Parteileben

Wie ein SPD-Abgeordneter die Berliner Glätte bekämpft

3. February 2026 12:51:10
Die Stadt kommt mit dem Streuen nicht hinterher: Seit Tagen sind Berlins Gehwege spiegelglatt. Es gab bereits viele Unfälle. Der SPD-Politiker Tino Schopf hat nun selbst zum Streu-Eimer gegriffen.
Zwei Männer mit einem Bollerwagen voller Rollsplitt, zwei Besen und einer Schaufel auf einem vereisten Gehweg

Dann packe ich eben selbst an: Der SPD-Abgeordnete Tino Schopf (l.) mit einem Unterstützer beim Glätteeinsatz in seinem Wahlkreis in Berlin

Eigentlich ist Tino Schopf jeden Samstag mit seiner „mobilen Sprechstunde“ irgendwo in seinem Wahlkreis unterwegs. Der 51-Jährige vertritt den östlichen Teil des Prenzlauer Bergs sowie Weißensee für die SPD im Berliner Abgeordnetenhaus. Doch am vergangenen Samstag ließ Schopf seine Sprechstunde ausfallen – und griff stattdessen zum Eimer mit Streu-Splitt.

Tino Schopf: „Dann packe ich eben selbst an“

Seit fast zwei Wochen sind in Berlin viele Gehwege und Plätze vereist. Es kam bereits zu zahlreichen Stürzen und Knochenbrüchen. Für die Räumung öffentlicher Flächen sind in der Hauptstadt meist die Bezirke zuständig. Die jedoch sind mit der aktuellen Situation vielerorts überfordert.

„Wenn der Bezirk es nicht schafft, packe ich eben selbst an“, habe er sich gedacht, erzählt Tino Schopf am Dienstag am Telefon. Am Wochenende machte er sich um acht Uhr morgens mit einigen Freiwilligen aus der SPD auf den Weg zu einem Reinigungshof der Berliner Stadtreinigung (BSR). Das Unternehmen hatte am Tag zuvor bekanntgegeben, für Interessierte jeweils rund 100 Tonne Splitt zum Streuen auszugeben. Kostenlos, allerdings unter der Bedingung: Der Splitt musste selbst abgeholt und gestreut werden.

Kritik an der Berliner Verkehrssenatorin

„Für mich war das eine Selbstverständlichkeit“, sagt Schopf, der sich mit seinen Unterstützer*innen beim Streuen vor allem auf große Fußwege, die Zugänge zu Parks und die Wege rund um Einkaufszentren konzentrierte. „Bei uns wohnen viele ältere Menschen, für die die Wege draußen zum Teil gerade lebensgefährlich sind“, so Schopf. Entsprechend positiv seien die Reaktionen derjenigen gewesen, denen er beim Streuen begegnete.

Kälte und Glätte in Berlin werden wohl auch noch ein paar Tage anhalten. Erst für Donnerstag sind wieder Temperaturen knapp über dem Nullpunkt vorhergesagt, allerdings auch neuer Schnee. „Die zuständige Verkehrssenatorin hätte viel früher handeln müssen“, kritisiert deshalb Tino Schopf. Der meteorologische Winteranfang sei schließlich schon am 1. Dezember gewesen. „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Vollzugsproblem“, so der SPD-Politiker.

„Der nächste Winter kommt ganz sicher“

Politisch wird die Glätte in Berlin daher wohl ein Nachspiel haben. In der kommenden Woche will sich der Verkehrsausschuss damit befassen. Dann soll es auch darum gehen, wie sich Situationen wie die aktuelle in der Hauptstadt künftig verhindern lassen. „Denn“, so Tino Schopf, „der nächste Winter kommt ganz sicher“.

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist stellvertretender Chefredakteur des vorwärts. Er betreut den Bereich Parteileben und twittert unter @kai_doering.

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