Warum Reiche endlich mehr Steuern zahlen sollten
IMAGO/Eckhard Stengel
Reichtumsuhr am Bremer DGB-Haus: Sie zeigt, wie ungleich das Vermögen in Deutschland verteilt ist.
In kaum einem Land in Europa ist Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Wenige besitzen viel, viele besitzen wenig oder haben sogar Schulden.
Die Ursache dafür ist nicht, dass die einen viel und die anderen wenig arbeiten. Mit Arbeit hat diese Vermögensungleichheit wenig zu tun. Große Vermögen entstehen oder wachsen nämlich in der Regel nicht durch Arbeit, sondern durch Aktien und Immobilien. Und zu denen kommt man meist auch nicht durch Arbeit, sondern durch Erbschaft oder Schenkung. Zugleich wachsen die Erträge aus Aktien und Immobilien deutlich stärker als die durch Arbeit. Sie werden auch weniger stark belastet durch Steuern und Abgaben als Einkommen aus Arbeit.
Soziale Ungleichheit: Warum Herkunft mehr entscheidet als Leistung
Die Folge: Die Reichen werden immer reicher, die Armen bleiben arm oder werden immer (Stichwort Inflation) sogar ärmer. Dadurch werden die sozialen Unterschiede von Generation zu Generation in Deutschland immer größer, die Ungleichheit wächst also. Nicht Leistung entscheidet, sondern Herkunft. Das ist schlicht nicht gerecht.
Und es gefährdet das Vertrauen in unsere Demokratie. Sie kann auf Dauer nicht funktionieren, wenn sich immer mehr Vermögen und damit auch immer mehr Macht in der Hand einiger weniger konzentriert.
Steuern in Deutschland: Warum Unternehmer*innen oft weniger belastet werden
Die Steuern und Sozialabgaben der Arbeitnehmer werden direkt vom Arbeitgeber an den Staat abgeführt. Selbstständige, Unternehmer oder Privatiers dagegen führen ihre Steuern selbstständig ab und haben zahlreiche Möglichkeiten Steuern zu vermeiden. Das ist den Arbeitnehmern kaum möglich.
Auch deshalb wäre es ein Gebot der Gerechtigkeit, sehr Reiche stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens zu beteiligen. Denn auch die Vermögenden profitieren von der Freiheit und Demokratie, von der Sicherheit und Stabilität, die ihnen unser Staat bietet. Doch das hat auch seinen Preis. Um ihre Leistungen erbringen zu können, brauchen Bund, Länder und Kommunen Einnahmen.
SPD und Union: Streit über höhere Steuern für große Vermögen
Vieles wäre möglich: eine höhere Besteuerung von Kapitalerträgen, eine Anhebung der Erbschaftssteuer, eine Wiedereinführung der seit 1997 nicht mehr erhobenen Vermögenssteuer oder höhere Steuern für große Vermögen aus Immobilien.
Vorausgesetzt, es gibt den politischen Willen dazu. Und der ist in der schwarz-roten Koalition sehr ungleich verteilt. Während sich die SPD offen zeigt für eine stärkere Besteuerung großer Vermögen, lehnen CDU und CSU diese strikt ab. Sie argumentieren, das würde die Wirtschaft belasten, Wachstum und Arbeitsplätze kosten.
Skandinavien: Warum hohe Steuern Wachstum nicht verhindern
Doch ein Blick in unsere Nachbarländer, etwa nach Skandinavien, zeigt: Diese Argumente stimmen nicht. Es ist sehr wohl möglich, hohe Einkommen auch hoch zu besteuern und zugleich ein stabiles Wirtschaftswachstum zu erreichen. Was in Skandinavien möglich ist, sollte auch in Deutschland möglich sein. Man muss es nur wollen. Und machen.
Die Überschrift kann auch durch Weglassen eines Buchstaben einen neuen Inhalt erhalten, nämlich "Warum Reiche endlich mehr Steuern zahlen sollte". Denn Ministerin Reiche bedient ausschließlich diejenigen, die ihren Namen als Anhaltspunkt für ihr Einkommen haben.
Wenn man nun die Vorschläge der Rentenkommission hört, die ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren, Senkung des Rentenniveaus auf 45 Jahre etc. fordert, also ausschließlich der Arbeitnehmer, keineswegs aber Beiträge von Politikern, Beamten, Steuergerechtigkeit, Fremdleistungen aus der Rentenkasse auch nur erwähnt, muss einem das Essen der letzten 50 Jahre hochkommen.
Der Amtseid der Regierungen sollte aus dem Grundgesetz und den Länderverfassungen gestrichen werden, da er vorsätzlich insbesondere von Merz und vielen Regierungsmitgliedern gebrochen wird, aber leider nicht strafbewehrt ist, so dass ein juristisches Vorgehen gegen den Bruch des Amtseides, wie z.B. Gerechtigkeit gegen jederman zu üben, nicht möglich ist.
Ich gebe dir unbedingt recht. Es ist doch schon jetzt nicht einzusehen, warum Beamte etc. fast doppelt so hohe Pensionen bekommen als vergleichbare Rentner ohne jemals ein Cent dafür bezahlt zu haben. Wie es scheint, wird das mit dem besten Regierungschef den die Ukraine jemals hatte (Merz) sich noch beschleunigen. Für Waffen und Munition sind Millarden da, für die Bürger, die es erarbeiten müssen, nichts. Die SPD-Verantwortlichen mögen ja an ihre Posten hängen (irgendwie verständlich) aber in Koalition mit dieser CDU ist es m.E. der Untergang der Partei in die Bedeutungslosigkeit. Trotz schöne Pfingstage.
Herr Haferkamp, Ihr Artikel enthält nur Richtiges!
Trotzdem sind die Argumente/der Faktenaufweis dieses Artikel die
Vergießung von Krokodilstränen der 'besonderen Art'.
Das alles hätte schon spätestens ab dem 10.03.1999 auf den Weg gebracht werden können und vor allem müssen. Bis heute leider Fehlanzeige! Welche Regierungen mit welchen Programmen bis heute regiert haben und regieren - ist bekannt. Dass die sog. Alternative für Deutschland in 100.000 Jahren und in den entferntesten Galaxien k e i n e Alternative sein kann, setze ich als bekannt voraus.
Erstens: Weil das Sparen bei den Ausgaben nicht zur Debatte steht. Was den Sozialbereich betrifft, ist Einsparen ohnehin "Bullshit", auch wenn, oder gerade weil die staatlichen Zuschüsse zur gesetzlichen Rentenversicherung mittlerweile nahezu 50% des Sozialetats ausmachen, die anderen Teilbereiche sind ohnehin völlig tabu.
Zweitens: Weil nur bei den "Starken Schultern" = Spitzensteuersatz (derzeit 42.% ab 69.879 €) und sog. Reichensteuersatz (aktuell 45% ab 277.826 Tsd. € p.a.) noch zu holen ist. Bei denen - schon beim Spitzensteuersatz geht doch sicher noch deutlich mehr! Beim Rest ist ohnehin nichts zu holen.
Drittens: Reicht das nicht, so bitte endlich ran an die reichlich vorhandene Substanz: Vermögen "besteuern" (enteignen ist das korrekte Wort aber politisch falsches Signa dafür) und deutlich `rauf bei der Erbschaftssteuer, denn eines ist sicher - nicht die Rente! - sterben tun die Leute immer!
Und wenn wir dann am Ende alle gleich sind, ist es egal, ob wir arm oder reich sind.
Herr Kolb, Sie üben sich als Satiriker. Nur lachen kann ich leider nicht. ' Viertelwegs ' ehemals sozialdemokratische Positionen im Sozial- und Finanzbereich scheinen Ihnen übel aufzustoßen - nicht das erste Mal.
Warum quälen Sie sich so ???
Peter Boettel (s.ob.) ist ein aufrechter und vor allem politisch erfahrener Ur-Sozialdemokrat. Sie sollten ihn mal kontaktieren !
Gerade in diesen Tagen wird auf das Grundgesetz-Jubiläum hingewiesen. Aber wir sind weiter denn je von einer Einhaltung entfernt: Denn Art. 3 fordert die Gleichbehandlung, während der Kanzler und die Reichen-Ministerin - leider ohne erkennbaren Widerstand der SPD - genau das Gegenteil praktizieren!!!
Auch ist in diesem Zusammenhang endlich auf die Sozialpflichtigkeit des Eigentums nach Art. 14 und die Möglichkeit der Sozialisierung hinzuweisen, damit diese Ungerechtigkeit sich nicht noch weiter vergrößert!!!
Herr Gerald Kolb liegt wie so viele falsch. In fast keiner Debatte über die Steuerreform fehlt er: der Facharbeiter, der angeblich den Spitzensteuersatz zahlt. Tatsächlich dürfte es diesen Facharbeiter in der Realität nur in wenigen Ausnahmefällen geben.
Der Spitzensteuersatz ab 70.000 € bezieht sich auf das zu versteuernde Einkommen – und um darauf zu kommen, muss das Bruttoeinkommen mindestens 85.000 € betragen.
Zudem gilt der Wert von 85.000 € für unverheiratete, kinderlose Arbeitnehmer und das dürfte nur auf einen kleinen Teil der Facharbeiter mit langer Berufserfahrung zutreffen. Bei Verheirateten wird das gemeinsame Einkommen durch zwei geteilt und damit setzt der Spitzensteuersatz entsprechend später ein. Zudem gibt es pro Kind einen Freibetrag von knapp 10.000 €. Verheiratete/Verpartnerte mit zwei Kindern müssten darum zusammen auf ein Bruttoeinkommen von fast 200.000 € kommen, bevor der Spitzensteuersatz greift.