Teure Mieten: So hart ist die Wohnungssuche für junge Menschen
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Anzeigentafel an der Universität in Bonn: Für viele Studierende ist die Wohnungssuche eine Tortur.
In Rankings zu Deutschlands begehrtesten Städten taucht Bielefeld nur selten auf. „Nicht so der place to be“ sei die Stadt, meint auch Charlotte Schäfer. Trotzdem sei es sogar hier mittlerweile schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Die 21-Jährige lebt seit zweieinhalb Jahren in Bielefeld. Zunächst zog sie in eine Wohngemeinschaft. Im vergangenen Jahr wollte sie eine Wohnung für sich und ihren Partner finden – und hatte monatelang keinen Erfolg.
Schäfer und ihr Partner wünschten sich eine Zwei-Zimmer-Wohnung, die nicht mehr als 850 Euro warm kostet. Die meisten Angebote lagen deutlich darüber. „Das konnten wir uns nicht leisten“, sagt Schäfer. Abgesehen davon hätten sich Wohnungsanbieter auf Anfragen oft gar nicht erst zurückgemeldet.
BAfög-Pauschale reicht oft nicht aus
Das Paar studiert, beide haben nebenher auch einen Job. In ihren Bewerbungen konnten sie stets anbieten, eine Bürgschaft der Eltern vorzulegen. Damit seien die sie und ihr Partner gegenüber anderen jungen Wohnungssuchenden eigentlich privilegiert, meint Schäfer. Wenn sie schon Schwierigkeiten hätten, frage sie sich, wie andere Menschen zurechtkommen sollen.
Schäfer erzählt: Eine Freundin sei, als sie nach Bielefeld gezogen ist, in einer weit abgelegenen WG gelandet. Für ein winziges Zimmer musste sie 450 Euro Miete zahlen. Ein anderer Freund sei nach vergeblicher Wohnungssuche „auf einer Art Bauernhof gelandet“, in einem ausgebauten Dachboden. Das alte Haus lag außerhalb der Stadt, abends fuhr kein Bus mehr. Selbst dort musste der Freund rund 400 Euro für sein Zimmer bezahlen. Zum Vergleich: Wer BAföG bezieht, bekommt eine Wohnkostenpauschale von maximal 380 Euro. „In München oder Stuttgart würde ich nicht leben wollen bei den Mieten“, sagt Charlotte Schäfer.
Hohe Aufschläge für möblierte Wohnungen
Deutschlands zweitteuerste Mieterstadt ist Frankfurt am Main. Wer hier auf einem großen Immobilienportal nach Wohnungen sucht, bekommt zum Beispiel eine möblierte 1-Zimmer-Wohnung im Stadtteil Westend angeboten: 27 Quadratmeter, 800 Euro Kaltmiete. Das entspricht knapp 30 Euro pro Quadratmeter, obendrauf kommen noch Neben- und Heizkosten. Die Annonce ist kein Einzelfall, viele Mini-Wohnungen werden möbliert zu ähnlichen Preisen angeboten.
Die Bundesregierung will das Mietrecht verschärfen, um gegen Abzocke auf dem Wohnungsmarkt vorzugehen. Zuschläge für möblierte Wohnungen sollen transparenter gemacht und in der Höhe begrenzt werden. Auch Indexmietsteigerungen will Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) in angespannten Wohnlagen begrenzen.
Florian Lzicar wohnt in Frankfurt und kennt die Probleme. „Teilweise werden für einfache Möbel horrende Summen auf die Miete aufgeschlagen“, erzählt der 25-jährige Student. Viele Vermieter*innen setzten auf Staffel- oder Indexmieten, „wodurch die Mieten automatisch und regelmäßig weiter steigen – unabhängig davon, ob sich die Wohnqualität verbessert oder nicht.“ Für Mieter*innen bedeute dies finanzielle Unsicherheit. Viele Menschen hätten Angst, sich das Wohnen in Frankfurt langfristig nicht mehr leisten zu können. Insbesondere für Studierende, junge Berufstätige und Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen sei es zunehmend schwierig, eine Wohnung zu finden.
Mietpreisbremse wird ausgehebelt
Lzicar war erst vor kurzem auf der Suche nach einer Zweiraumwohnung für sich und seine Freundin. Schnell merkten sie, dass sie in zentraler Lage nichts Bezahlbares finden würden. Zwar gilt in Frankfurt die Mietpreisbremse, doch sie werde in der Praxis oft umgangen, berichtet er. „Im Vertrag steht meistens drin, dass beide Seiten darauf verzichten“.
Das Paar plante mit 1.200 Euro Warmmiete für rund 50 Quadratmeter. Für beliebte Gegenden reichte das Budget nicht. Dort würden oft mehr als 30 Euro pro Quadratmeter verlangt, erzählt Lzicar. Letztlich hatte er Glück, dass er in einem weniger zentralen Bezirk eine Wohnung gefunden hat. Sie gehört keinem großen Unternehmen, sondern einem Ehepaar.
Auch Schäfer und ihr Partner sind nach drei Monaten doch noch fündig geworden: Bei einer Genossenschaft, in einer vom Staat geförderten Wohnung mit entsprechend günstiger Miete.
Wohnungssuche: Eine Frage der Gerechtigkeit
Lziczar und Schäfer engagieren sich beide politisch und gehören dem Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen an. Charlotte Schäfer ärgert es, dass Privilegien und soziale Ungleichheiten auch zwischen Studierenden noch immer eine so große Rolle spielen. Es müsse gerechter zugehen, findet sie, sodass man sich bilden kann, anstatt sich mit existenziellen Sorgen herumzuschlagen.
Sie selbst sei während der langen Wohnungssuche hoffnungsvoll geblieben, erinnert sich Schäfer. Schließlich hatte sie noch ihr WG-Zimmer und musste keine Angst haben, plötzlich ohne Unterkunft dazustehen. Im Vergleich zu anderen Studierenden sei ihre Ausgangslage auf dem Wohnungsmarkt gut gewesen, meint die 21-Jährige. „Aber für alle anderen ist es halt scheiße.”