Weilheim: Eine oberbayerische Kleinstadt wehrt sich gegen rechte Pläne
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Anfang Februar demonstrieren in der oberbayerischen Kleinstadt 5.000 Menschen für die Demokratie, darunter auch der SPD-Bürgermeisterkandidat Felix Henkel (grau melierter Vollbart).
Nichts geht mehr an diesem Samstag Anfang Februar. Rund um den Marktplatz der oberbayerischen Stadt Weilheim zwischen Starnberger See und Alpen tummeln sich rund 5.000 Menschen, umgerechnet mehr als ein Fünftel der Weilheimer Bevölkerung. Es wehen die Deutschland- und Europafahnen und schließlich singen alle zusammen die Nationalhymne. Die Menschen, die hier zusammenstehen, haben ihre politische Heimat bei der CSU, SPD, FDP, den Grünen, Freien Wählern oder den Linken. Doch sie alle eint der Gedanke, für die Demokratie und aus Sorge vor der Vereinnahmung ihrer Heimatstadt durch Rechte einzutreten.
Henkel: „Es ist unsere Fahne“
Die Idee dazu geht maßgeblich auf „Wir in Weilheim“ zurück. Mitgegründet hat sie Sozialdemokrat Felix Henkel. „Es ist unsere Fahne. Es ist unsere Hymne und die Demokratinnen und Demokraten, die da zusammengekommen sind, feiern auch unser Land. Das lassen wir uns nicht nehmen“, sagt er im Gespräch mit dem „vorwärts“ über das Gemeinschaftserlebnis auf der Kundgebung.
Auslöser dafür war, dass die AfD die Räumlichkeiten eines ehemaligen Kinos in der Weilheimer Innenstadt gemietet hat, um darin ein rechtsextremes Kulturzentrum zu errichten.
Angst vor rechtem Anziehungspunkt
Die Sorge, zu einem Anziehungspunkt für Rechtsextreme aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz zu werden, war groß in Weilheim. Die Stadt schien machtlos gegen die Pläne der AfD. Inzwischen hat sie größere Veranstaltungen in dem ehemaligen Kino ausgeschlossen, da im Umkreis nicht genügend Parkplätze zur Verfügung stünden.
Ob diese Argumentation juristisch haltbar ist, wird sich noch zeigen. Klar ist schon jetzt: Der Widerstand gegen die AfD ist groß. „Selbst wenn wir dieses Zentrum nicht verhindert bekommen, üben wir hier eine Art von bürgerlicher Mobilisierung, die mich sehr zuversichtlich stimmt“, sagt Henkel.
Der 45-Jährige kandidiert bei der Kommunalwahl am 8. März als Bürgermeisterkandidat der SPD. Daher hält er sich bei „Wir in Weilheim“ aktuell im Hintergrund. Im Koordinierungskreis war bei der Kundgebung Anfang Februar statt Henkel Ingeborg Bias-Putzier, ebenfalls Genossin und Vorsitzende des SPD-Ortsvereins in Weilheim. Ihr war es wichtig, das Ganze bewusst nicht als „Demo gegen rechts“, sondern für die Demokratie zu verstehen.
Gute Stimmung stärkt Gemeinschaft
„Als wir angefangen haben, die Demo zu planen, haben wir mit Absicht gesagt, dass wir nicht gegen, sondern für etwas sein wollen: für die Demokratie, für unsere Freiheit, für unsere Grundrechte. Deswegen haben wir mit Absicht die AfD und ihr geplantes Vorhaben nicht erwähnt“, erklärt Bias-Putzier.
Ohne diese klare Fokussierung wäre auch dieser breite gesellschaftliche Rückhalt für das Bündnis nicht möglich gewesen, ist sich Henkel sicher. Die Demonstration will er daher auch nicht als Brandmauer gegen rechts, sondern als Brücke für die Demokratie bis hinein ins konservative Lager verstanden wissen. „Hier auf dem Land fühlen sich viele Menschen rechts, sind aber urdemokratisch“, sagt er.
Bias-Putzier weist noch auf einen weiteren für sie wichtigen Punkt hin: „Was uns ganz wichtig war und immer ist, dass wir gute Laune dabei haben. So groß die Herausforderungen sind, die gute Stimmung trägt die Gemeinschaft, stärkt und motiviert.“ Das wiederum sorge für weiteren Zuwachs an Mitstreiter*innen und einen größeren Rückhalt innerhalb der Bevölkerung.
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo