Inland

Sparpläne: So schlecht steht es um Deutschlands Krankenhäuser

29. April 2026 09:03:13
Die geplante Reform von CDU-Bundesministerin Nina Warken könnte das Krankenhaussterben beschleunigen. Viele schreiben schon seit Jahren rote Zahlen. Wir geben einen Überblick.
Ein Krankenhaus in Deutschland

Rund 75 Prozent aller Kliniken in Deutschland schrieben im Jahr 2024 wirtschaftliche Verluste. 

Das knapp 160 Seiten umfassende Sparpaket, das Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am 16. April präsentierte, hat für Aufsehen gesorgt. Die SPD kritisierte, dass die Stabilisierung der finanziellen Situation der Krankenkassen nicht einseitig zulasten der Versicherten gehen dürfe. 

Die geplante Gesundheitsreform der Ministerin wird zudem Auswirkungen auf den Fortbestand von Krankenhäusern haben. Wenn, wie geplant, Kliniken und Ärzt*innen sowie Pflegekräfte mit geringeren Zuwächsen bei den Vergütungen rechnen müssen, könnte es zu weiteren Klinikschließungen kommen, befürchtet der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß.

Wie viele Krankenhäuser gibt es? 

Im Jahr 1991 gab es 2.411 Krankenhäuser. Auf 100.000 Einwohner kamen 832 Klinikbetten. Im Jahr 2024 waren es noch 1.841 Krankenhäuser. Für 100.000 Einwohner gab es 564 Klinikbetten.

Wie ist die finanzielle Situation?

Im Jahr 2019 schrieben rund 32 Prozent aller Kliniken wirtschaftliche Verluste. Im Jahr 2024 waren es rund 75 Prozent, die im Defizit waren.  

Wem gehören die Krankenhäuser?

Die Anzahl der Kliniken in privatwirtschaftlicher Hand haben sich seit 1991 mehr als verdoppelt. 1991 waren es 358, im Jahr 2023 waren es 750 Kliniken. Das sind rund 40 Prozent aller Kliniken. Dagegen ging die Anzahl der Kliniken von freigemeinnützigen Trägern wie dem Deutschen Rotes Kreuz oder den Kirchen zurück: von 943 Standorten  im Jahr 1991 auf 590 im Jahr 2023. Das ist ein Minus von rund 30 Prozent. 

Auch die Anzahl der Kliniken in staatlicher Trägerschaft (Kommunen oder Bundesländer) ging drastisch zurück. Waren es im Jahr 1991 noch 1.110 Kliniken, sank die Zahl bis zum Jahr 2023 auf 534. Auch hier lag der Schwund bei rund 30 Prozent.

Warum gibt es immer mehr private Kliniken?

Die Gründe hierfür sind vielfältig. So haben zunächst einmal alle Kliniken mit steigenden Energiepreisen zu kämpfen. Private Kliniken arbeiten jedoch gewinnorientiert. Das heißt, Abteilungen, die sich nicht „rechnen“, werden geschlossen oder ausgelagert. Zudem werden planbare Operationen bevorzugt. 

Staatliche oder auch freigemeinnützige Kliniken hingegen erfüllen einen Versorgungsauftrag. Dies wird besonders deutlich in ländlichen Regionen, in denen es weniger Patient*innen gibt. Dort wird eine Versorgung wie die Geburtshilfe oder Notaufnahme gewährleistet, auch wenn sie sich nicht unbedingt wirtschaftlich rechnet. 

Wie geht es jetzt weiter?

Laut Gaß machen aktuell 80 Prozent aller Krankenhäuser wirtschaftliche Verluste, erklärte er in der „Rheinischen Post“.  Danach seien ein Drittel der Häuser in Deutschland von Insolvenz bedroht. Jede sechste Klinik (16 Prozent) sei stark insolvenzgefährdet, zusätzlich jede fünfte (21 Prozent) gefährdet.

Bereits am Mittwoch soll die Gesundheitsreform im Kabinett beschlossen werden. Dann geht der Regierungsentwurf in das parlamentarische Verfahren.

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Vera Rosigkeit

hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.

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