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Sommerzeit: Warum kein Ende der Zeitumstellung in Sicht ist

28. März 2026 00:00:00
Am Wochenende werden in der Europäischen Union wieder die Uhren umgestellt – obwohl sich das Europaparlament schon vor Jahren für ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen hat. Warum ist das so?
ein goldener Wecker, gehalten von einer männlichen Hand

Kaum jemand will sie, doch man wird sie nicht los: Die Zeitumstellung beschäftigt seit Jahren Europa.

Jedes halbe Jahr ist es dasselbe Spiel: Die Uhren werden umgestellt. Am letzten Wochenende im März eine Stunde vor auf Sommerzeit, am letzten Wochenende im Oktober eine Stunde zurück auf Winter- bzw. Normalzeit. Dabei ist der Nutzen der Maßnahme mittlerweile mehrfach widerlegt worden. Eine große Mehrheit der Menschen in Europa hat sich zudem für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen.

Seit wann und warum gibt es die Zeitumstellung?

In Deutschland wurde die Zeitumstellung 1980 eingeführt. Sie war eine Reaktion auf die Ölkrise 1973 und sollte dazu dienen, Energie zu sparen. Die Idee war einfach: Wenn sich der Tag um eine Stunde nach vorn verschiebt, wird weniger Beleuchtung benötigt und damit weniger Strom verbraucht. Das sollte erreicht werden, indem die Uhr für den Sommer um eine Stunde vorgestellt wird. Damit war die Sommerzeit erfunden. In der Europäischen Union beteiligten sich lange nicht alle Staaten an der Zeitumstellung. Erst 1996 wurden die unterschiedlichen Regelungen vereinheitlicht.

Was bringt die Zeitumstellung wirklich?

Der erhoffte Effekt der Energieeinsparung hat sich nicht erfüllt, wie mehrere Studien erwiesen haben. Zwar schalten die Menschen abends später das Licht ein, heizen dafür aber in den Morgenstunden mehr. Das bestätigte im vergangenen Jahr auch der zuständige EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas im Europaparlament.

Welche negativen Auswirkungen hat die Zeitumstellung?

Negative Auswirkungen gibt es auf mehreren Ebenen. Zum einen stellt die Zeitumstellung Transportunternehmen wie die Bahn vor Herausforderungen. Zum anderen haben medizinische Untersuchungen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen ermittelt. Zu den häufigsten Problemen gehören Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und depressive Verstimmungen. „Durch den Verzicht auf die Zeitumstellung könnten Energiekosten gesenkt, Umweltbelastungen reduziert und die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung verbessert werden“, ist deshalb die SPD-Europaabgeordnete Vivien Costanzo überzeugt.

Wenn so viele dafür sind: Warum wird die Zeitumstellung nicht abgeschafft?

Das Europaparlament hat 2019 bereits für eine Abschaffung gestimmt, nachdem die Europäische Kommission einen entsprechenden Vorschlag gemacht hatte. Zuvor hatten sich in einer repräsentativen Online-Abstimmung in den EU-Staaten 84 Prozent für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Umsetzen müssen das allerdings die Mitgliedsstaaten. Und die können sich bisher nicht einigen.

Warum können sich die Mitgliedsstaaten bei der Zeitumstellung nicht einigen?

Die Mitgliedsstaaten sind im Prinzip auch für die Abschaffung der Zeitumstellung. Allerdings können sie sich nicht einigen, ob künftig die Sommer- oder die Winterzeit, die eigentlich die Normalzeit ist, gelten soll. Das hat ganz praktische Gründe: Würden sich die EU-Staaten auf eine dauerhafte Winterzeit einigen, ginge am längsten Tag im Sommer im Osten Polens die Sonne bereits um 3.30 Uhr auf. Im Westen Spaniens wäre es das umgekehrte Bild: Hier bliebe es bei einer dauerhaften Sommerzeit an kurzen Wintertagen morgens bis 9.30 Uhr dunkel.

Die Länder im Osten der EU sind daher eher für eine dauerhafte Sommer-, die im Westen eher für eine dauerhafte Winterzeit. Eine Einigung scheint daher schwierig zu sein. Dass es sie geben muss, sei jedoch klar, meint Europapolitikerin Vivien Costanzo. „Ein vereintes Europa braucht eine gemeinsame Zeit“, sagt sie. „Ein Flickenteppich aus verschiedenen Zeitzonen muss vermieden werden.“

Wie kann eine Lösung aussehen?

Das steht in den Sternen. „Die Bürgerinnen und Bürger Europas erwarten zu Recht eine Lösung und dass das ewige Hin und Her der Zeitumstellung ein Ende findet“, sagt die Europaabgeordnete Costanzo. Nach der Abstimmung in den EU-Staaten und dem Votum des Europaparlaments 2019 hat das Thema jedoch wieder an Bedeutung verloren. Bis auf weiteres wird also auch künftig jedes halbe Jahr weiter an der Uhr gedreht.

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.

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