Inland

„We are Europe“: Initiative ruft zu proeuropäischen Demos auf

19. February 2026 12:07:43
Europa wird von innen wie von außen bedroht. Dagegen kämpfen Laura Wessbecher und Lina Abraham. Sie haben die Initiative „We are Europe“ gegründet und machen sich für die EU stark. Auftakt ist am Samstag in 14 europäischen Städten.
Laura Wessbecher, Initiatorin von „We are Europe“, vor dem Europaparlament in Straßburg

Laura Wessbecher, Initiatorin von „We are Europe“, vor dem Europaparlament in Straßburg

Russlands Überfall auf die Ukraine jährt sich in diesen Tagen bereits zum vierten Mal. Trumps Drohung, Grönland einverleiben zu wollen, sind erst wenige Wochen alt. Zudem gewinnen europafeindliche Kräfte auch innerhalb der EU an Bedeutung. All das zeigt: Europa steht unter Druck. Von innen wie von außen. Laura Wessbecher und Lina Abraham wollen angesichts dessen nicht tatenlos zuschauen. Die beiden jungen Frauen haben die überparteiliche Initiative „We are Europe“ ins Leben gerufen.

Trumps Drohungen als Weckruf

Trumps Drohungen gegenüber Grönland seien für sie wie ein Weckruf gewesen, berichtet Wessbecher im Gespräch mit dem „vorwärts“. Die Sozialdemokratin hat ihre Master-Arbeit darüber geschrieben, welche Reformen die Europäische Union braucht, um wieder handlungsfähiger zu werden. Aktuell arbeitet sie für die Gruppe der SPD-Europaabgeordneten als Werkstudentin in Straßburg. Gemeinsam mit Lina Abraham, die für die Volt-Gruppe im Europaparlament tätig ist, entwickelte sie die Idee, „We are Europe“ ins Leben zu rufen.

„Wir sind eine überparteiliche Bewegung für ein starkes, unabhängiges, demokratisches Europa. Wir wollen jetzt die 89 Prozent der Menschen, die einer Umfrage zufolge für Europa sind, endlich auf die Straße bringen und sichtbar machen“, sagt Wessbecher. Der Auftakt dafür soll eine geplante Kundgebung am Samstag, 21. Februar, um 13 Uhr am Brandenburger Tor in Berlin sein. Dort sollen unter anderem der SPD-Europaabgeordnete Matthias Ecke und Damian Boeselager von Volt sprechen. Weitere Abgeordnete von Grünen, CDU und FDP haben die Organisatorinnen angefragt. Sie hoffen auf bis zu 200 Teilnehmer*innen. 

14 Aktionen in ganz Europa

Zeitgleich finden am Samstag Treffen oder Kundgebungen in 13 weiteren europäischen Städten statt, von Budapest bis Barcelona, von Warschau bis Wien, von Brüssel bis Rom. 

Kundgebung am Brandenburger Tor

Dort, wo auf diesem Bild Initiatorin Lina Abraham posiert, hat „We are Europe“ für Samstag, 21. Februar, um 13 Uhr zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor aufgerufen. Sie soll der Startschuss für die Initiative sein.

Initiatorin Lina Abraham vor dem Brandenburger Tor, wo „We are Europe“ am Samstag eine Kundgebung abhalten will

Doch die Kundgebung in Berlin soll erst der Auftakt für eine europaweite Bewegung sein. „Wir haben jetzt eine WhatsApp-Gruppe mit allen Leuten, die auch gerne eine Veranstaltung organisieren würden. Da haben sich innerhalb einer Woche 116 Leute aus 38 Städten versammelt – von Budapest bis Barcelona“, berichtet Abraham und fügt an: „Wir hoffen, dass unsere Idee Feuer fängt und wir dieses Momentum weitertragen können, sodass im Mai zum Europatag Tausende Menschen auf die Straße gehen.“

„Wir wollen ein offenes und freies Europa sichern“

„We are Europe“ soll dabei keine Konkurrenz zu bestehenden proeuropäischen Organisationen wie „Pulse of Europe“ oder den Jungen Europäischen Föderalist*innen (JEF), der Jugend-Organisation der Europa-Union, darstellen. Im Gegenteil: „Wir stehen im engen Kontakt mit ihnen. Unser Ziel ist es, diese proeuropäischen Akteur*innen zusammenzubringen, weil wir alle genau dasselbe wollen“, erklärt Wessbecher. Hinzu komme, dass die politische Rechte in Europa und darüber hinaus bereits gut vernetzt sei.  

Doch was will die neugegründete proeuropäische Initiative eigentlich durch eine stärkere politische Vernetzung erreichen? Dazu sagt Lina Abraham: „Wir wollen ein offenes und freies Europa sichern. Schengen muss ebenso geschützt werden wie die Grundrechte. Zudem braucht es einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhalt als Reaktion gegen die zunehmende Angst und Polarisierung.“ Auch sei ihnen wichtig, dass Europa wieder handlungsfähiger werde. Dafür brauche es Mehrheitsentscheidungen im Rat der Staats- und Regierungschef*innen und zugleich ein echtes Initiativrecht für das Europaparlament.

Mehr Sicherheit und Macht der Tech-Konzerne brechen

„Wir wollen die EU demokratisieren“, macht Abraham in diesem Zusammenhang deutlich und fordert darüber hinaus, dass Europa einerseits mehr in seine Sicherheit investieren solle, aber andererseits auch unabhängiger von großen US-amerikanischen Tech-Konzernen werden müsse. Kurzum: Es gehe darum, dass der Grundgedanke der EU – ein freies und offenes Leben in Europa zu ermöglichen – wieder funktioniere.

Autor*in
Jonas Jordan
Jonas Jordan

ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo

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