„Justiz-Projekt“: So können sich Gerichte vor autoritären Kräften schützen
Das „Justiz-Projekt“ des gemeinnützigen Verfassungsblogs benennt Schlüsselpositionen an Gerichten, die auf keinen Fall in die Hände der AfD geraten sollten. Die Befunde sind beunruhigend – doch noch kann die Justiz widerstandsfähig werden.
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Wie kann man die Justiz vor autoritären Kräften schützen? Damit hat sich der gemeinnützige Verfassungsblog befasst.
Die Justiz ist verwundbar. Autoritär-populistische Kräfte könnten sie lahmlegen oder gar übernehmen. Zu diesem beunruhigenden Befund kommt das Justiz-Projekt des Verfassungsblogs und legte nun Vorschläge vor, wie die Justiz resilienter, also widerstandsfähiger werden kann.
Wenn eine autoritär-populistische Partei die Macht übernimmt, wird sie versuchen, die Rechte von Migrant*innen, Andersdenkenden und sexuellen Minderheiten zu beschneiden. Gerichte könnten sich dem unter Verweis auf die Grundrechte entgegenstellen. Deshalb haben autoritäre Populist*innen ein Interesse daran, Gerichte - und insbesondere Verfassungsgerichte - auszuschalten, zu blockieren oder mit Gefolgsleuten zu besetzen. Von diesem Szenario geht das Justiz-Projekt des Verfassungsblogs aus und verweist auf die Erfahrungen aus Ungarn und Polen.
Verfassungsblog: Wo liegen die Gefahren für die Justiz?
Der Verfassungsblog ist eine gemeinnützige Online-Publikation, gegründet und geführt vom renommierten Juristen und Journalisten Max Steinbeis. Im Justiz-Projekt widmeten sich 14 Jurist*innen auf 3,5 Personalstellen spendenfinanziert ein Jahr lang den Gefahren für die Justiz.
Für das Bundesverfassungsgericht wurde - auch auf Betreiben des Verfassungsblogs - Ende 2024 bereits ein Resilienz-Mechanismus geschaffen. Wenn im Bundestag keine Verfassungsrichter'innen mehr gewählt werden können, weil zum Beispiel die AfD mehr als ein Drittel der Sitze innehat und eine Wahl blockiert, kann stattdessen der Bundesrat die Wahl vornehmen.
Für die Landesverfassungsgerichte gibt es bisher keine derartigen Ersatzwahlmechanismen, obwohl auch diese einflussreich sind. So hat der Berliner Verfassungsgerichtshof 2022 nach der chaotischen Wahl des Abgeordnetenhauses eine Wiederholung der ganzen Wahl angeordnet und so einen Regierungswechsel von rot-rot-grün zu schwarz-rot ausgelöst.
AfD könnte bestimmte Mechanismen für eigene Zwecke nutzen
In zwölf von 16 Bundesländern werden die Landes-Verfassungsrichter*innen mit Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt. Auch hier könnte eine starke AfD die Wahlen blockieren. Doch wie könnte in den Ländern ein Ersatzwahlmechanismus aussehen? Das Justizprojekt schlägt vor, dass bei einer blockierten Wahl das Landesverfassungsgericht Kandidat*innen vorschlägt, die dann im Landtag mit einfacher Mehrheit gewählt werden können. Doch solche institutionellen Lösungen sind immer zweischneidig. Sobald die AfD eine Mehrheit im Landtag hat, kann sie Mechanismen, mit denen man Sperrminoritäten aushebelt, für ihre eigenen Zwecke nutzen.
Schlüsselpersonalien nicht der AfD überlassen
Deshalb hat das Justizprojekt zwei Schlüssel-Personalien identifiziert, die auf keinen Fall von einer autoritär-populistischen Partei kontrolliert werden sollten. Zum einen wird der Präsident/die Präsidentin des Landesverfassungsgerichts genannt, weil sie das Gericht mit ihrer zentralen organisatorischen Rolle leicht lahmlegen kann. Auf keinen Fall sollte der AfD in einer künftigen Koalitionsregierung zudem das Amt des Justizministers/der Justizministerin überlassen werden. Denn obwohl die Justiz unabhängig ist, kann das Ministerium organisatorisch, finanziell und über die IT-Strukturen in vielfacher Weise Einfluss auf die Gerichte nehmen oder ihnen die Arbeit schwer machen.
Das von Anna-Mira Brandau und Friedrich Zillessen geführte Justiz-Projekt arbeitet hier detailreich administrative Einflussmöglichkeiten heraus. Es ist dabei eine Gratwanderung: Einerseits sollen die Szenarien so konkret sein, dass sie Justiz-Insider*innen für die Gefahren sensibilisieren können. Andererseits will man der AfD aber auch keine Gebrauchsanleitung an die Hand geben.
An diesem Dienstag wurde die 339-seitige Publikation „Das Justiz-Projekt - Verwundbarkeit und Resilienz der Dritten Gewalt“ kostenlos online veröffentlicht. Das Justiz-Projekt ist Nachfolger des Thüringen-Projekts, das nur ein Bundesland betraf, dort aber neben der Justiz auch den Schutz anderer Institutionen wie Landtag, Rundfunk und Sicherheitsbehörden in den Blick nahm.
Vorbereitungen getroffen werden, die sicherstellen, dass die AfD selbst im Falle einer erzielten absoluten Mehrheit daran gehindert werden, ihre Vorstellungen durchzusetzen. Das ist seht beruhigend für unsere Demokratie. Besser noch wäre es, die AfD zu verbieten. Wer bremst da das Verfahren aus?
Nun wenden wir autoritäre Mittel an um die Justiz vor den autoritären Kräften zu schützen.
Wir kennen die funktionalisierung der Justiz gegen Kommunisten, damals als 1000 Jahre zu Ende waren . Filbinger hieß einer von ihnen. Corona !
....... und was macht eigentlich Frau Brohilker ?
Lieber stehe ich einem ausgemachten Reaktionär gegenüber als einer verkommenen Rotte von "wirsinddiedemokraten" Heuchlern.