Meinung

Russlands „Schattenkrieg“: Die Bedrohung wächst, doch wir sind nicht machtlos

9. Oktober 2026 12:48:07
Cyberangriffe, Sabotage und geplante Drohnenattacken: Russlands „Schattenkrieg“ gegen Deutschland ist längst Realität. Die Zeitenwende hat das Bewusstsein für die Bedrohung geschärft, doch ausreichend vorbereitet sind wir noch nicht. Es gibt aber eine positive Entwicklung.  
Bombenentschärfer auf dem Rollfeld des Leipziger Flughafens

Entschärfung einer Drohne auf dem Leipziger Flughafen: Russlands „Schattenkrieg“ gegen Deutschland ist an vielen Stellen sichtbar.

„Wir erleben eine Zeitenwende. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor.“ Mit diesen Worten reagierte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Regierungserklärung am 27. Februar 2022 auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Viereinhalb Jahre später ist klar: Auch in Deutschland ist es nicht mehr so, wie es vor dem Angriff einmal war.

Russlands Schattenkrieg: Warum ein Krieg nicht erst mit Panzern beginnt

Russland führt einen „Schattenkrieg“ gegen Deutschland, ließ der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Martin Jäger, die Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums Anfang der Woche wissen. Dieser spezielle Ausschuss des Bundestags kontrolliert die deutschen Geheimdienste. Einmal im Jahr müssen deren Chefs den Abgeordneten Bericht erstatten.

Der „Schattenkrieg“, den Jäger skizzierte, wird sichtbar in Cyberattacken, Sabotage-Akten, Einschüchterungsversuchen oder – sehr offensichtlich – Anschlägen wie dem vereitelten Drohnenangriff am Leipziger Flughafen Ende August. All das sorgt schon jetzt für deutliche Schäden in Deutschland. Und die Botschaft darüber hinaus ist klar: Ein Krieg beginnt nicht erst, wenn Bomben fallen oder Panzer rollen.

Zeitenwende: Was sich bei der Bundeswehr bereits getan hat

Deutschland ist darauf noch immer nicht ausreichend vorbereitet. Von der viel zitierten „Kriegstüchtigkeit“, die Verteidigungsminister Boris Pistorius schon vor einiger Zeit gefordert hat, sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Doch es hat sich schon eine Menge getan. Schritt für Schritt erhält die Bundeswehr neues Gerät und entwickelt neue Fähigkeiten. Pistorius‘ Ankündigung, im kommenden Jahr ein Regiment zur Abwehr von Drohnen einzurichten, ist ein sichtbares Zeichen.

Vor allem aber scheint die „Zeitenwende“ auch in der Bevölkerung angekommen zu sein. In der jährlichen Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr spricht sich eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent für höhere Verteidigungsausgaben aus. 64 Prozent befürworten ein Anwachsen der aktiven Soldat*innen, etwa durch den Freiwilligen Wehrdienst (letzteren unterstützen 59 Prozent der Befragten). 53 Prozent der befragten Männer und 15 Prozent der befragten Frauen gaben zudem an, Deutschland im Kriegsfall im Kampf verteidigen zu wollen.

Verteidigung im Ernstfall: Warum Deutschland vorbereitet sein muss

All das sind gute Nachrichten. Nicht, weil damit die Bevölkerung auf einen Krieg eingeschworen wird, sondern weil es zeigt, dass die Menschen die neue Bedrohungslage erkennen und hinter der Bundeswehr stehen. Viele Jahrzehnte hatten wir in Deutschland das Glück in Frieden zu leben. Damit wir das auch weiterhin können, müssen wir uns im Ernstfall verteidigen können.

Autor*in
Kai Doering
Kai Doering

ist Chefredakteur des Vorwärts und auf Bluesky unter @kaid.bsky.social zu finden.

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