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Iran-Krieg: „Die Sorge in den USA ist groß, dass der Krieg sich auswächst“

6. März 2026 17:04:45
Keine neuen Kriege für die USA, hatte Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf angekündigt. Nun greift die US-Armee seit einer Woche Iran an. Wie das in den USA ankommt und welche Ziele Trump mit dem Krieg verfolgt, sagt Reinhard Krumm von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington.
Demonstrant*innen mit Schildern wie "Stop war on Iran" und "Impeach Trump again"

Demonstration gegen den Iran-Krieg in Washington: „Die Unterstützung ist bemerkenswert niedrig.“

Im Präsidentschaftswahlkampf hatte Donald Trump angekündigt, die USA nicht in neue Kriege führen zu wollen. Nun hat er Anfang des Jahres erst in Venezuela interveniert und nun den Iran angegriffen. Wie wird das in den USA aufgenommen?

Wenn man nach den Umfragen geht, dann ist die Begeisterung in der Bevölkerung nicht allzu hoch. YouGov hat ermittelt, dass nur etwa ein Drittel der amerikanischen Bevölkerung den Krieg gegen den Iran unterstützt, knapp die Hälfte dagegen und etwa ein Fünftel unentschieden ist. Nach Parteizugehörigkeit sieht es noch mal anders aus.

Bei den Anhängern der Republikaner unterstützen etwa 70 Prozent Trumps Vorgehen, bei denen der Demokraten sind es nur zehn Prozent. Entscheidend – auch mit Blick auf die Zwischenwahlen im November – ist aber die Stimmung unter den Unabhängigen, weil sie diejenigen sind, die man braucht, um Wahlen zu gewinnen. Und bei ihnen liegt die Unterstützung für den Krieg gegen den Iran bei nur 20 Prozent.

„Die Unterstützung für diesen Krieg in der Bevölkerung ist bemerkenswert niedrig“

Auch Trumps Unterstützer*innen aus der MAGA-Bewegung („Make America Great Again“) scheinen in der Frage gespalten zu sein.

Ein Teil ist sicher verärgert, weil sie darauf gesetzt haben, dass sich Trump auf die Innenpolitik konzentriert und „America First“ im engen Sinne betreibt. Andere in der Bewegung sagen dagegen, dass Trump eine günstige Gelegenheit ergriffen hat, den Iran nachhaltig zu schwächen und er nur dafür sorgen müsse, den Krieg auch schnell wieder zu beenden. Es gibt genügend Gründe, gegen den Iran vorzugehen – sie finanzieren den Terror, sie wollen Israel vernichten, sie unterstützen Russland im Krieg gegen die Ukraine und sie sind auf dem Wege, nuklear Waffen herstellen zu können. Das wird in den USA durchaus gesehen. Trotzdem ist die Unterstützung für diesen Krieg in der Bevölkerung verglichen mit dem Vorgehen gegen Afghanistan 2001 oder Irak 2003 bemerkenswert niedrig. Einst lag die Zustimmung bei 70 bis 90 Prozent.

Auch aus seiner eigenen Partei gab es Kritik. Stehen die Republikaner*innen dennoch in der Mehrheit hinter Trump und dem Iran-Einsatz?

Republikaner wie Demokraten im Parlament sind verärgert, dass sie nicht vorab über den Militäreinsatz informiert wurden. Das war schon im Fall von Venezuela im Januar so. Die große Befürchtung der Republikaner ist, dass sich das Regime in Iran in irgendeiner Weise hält und sich am Ende doch durchsetzt. Deshalb haben sich Politiker wie Vizepräsident J.D. Vance bisher auch eher zurückhaltend zum Krieg gegen Iran geäußert. Das Signal ist klar: Dieser Krieg ist Trumps Krieg. Gleichwohl steht die Partei der Republikaner hinter dem Präsidenten und seinem Vorgehen. Das hat eine Abstimmung dazu im Senat gezeigt.

„Die Sorge in den USA ist groß, dass die Situation unkontrollierbar werden könnte und der Krieg sich auswächst.“

Die deutsche Debatte dreht sich stark darum, dass Trumps Vorgehen gegen das Völkerrecht verstößt. Spielt das auch in den USA eine Rolle?

Die Demokraten machen das zum Thema, insbesondere die progressiven. Sie dringen damit aber nur bedingt durch, da die Stimmung vorherrscht, dass sich Iran selbst nicht an das Völkerrecht hält. Dagegen wird die Debatte von der Frage dominiert, ob die Trump-Administration einen Plan für Iran nach einem Ende des Krieges hat, wonach es zurzeit nicht aussieht. Einige Experten meinen, Trump verfolge ein ähnliches Szenario wie in Venezuela, also die Staatsführung auszutauschen und danach mit der restlichen Regierung zusammenzuarbeiten. Andere halten das für absurd und plädieren dafür, die Opposition zu unterstützen, damit sie die Macht übernehmen kann.

Allerdings gibt es die, im Unterschied etwa zum Irak oder Afghanistan, im Iran so nicht, es hat auch keine Vorbereitung vorab für eine solche Gruppe gegeben. Die Sorge in den USA ist daher groß, dass die Situation unkontrollierbar werden könnte und der Krieg sich auswächst. Zumal sich amerikanische und israelische Interessen nicht immer überlappen.

„Dieser Krieg reiht sich ein in einen Wunsch der Regierung unter Donald Trump, langfristig Frieden im Nahen Osten zu schaffen“

Was bezweckt Donald Trump aus Ihrer Sicht mit dem Krieg gegen Iran?

Darüber wird in Washington DC gerade viel spekuliert. Donald Trump hat schon während seiner ersten Amtszeit auf unterschiedliche Weise versucht, im Nahen Osten eine Situation zu erzeugen, die deutlich weniger gewalttätig ist als in den vergangenen Jahrzehnten. Insofern hat er vermutlich jetzt eine günstige Gelegenheit gesehen, gemeinsam mit Israel einen sehr geschwächten Iran in die Knie zu zwingen.

Dieser Krieg ist also nicht nur eine spontane Entscheidung gewesen, sondern reiht sich ein in einen Wunsch der Regierung unter Donald Trump, langfristig Frieden im Nahen Osten zu schaffen. Entscheidend dürfte aber die Antwort auf die Frage werden, wie eine solche Nachkriegsordnung aussehen kann. Welche Rolle soll Iran dabei zukommen? Da sehe ich noch viele Fragezeichen.

Vor Beginn seiner Präsidentschaft hatte Donald Trump angekündigt, den Krieg in der Ukraine schnell beenden zu wollen. Davon ist nichts übrig geblieben. Droht die Ukraine vor dem Hintergrund des Kriegs gegen Iran hinten runterzufallen?

Donald Trump ist ein Politiker, der schnell Erfolg haben möchte. Das ist in der Ukrainefrage bisher nicht gelungen. Der Präsident hat inzwischen selbst zugegeben, dass er sich die Situation einfacher vorgestellt hat. Welchen Einfluss der Krieg gegen Iran auf einen möglichen Frieden in der Ukraine hat, ist schwer zu sagen. Ich habe den Eindruck, im Moment steht Iran ganz oben auf Trumps Liste, und alles andere hat sich dem unterzuordnen.

Es lohnt sich zu verfolgen, welchen Einfluss der Krieg auf Russland hat. Zum einen dürfte das Land profitieren, weil der Ölpreis steigt. Zum anderen ist Iran ein enger Partner, der Russland zum Beispiel auch mit Drohnen versorgt hat, die sie in der Ukraine einsetzen. Das könnte sich nun ändern. Russland kommen die ohnehin wenigen Partner abhanden. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Trump in dieser Situation noch weiteren Druck auf die Europäer aufbauen wird, sich weit mehr für die Ukraine zu engagieren und Russland abzuschrecken.

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.

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1 Kommentar

Gespeichert von Peter Boettel (nicht überprüft) am So., 08.03.2026 - 08:52

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Die Sorge um die Ausweitung des Krieges ist seit dem Angriff der USA und Israels weltweit berechtigt. Es war von vornherein zu erwarten, dass der Iran zu Gegenschlägen greifen würde. Und wie sich das Ganze entwickelt, muss allgemein mit der Gefahr einer Ausweitung dieser gesamten Kriege (Iran, Ukraine, Gaza, Libanon, Westjordanland, Sudan etc.) gerechnet werden. Man kann nur hoffen, dass den kriegführenden Parteien irgendwann der Stoff ausgeht; aber die Rüstungsindustrie boomt leider wie keine andere Industrie.
In der Antike wurde während der olympischen Spiele kein Krieg in Griechenland geführt. In der Neuzeit nehmen die Kriege ausgerechnet während der olympischen Spiel zu. Und unsere Bundesregierung schaut tatenlos zu. Man befürchtet zwar im Falle einer Kritik an den USA, dass Trump Deutschland verteidigungspolitisch im Stich lassen würde, aber dies wegen dessen Eigenart kann auch ohne Kritik geschehen.