International

Maja Wallstein zur WM 2026: „Das finde ich hoch problematisch“

13. Juni 2026 00:00:00
Die Fußball-WM 2026 soll Menschen aus aller Welt zusammenbringen. Doch Donald Trumps Politik und die zunehmende Kommerzialisierung trüben die Vorfreude. SPD-Politikerin und Schiedsrichterin Maja Wallstein erklärt, warum sie das Turnier mit gemischten Gefühlen verfolgt.
Atztekenstadion in Mexiko City während er Eröffnung der Fußball-WM, Porträt von Maja Wallstein im Deutschland-Trikot

Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko City/SPD-Abgeordnete Maja Wallstein: Die Schlagzeilen nehmen nicht ab.

Du bist selbst aktive Fußballspielerin, Fan und auch als Schiedsrichterin unterwegs. Fährst du in die USA zur WM? 

Ich fahre nicht zur WM – ich bin noch nie zu einer Weltmeisterschaft gefahren. Aber ich werde mir natürlich die Spiele angucken. Ich hatte vor, 2014 nach Brasilien zu fahren, habe es dann aber nicht gemacht, weil ich mir das Ticket nicht leisten konnte. Selbst wenn ich gerade die Zeit hätte, würde ich nicht in die USA fahren, weil ich – um ein aktuelles Beispiel zu nennen – die Einreisepolitik schon schwierig finde.

„Als man entschieden hat, dass dieses Turnier in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden soll, konnte man ja noch nicht absehen, wer in den USA an der Regierung sein wird“

Steht für dich das Sportereignis im Vordergrund oder – das deutete sich ja schon in der Antwort an – wird es politisch davon überlagert, dass Trump versuchen wird, die WM in seinem Land innenpolitisch für sich zu nutzen? 

Genau das befürchte ich. Die Schlagzeilen nehmen auch nicht ab. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass einem Schiedsrichter der FIFA, Omar Attan aus Somalia, die Einreise verweigert wird – das ist das erste Mal, dass so etwas passiert. Klar, jedes Land hat natürlich eigene Einreisebestimmungen. Aber Omar Attan hat ein gültiges Visum und einen Auftrag dort und kommt dennoch nicht rein. Das finde ich natürlich als Fußballschiedsrichterin hoch problematisch. Und es ist eine Bestätigung dessen, dass die WM auf jeden Fall politisch überlagert ist. 

Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass die Idee, dass Völker unabhängig von dem, was gerade in der Welt passiert, zusammenkommen und zusammen Fußball spielen, sehr wichtig ist. Dabei geht es um Zusammenhalt und weltweiten Austausch. Als man entschieden hat, dass dieses Turnier in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden soll, konnte man ja noch nicht absehen, wer in den USA an der Regierung sein wird. 

Freust du dich trotzdem auf das sportliche Ereignis? 

Ich freue mich auf unsere Mannschaft und auf schöne Spiele. Aber ich muss schon sagen: Das ist eingetrübt. Ich kann das leider nicht so richtig voneinander trennen. Ich freue mich auch auf unsere FIFA-Schiedsrichter, die wir zur WM schicken, und hätte es gut gefunden, wenn es ein Turnier ohne diese Missklänge im Vorfeld wäre.

„Fußball ist kein Sport, der nur Zusammenhalt organisiert und bringt“

Kritiker*innen merken an, dass Fußball Nationalismus verstärken kann und dass Staatschefs versuchen, diesen Effekt zu nutzen. Wie siehst du das? 

Dass Nationalismen dadurch gestärkt werden, würde ich schon sagen. Dieses „Wir gegen die“ gibt es in jedem Sport, der gegeneinander stattfindet, das ist vor allem bei den Fangruppen sehr typisch. Man findet das auch in normalen Meisterschaftsspielen im Fußball, ob das nun in der Bundesliga, in der zweiten und dritten Liga oder im Amateursport ist. Fußball ist kein Sport, der nur Zusammenhalt organisiert und bringt. Man hat auch schon gesehen, dass Staatschefs sportliche Großereignisse nutzen. 

Aber letztlich ist die Frage, was wir daraus machen und auch, was Medien daraus machen. Wenn wir die Sicht einnehmen, dass Trumps Wille erfüllt wird und er das bekommt, was er sich wünscht, nämlich „America First“ und die größte Fußball-Weltmeisterschaft, die es je gab, was er und FIFA-Chef Infantino als Botschaft rüberbringen möchten, dann färbt das ab. Aber wenn man es zu einem schönen gemeinsamen Turnier der verschiedenen Länder, die zusammenkommen, egal was passiert, umdefiniert, dann erzielt man eine andere Wirkung als die, die sie erreichen wollen.

„Wenn man ein Turnier zur Völkerverständigung macht, aber gleichzeitig nicht alle daran teilnehmen können wegen des Geldes und hoher Preise, ist das ein Widerspruch“

Ist der Fußball schon zu sehr kommerzialisiert oder gehört das einfach zum Geschäft? 

Der Fußball ist natürlich hoch kommerzialisiert. Wenn man ein Turnier zur Völkerverständigung macht, aber gleichzeitig nicht alle daran teilnehmen können wegen des Geldes und hoher Preise, ist das ein Widerspruch. Trotzdem kann es auch andere Hinderungsgründe geben, warum man Spiele verpasst, zum Beispiel die speziellen Anstoßzeiten durch die Zeitverschiebung. Aber letztlich gilt auch hier, was die Fans daraus machen, zumindest die, die nicht hinfahren und sich diese teuren Tickets nicht leisten können. Diese Kommerzialisierung sieht man in vielen Sportarten. 

In vielen Läden gibt es Produkte mit WM-Bezug, viele Kneipen bieten Public Viewing an. Ist der Hype um die WM übertrieben?

Ich weiß gar nicht, ob es in diesem Jahr so einen großen Hype gibt. Ich habe den Eindruck – das ist meine persönliche Wahrnehmung –, dass viele mit angezogener Handbremse auf diese Fußballweltmeisterschaft blicken. Ich glaube, es muss im Bewusstsein vieler erst noch ankommen, dass es jetzt wirklich losgeht. Wenn die ersten Spiele stattfinden und wir unsere Mannschaft spielen sehen, wird das noch mal ein bisschen Stimmung bringen. 

Ist das dasselbe, wenn du auf die Frauenfußball-WM blickst?

All das, was wir jetzt besprochen haben, ist die WM der Männer. Die Weltmeisterschaft der Frauen hat nach meinem Eindruck einen deutlich anderen Geist und eine andere Stimmung. Ich glaube, da könnte man sich eine Scheibe abschneiden – für die Männer-WM an positiver Stimmung. Es ist weniger „Wir gegen die“, sondern vielmehr „wir für unser Team“. Da ist Stolz auf unsere Frauen zu spüren. Das ist auch ein gewisser Nationalismus, der sich weniger gegen etwas richtet, sondern vielmehr positiv gerichtet ist. 

Autor*in
Avatar
Karin Billanitsch

ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.

Weitere interessante Rubriken entdecken

Noch keine Kommentare
Schreibe einen Kommentar

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.