Fußball-WM 2026 in den USA: Wie Donald Trump das Turnier politisch nutzt
IMAGO/Agencia EFE
US-Präsident Donald Trump, die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney bei der Auslosung des FIFA World Cups 2026
Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft hat US-Präsident Donald Trump Austragungsorte in Städten mit demokratischen Bürgermeistern infrage gestellt und eine Sicherheitsdebatte vom Zaun gebrochen. Was ist sein Kalkül?
Das ist immer so eine Frage mit Trump und Kalkül, weil er so unberechenbar ist. Insofern muss man immer versuchen, sich vorzustellen, was wohl sein Ziel sein könnte. Und wenn sein Ziel ist, weiter zu polarisieren, dann wird das mit Sicherheit aufgehen. Denn sein Vorgehen hat natürlich wieder Debatten und Grabenkämpfe entfacht, und diese Unordnung nutzt ihm in der Regel. Ob er damit langfristig seine Unterstützer hinter sich scharen kann, das halte ich allerdings für eher fragwürdig – insbesondere, weil Fußballfans in der Regel nicht besonders erpicht darauf sind, wenn solche Sportveranstaltungen politisch so instrumentalisiert werden und das auch nicht honorieren.
Donald Trump und die Fußball-WM: Welches Kalkül dahintersteckt
Trump zielt vor allem auf die amerikanische Bevölkerung – und da hat Fußball nicht dieselbe Bedeutung wie bei uns in Europa. Insofern wirkt das keineswegs so stark in die Breite der Bevölkerung wie beispielsweise der Super Bowl, der in diesem Jahr ebenfalls politisch aufgeladen war und bei dem es versteckte oder weniger versteckte politische Botschaften gegeben hat. Aber zu Ihrer Frage: Teile seiner Ziele wird er damit mit Sicherheit erreichen.
Trump betrachtet die WM als Bühne, sich als starker Mann autoritär zu inszenieren. Glauben Sie, dass Fans und die Öffentlichkeit eine Möglichkeit haben, dieser Machtpolitik die Rote Karte zu zeigen?
Nur sehr begrenzt. Die Ticketpreise beispielsweise waren ohnehin schon in horrende Höhen geschossen, sodass sich das die meisten normalen Amerikaner entweder nicht leisten können oder nicht leisten wollen. Insofern glaube ich, dass da viele Teile der Bevölkerung ohnehin schon ausgeschlossen sind und nicht noch weiter boykottieren können.
Insofern hat die Bevölkerung in ihrer Breite nur sehr begrenzte Möglichkeiten, dieser Machtinszenierung, die Trump mit Sicherheit betreiben wird irgendetwas entgegenzusetzen.
Es wird mit Sicherheit Gegenveranstaltungen und Diskussionen darüber auch auf den sozialen Plattformen geben, es wird die üblichen Memes geben, die aber in der Regel nur in die gleichen Communities hineinwirken, die ohnehin schon pro oder kontra Trump gewesen sind. Insofern hat die Bevölkerung in ihrer Breite nur sehr begrenzte Möglichkeiten, dieser Machtinszenierung, die Trump mit Sicherheit betreiben wird, irgendetwas entgegenzusetzen.
FIFA-Präsident Gianni Infantino: Wie eng die Beziehung zu Trump ist
Der US-Präsident pflegt eine enge Beziehung zu FIFA-Präsident Gianni Infantino. Dieser hat ihm einen erfundenen FIFA-Friedenspreis verliehen und besucht oft das Weiße Haus. Ist die Fußball-WM noch – wie in den FIFA-Statuten festgelegt – glaubwürdig politisch neutral?
Papier ist geduldig. In den Statuten steht das, aber es gibt wohl wenige, die die FIFA für eine politisch neutrale Institutionen halten. Die allermeisten, die regelmäßig große Sportveranstaltungen verfolgen, wissen, dass sie eigentlich immer für politische Zwecke missbraucht und ausgenutzt werden. Das ist keine Erfindung von Trump.
Insofern hatte die Fußball-WM nie den Anschein einer politisch neutralen Veranstaltung.
Als sich die die USA im Jahr 2010 für die WM 2022 beworben haben, hat der frühere Präsident Bill Clinton beim damaligen FIFA-Präsidenten Blatter politisch lobbyiert. Es gibt immer diese politischen Winkelzüge im Hintergrund. Und wie wir heute wissen, hat auch das „Sommermärchen“ 2006 in Deutschland viel mit politischer Einflussnahme und auch mit Macht im Hintergrund zu tun gehabt. Insofern hatte die Fußball-WM nie den Anschein einer politisch neutralen Veranstaltung.
In Amerika wird es vielleicht noch offensichtlicher auf die Spitze getrieben, dass das natürlich eine durch und durch politische Veranstaltung ist. Und das darf man nicht vergessen: auch eine durch und durch wirtschaftliche und kapitalistische Veranstaltung. Die großen Sportkonzerne, Sportartikelhersteller, Medienkonzerne und so weiter spielen eine wahnsinnig große Rolle. Auch in dieser Hinsicht ist die WM weit davon entfernt, neutral zu sein.
Donald Trump und die FIFA: Wird die WM zum Politikum?
Bürgerrechtsorganisationen haben im Vorfeld vor schwierigen Einreisebedingungen gewarnt. Es ist von Einreiseverboten bis hin von Festnahmen die Rede. Ein aktuelles Beispiel ist Omar Artan, Schiedsrichter aus Somalia. Wie schätzen Sie die Situation ein und welche Gruppen könnten davon besonders betroffen sein?
Es ist immer schwierig zu prognostizieren, was Trump womöglich tun wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Vorfälle eher in Form von Nadelstichen geben wird als in Form von großen breiten Kampagnen. Es wird eher gegen Einzelpersonen gehen, gegen Leute, die sich politisch gegen ihn positioniert haben, die Trump als seine Widersacher und Feinde ansieht, oder die aus einem Land kommen, das ihm nicht passt.
Aber, und das ist vielleicht das „Gute“ an dieser Konstellation, die FIFA und Trump sind sich, wie bereits angedeutet, sehr nahe, und die FIFA möchte, dass die WM reibungslos vonstatten geht. Das heißt, Trump wird versuchen, diese Großveranstaltung ohne große Zwischenfälle über die Bühne gehen zu lassen und höchstens kleine Zeichen – aus seiner Sicht – zu setzen, die sich nach seinem politischen Koordinatensystem richten.
Mirco Liefke arbeitet am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin.
ist Redakteurin beim vorwärts-Verlag und schreibt für die DEMO – Das sozialdemokratische Magazin für Kommunalpolitik.