Meinung

Warum Reiche endlich mehr Steuern zahlen sollten

20. Mai 2026 13:40:17
Einkommen aus Arbeit werden in Deutschland stärker besteuert als große Vermögen. Diese Steuerpolitik ist nicht nur ungerecht, sie verschärft soziale Ungleichheit und gefährdet unser aller Zukunft. Zeit, das zu ändern.
Reichtumsuhr am Bremer DGB-Haus: Sie zeigt, wie ungleich das Vermögen in Deutschland verteilt ist.

Reichtumsuhr am Bremer DGB-Haus: Sie zeigt, wie ungleich das Vermögen in Deutschland verteilt ist.

In kaum einem Land in Europa ist Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Wenige besitzen viel, viele besitzen wenig oder haben sogar Schulden.

Die Ursache dafür ist nicht, dass die einen viel und die anderen wenig arbeiten. Mit Arbeit hat diese Vermögensungleichheit wenig zu tun. Große Vermögen entstehen oder wachsen nämlich in der Regel nicht durch Arbeit, sondern durch Aktien und Immobilien. Und zu denen kommt man meist auch nicht durch Arbeit, sondern durch Erbschaft oder Schenkung. Zugleich wachsen die Erträge aus Aktien und Immobilien deutlich stärker als die durch Arbeit. Sie werden auch weniger stark belastet durch Steuern und Abgaben als Einkommen aus Arbeit.

Soziale Ungleichheit: Warum Herkunft mehr entscheidet als Leistung

Die Folge: Die Reichen werden immer reicher, die Armen bleiben arm oder werden immer (Stichwort Inflation) sogar ärmer. Dadurch werden die sozialen Unterschiede von Generation zu Generation in Deutschland immer größer, die Ungleichheit wächst also. Nicht Leistung entscheidet, sondern Herkunft. Das ist schlicht nicht gerecht. 

Und es gefährdet das Vertrauen in unsere Demokratie. Sie kann auf Dauer nicht funktionieren, wenn sich immer mehr Vermögen und damit auch immer mehr Macht in der Hand einiger weniger konzentriert.

Steuern in Deutschland: Warum Unternehmer*innen oft weniger belastet werden

Die Steuern und Sozialabgaben der Arbeitnehmer werden direkt vom Arbeitgeber an den Staat abgeführt. Selbstständige, Unternehmer oder Privatiers dagegen führen ihre Steuern selbstständig ab und haben zahlreiche Möglichkeiten Steuern zu vermeiden. Das ist den Arbeitnehmern kaum möglich.

Auch deshalb wäre es ein Gebot der Gerechtigkeit, sehr Reiche stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens zu beteiligen. Denn auch die Vermögenden profitieren von der Freiheit und Demokratie, von der Sicherheit und Stabilität, die ihnen unser Staat bietet. Doch das hat auch seinen Preis. Um ihre Leistungen erbringen zu können, brauchen Bund, Länder und Kommunen Einnahmen.

SPD und Union: Streit über höhere Steuern für große Vermögen

Vieles wäre möglich: eine höhere Besteuerung von Kapitalerträgen, eine Anhebung der Erbschaftssteuer, eine Wiedereinführung der seit 1997 nicht mehr erhobenen Vermögenssteuer oder höhere Steuern für große Vermögen aus Immobilien. 

Vorausgesetzt, es gibt den politischen Willen dazu. Und der ist in der schwarz-roten Koalition sehr ungleich verteilt. Während sich die SPD offen zeigt für eine stärkere Besteuerung großer Vermögen, lehnen CDU und CSU diese strikt ab. Sie argumentieren, das würde die Wirtschaft belasten, Wachstum und Arbeitsplätze kosten.

Skandinavien: Warum hohe Steuern Wachstum nicht verhindern

Doch ein Blick in unsere Nachbarländer, etwa nach Skandinavien, zeigt: Diese Argumente stimmen nicht. Es ist sehr wohl möglich, hohe Einkommen auch hoch zu besteuern und zugleich ein stabiles Wirtschaftswachstum zu erreichen. Was in Skandinavien möglich ist, sollte auch in Deutschland möglich sein. Man muss es nur wollen. Und machen.

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