Rentenreform: Wie der Staat künftig die private Altersvorsorge fördert
IMAGO/Jens Schicke
Die Riester-Rente soll reformiert werden. Ein Gesetzentwurf zur Förderung privater Altersvorsorge wird nun im Bundestag beraten.
Wer für eine Absicherung im Rentenalter vorsorgt, erhält einen Zuschuss aus der Steuerkasse. Die staatliche Förderung soll es für Bürger*innen attraktiv machen, in eine private Altersvorsorge zu investieren. Das war der Plan der Riester-Rente, die 2002 eingeführt wurde. Seitdem haben rund 15 Millionen Menschen einen Vertrag abgeschlossen. Doch nun soll sie reformiert werden. So steht es im Koalitionsvertag zwischen Union und SPD.
Die Riester-Rente sei zu kompliziert, zu teuer und zu wenig flexibel: So fasste es SPD-Finanzminister Lars Klingbeil am 26. Februar bei der ersten Beratung seines Entwurfs zum Altersvorsorgereformgesetz im Bundestag zusammen. Eine Änderung sei nötig, denn „viele sagen, sie würden ja gerne mehr ansparen, aber das geht so nicht“, fügte er hinzu. Leichter soll es werden, kleinere Sparbeträge sollen sich mehr lohnen, so Klingbeil. Wir erklären, welche Sparpläne für die Absicherung im Alter bezuschusst werden und wie hoch die Förderung sein wird.
Was wird künftig vom Staat bezuschusst?
Neben „sicherheitsorientierten“ Garantieprodukten sollen künftig auch „renditeorientierte“ Vorsorgeanlagen gefördert werden, heißt es im Gesetzentwurf. Einen Zuschuss vom Staat erhält damit also auch, wer Geld in Aktienfonds oder in an der Börse gehandelte Investmentfonds (ETF-Sparpläne) anlegt.
Kann man künftig nur noch in Aktien investieren?
Nein. Für Altersvorsorgende mit höheren Sicherheitsbedürfnis wird es auch in Zukunft Garantieprodukte geben, bei denen für das Ende der Ansparphase ein bestimmtes Kapital garantiert wird. Vorgesehen sind eine 100-Prozent-Beitragsgarantie, aber auch eine Garantie in Höhe von 80 Prozent ist möglich. Sie soll Spielräume für eine moderat chancenreichere Kapitalanlage eröffnen.
Wird es auch weiterhin eine Riester-Rente geben?
Ja. Riester-Verträge können wie bisher weitergeführt werden. Ein Wechsel in die neue Förderung oder ein Wechsel in einen anderen Altersvorsorgevertrag ist aber möglich.
Muss ich mir mein Aktiendepot selbst suchen?
Nicht unbedingt. Für Altersvorsorgende, die in Aktien-ETFs investieren wollen, aber keine eigenen Anlageentscheidungen treffen möchten, soll es bei verschiedenen Anbietern ein besonders einfaches Altersvorsorgedepot als Standarddepot geben. So ein Standarddepot entspricht der Empfehlung von Verbraucherschützern für eine möglichst einfache und zugleich flexible Kapitalanlage (vergleiche zum Beispiel das sogenannte Pantoffel-Portfolio der Stiftung Warentest).
Wie hoch sind die Zuschüsse?
Für jeden Euro Eigenbeitrag bis zu einem jährlichen Betrag von 1.200 Euro fließen zusätzlich 0,30 Cent Zulage in den Vertrag. Ab dem Jahr 2029 steigt der Zuschuss auf 0,35 Cent. Für weitere 600 Euro (Eigenbeiträge bis maximal 1.800 Euro) wird eine Zulage von 0,20 Cent pro Euro gezahlt. Hinzu kommt eine Kinderzulage pro Kind von 0,25 Cent pro Euro Eigenbeitrag bis zu einem jährlichen Eigenbeitrag von 1.200 Euro (also maximal 300 Euro pro Kind).
Ist eine private Altersvorsorge verpflichtend?
Nein. Eine private Vorsorge wird auch weiterhin freiwillig bleiben.
Was wird steuerlich nicht bezuschusst?
Ausgeschlossen von einer steuerlich geförderten Altersvorsorge sind sehr riskante Anlageklassen wie Einzelaktien oder Kryptowährungen.
Wann geht es los?
Die neue Förderung soll für Verträge gelten, die ab Januar 2027 abgeschlossen werden.
Wird es noch Änderungen geben?
Michael Thews, Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion, erklärte bei der ersten Lesung im Bundestag am 26. Februar, dass der Entwurf gut sei, um die private Altersvorsorge breiter aufzustellen. Dennoch müsse man sich in den kommenden Verhandlungen „ein paar Dinge genauer anschauen", betonte er.
Thews schätzte dabei die Höhe der Gebühren, die für ein Garantieprodukt anfallen können, als zu hoch ein. Und er erinnerte gleichzeitig daran, kleinere und mittlere Gehälter mehr im Auge zui behalten. „Wenn jamend vier Kinder hat, muss es sich lohnen, eine private Altersvorsorge abzuschließen. Es muss einfach sein und für die Altersvorsorge was bringen."
hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.