Geld für Panzer, nicht für Studies? Warum die BAföG-Reform kommen muss
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Müde vom Studieren: Immer weniger Studierende profitieren vom BAföG.
Der Staat gibt viel Geld aus: Für Rüstung, für Infrastruktur, für Subventionen von Benzin und Agrardiesel. An einer Stelle aber wird seit Jahren gespart und vertagt: beim BAföG. Das muss sich jetzt ändern.
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz wurde 1971 von der sozialdemokratischen Regierung unter Willy Brandt eingeführt, um die Chancengleichheit in diesem Land zu fördern. Es sollte jungen Menschen, die keine Unterstützung von der Familie bekommen, ermöglichen, zu studieren. Nicht-Akademiker-Kinder sollten sozial aufsteigen können, wenn sie das wollen. Damals griffen mehr als 40 Prozent aller Studierenden auf die Leistung zurück.
BAföG und Wohnkosten: Warum die Förderung unattraktiv ist
Und heute? Mehr als 50 Jahre später erhalten knapp elf Prozent der Studierenden BAföG. Das sind so wenige wie lange nicht. Der Grund ist einfach: Die niedrigen Fördersätze decken die Lebenskosten der Studierenden nicht mal annähernd ab. Auf der anderen Seite stehen lange Wartezeiten und eine mühsame Bürokratie bei der Antragsstellung. Da verzichten viele offenbar gleich ganz.
Das BAföG ist unattraktiv, das sieht man bei den Wohnkosten besonders deutlich. Im Schnitt zahlen Studierende für ein WG-Zimmer in Deutschland 512 Euro im Monat. Irrsinnige Dimensionen erreichen die Kosten in München mit im Schnitt 800 Euro. Welcher Erstsemester kann sich das bitte leisten? Die BAföG-Wohnkostenpauschale liegt bei 380 Euro, also nicht einmal bei der Hälfte.
BAföG-Reform 2026: Warum die Erhöhung auf der Kippe steht
Die Bundesregierung hat das erkannt und will das BAföG reformieren, so steht es im Koalitionsvertrag. Die Wohnkostenpauschale soll sich auf 440 Euro erhöhen. Auch das wird den allermeisten Studierenden nicht reichen, aber es ist ein wichtiger Anfang. Dass nun von Seiten der Union in Frage gestellt wird, ob die Reform überhaupt kommt, ist ein Schlag ins Gesicht derer, die unser Land in der Zukunft gestalten.
Der Staat kann nicht alles finanzieren, aber er trifft Entscheidungen darüber, was er finanziert. Er hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Verteidigung und Infrastruktur beschlossen. Er hat über Jahre die Energiepreisbremse für Haushalte und Unternehmen aufrechterhalten – zurecht. Er fängt Konjunktureinbrüche mit Milliardenpaketen auf. Das Geld ist da, wenn der politische Wille da ist.
BAföG und Fachkräftemangel: Warum Bildung Investition statt Kosten ist
Die BAföG-Reform erneut zu vertagen, würde bedeuten: Der politische Wille fehlt. Junge Menschen, die für ihr Studium jobben müssen und deswegen schlechte Noten schreiben, weil sie nicht ausreichend Zeit für die Vorbereitung von Klausuren und Hausarbeiten haben, werden sich das merken. Sofern sie nicht gleich ganz abgeschreckt sind, überhaupt ein Studium zu beginnen.
Bildung ist keine Sozialleistung, sie ist eine Investition in die Zukunft und in gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jede Studie bestätigt: Je breiter der Zugang zu Hochschulbildung, desto robuster das wirtschaftliche Fundament eines Landes. Wer heute nicht in Ausbildung investiert, verschärft den Fachkräftemangel und sorgt dafür, dass Bildung nicht erworben, sondern vererbt wird.
Und er sorgt auch dafür, dass junge Menschen nicht mehr in den Staat vertrauen. Sie fühlen sich allein gelassen: Im neuen Wehrdienst sollen sie für ihr Land kämpfen – aber für ihre eigene Zukunft? Dafür ist kein Geld da.
Chancengleichheit: Warum das BAföG reformiert werden muss
Die BAföG-Reform, die auf dem Tisch liegt, reicht noch lange nicht. Sie darf aber auf keinen Fall verschoben werden. Die Politik ist aufgerufen, danach die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Warum erreicht das BAföG immer weniger junge Menschen? Und was braucht es, damit sie dem Staat vertrauen?
Ohne eine grundlegende Reform des BAföG werden in München, Hamburg, Berlin und Köln bald nur noch Kinder wohlhabender Eltern studieren. Ein Land, das Bildung nach Herkunft verteilt, hat sein Aufstiegsversprechen gebrochen und riskiert die Demokratie. So weit darf es nicht kommen.