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Wahl in Rheinland-Pfalz: So will die Juso-Landschefin gegen die AfD gewinnen

19. März 2026 14:30:21
Einst war die Arbeiterstadt Ludwigshafen eine SPD-Hochburg. Heute ist auch die AfD dort stark. Die Juso-Landesvorsitzende Beatrice Wiesner will sich damit nicht abfinden und das Direktmandat bei der Landtagswahl am Sonntag verteidigen.
Die rheinland-pfälzische Juso-Landesvorsitzende Beatrice Wiesner im Landtagswahlkampf

Die rheinland-pfälzische Juso-Landesvorsitzende Beatrice Wiesner im Landtagswahlkampf

Unaufgeregt, bodenständig, unkompliziert – so beschreibt die Juso-Landesvorsitzende Beatrice Wiesner die rheinland-pfälzische Sozialdemokratie. Diese Mischung mache zugleich ihr Erfolgsrezept aus. „Dieses Kurt-Becksche ,nah bei de Leut‘ ist nicht nur ein Spruch“, sagt sie im Gespräch mit dem „vorwärts“ vier Tage vor der Landtagswahl am Sonntag, 22. März. Deutlich wird das auch mit Blick auf die Umfragewerte. Während die SPD bundesweit zwischen zwölf und 14 Prozent dümpelt, kratzt sie in Rheinland-Pfalz an der 30-Prozent-Marke. 

Juso-Vorsitzende glaubt an Aufholjagd

Seit 1991 regiert die SPD in der Mainzer Staatskanzlei. Erst mit Rudolf Scharping, dann 19 Jahre lang mit Kurt Beck, der das oben genannte Credo prägte. Nach ihm war Malu Dreyer elf Jahre lang Landesmutter und seit eineinhalb Jahren ist schließlich Alexander Schweitzer Ministerpräsident. Der 2,06 Meter große Pfälzer bezeichnete das Rennen vor der Landtagswahl jüngst als „Kampf meines Lebens“. Doch Schweitzer kommt an, liegt in allen Umfragen nach dem Wunsch-Ministerpräsidenten vor seinem CDU-Herausforderer. „Wenn man sich Interviews von Alex anhört, redet er nicht verschachtelt und mit tausend Fremdwörtern in einem Satz, sondern so, wie die Leute auch reden“, meint Wiesner, die daher an eine erfolgreiche Aufholjagd der SPD bis zum Wahlsonntag glaubt. Je nach Umfrage liegt sie dabei knapp ein bis zwei Prozentpunkte hinter der CDU.

Die 31-Jährige kandidiert selbst in der einstigen Arbeiterstadt Ludwigshafen. Dort gewann die SPD bei den vergangenen vier Landtagswahlen jeweils mit mehr als zehn Prozentpunkten Vorsprung souverän das Direktmandat. Doch diesmal ist die Ausgangslage schwieriger, was auch mit dem Erstarken der rechtsextremen AfD zu tun hat. Im Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal holte die Partei bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr 23,4 Prozent der Zweitstimmen und lag damit vor der SPD. 

Beatrice Wiesner: „Ich liebe Ludwigshafen“

Wiesner beobachtet durchaus mit Sorge, dass die AfD insbesondere auch innerhalb der Arbeiterschaft, der SPD-Kernklientel, zu punkten vermag. „Ich versuche dem etwas entgegenzusetzen. Ludwigshafen ist eine Arbeiterstadt. Die Sozialdemokratie hat diese Stadt sehr geprägt. Deswegen versuche ich bei vielen Leuten im persönlichen Gespräch zu vermitteln, dass die SPD diejenige Partei ist, die ihre Probleme am besten lösen kann“, sagt die Landtagskandidatin, die gebürtig aus Baden-Württemberg stammt.

Zum Studium zog sie 2013 nach Ludwigshafen. Eine Stadt, die bundesweit mit negativen Assoziationen zu kämpfen hat, unter anderem schon als hässlichste Deutschlands beschrien wurde. Wiesner sieht das anders: „Ich habe mich so schnell zu Hause gefühlt, viel mehr als im konservativen schwäbischen Dorf. Da habe ich nie reingepasst. Hier kann ich so sein, wie ich bin.“ Deswegen nerve es sie, wie über Ludwigshafen gesprochen werde. Sie sagt über ihre Wahlheimat sogar: „Ich liebe diese Stadt.“

Unterstützung im Wahlkampf

Prominente Unterstützung: Beatrice Wiesner im Wahlkampf mit Staatskanzlei-Chef Fedor Rose (r.) und Staatssekretär Daniel Stich (l.)

Prominente Unterstützung: Beatrice Wiesner im Wahlkampf mit Staatskanzlei-Chef Fedor Rose (r.) und Staatssekretär Daniel Stich (l.)

Diese will sie künftig im Landtag vertreten. „Ich glaube, ich kann was bewegen. Denn ich stehe für eine andere Generation und ein anderes Herangehen an die Politik“, sagt sie. Damit es klappt mit dem Direktmandat und dem Einzug in den Landtag, hat sie reichlich Unterstützung von Vertreter*innen ihrer Generation erhalten. Jusos aus dem gesamten Bundesgebiet kamen nach Ludwigshafen, aus Hessen und Nordrhein-Westfalen und sogar aus Brandenburg und Schleswig-Holstein, um sie im Wahlkampf zu unterstützen.

Schneller Aufstieg in die SPD-Spitze

Für Wiesner ist das ein Beleg dafür, dass Solidarität innerhalb der SPD nicht nur eine Binse ist. „Das zeigt mir, dass ich bei den Jusos und bei der SPD am richtigen Ort gelandet bin.“ Zum Beitritt in die Partei entschied sie sich 2020 nach dem „Dammbruch“ in Thüringen. Damals war der FDP-Politiker Thomas Kemmerich unter anderem mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden. „Ich war vorher schon politisiert und auf vielen Demos gegen rechts. In dem Moment habe ich gesagt: ‚Jetzt reicht’s!‘“

Schon ein Jahr nach ihrem Beitritt wurde sie stellvertretende Juso-Landesvorsitzende, 2023 dann Vorsitzende und Mitglied im SPD-Landesvorstand. Und nun also die Landtagskandidatur. „Damit hätte ich damals nicht gerechnet“, sagt sie und will ihre Stimme für eine bessere Ausstattung von Schulen, die Einführung des Wahlalters bei Landtagswahlen ab 16 sowie bezahlbares Wohnen nutzen. 

Autor*in
Jonas Jordan
Jonas Jordan

ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo

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