule Breakers“ (USA 2025), ein Film von Bill Guttentag, mit Nikohl Boosheri, Ali Fazal, Noorin Gulamgaus, Amber Afzali, FSK ab 6, 120 Minuten.

Im Kino 

Weitere Infos unter kinostar.com

Weitere interessante Rubriken entdecken

Noch keine Kommentare
Schreibe einen Kommentar

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.