Kein Social Media für Kinder in Deutschland? Darum geht es in der Debatte
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Auch in Deutschland wird über ein mögliches Social-Media-Verbot diskutiert. (Symbolbild)
Nach Angaben des Deutschen Präventionstags nutzen 93 Prozent der Kinder und Jugendlichen ab zehn Jahren Social Media. Noch dürfen sie das – doch die Debatte darüber, ob das so bleiben sollte, oder ob man Soziale Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube für junge Menschen verbieten sollte, reißt nicht ab.
Warum wird ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche diskutiert?
Seit längerem belegen mehrere Studien, dass die Nutzung von Sozialen Medien vor allem für Kinder und Jugendliche nicht frei von Risiken ist – gleichzeitig verbringen sie oft mehrere Stunden am Tag auf entsprechenden Plattformen.
Diese mitunter suchtartige Nutzung kann sich negativ auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen auswirken, etwa weil sie unangemessene Inhalte ausgespielt bekommen oder weil sie sich und ihr eigenes Leben ständig mit den Darstellungen in den Sozialen Medien vergleichen. Auch Mobbing und Ausgrenzung können in Chatgruppen weiter verstärkt werden. Die Folgen für junge Menschen reichen von Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen bis zu Angstzuständen oder Ess- und Körperbildstörungen. Zu diesem Ergebnis kamen bereits diverse Studien.
Den Plattformbetreibern ist das bekannt – da sie bislang jedoch keine Maßnahmen unternommen haben, um junge Nutzer*innen besser zu schützen, sehen nun immer mehr Menschen die Politik in der Verantwortung.
Was ist der Stand der Debatte in Deutschland?
Spätestens ab Sommer 2025 nahm die Debatte auch in Deutschland Fahrt auf. Auslöser war ein Diskussionspapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, in dem unter anderem empfohlen wurde, Social-Media-Accounts für Kinder unter 13 Jahren zu verbieten.
Auch der Petitionsausschuss des Bundestags hat sich bereits mit dem Thema beschäftigt. Das Ergebnis: Im Herbst 2025 nahm die von der Bundesregierung eingesetzte Expert*innen-Kommission für „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ ihre Arbeit auf. Im Herbst 2026 soll sie ihre Ergebnisse vorlegen. Zuvor hatte sich Bildungsministerin Karin Prien (CDU) bereits für eine Altersbegrenzung auf Social Media bis 16 Jahre ausgesprochen. Auch Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) befürwortet eine Altersgrenze für Soziale Medien.
„Zentral, dass junge Menschen selbst an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt werden“
Doch nicht überall werden diese Forderungen positiv aufgenommen. So kritisierte unter anderem das Kinderhilfswerk in einer Pressemitteilung vom November 2025: „Um Kinder zu schützen und zugleich ihr Recht auf Teilhabe zu gewährleisten, braucht es mehr als pauschale Verbote.“ Wichtiger sei eine umfassende Medienkompetenz – und diese wäre mit Zugangsbeschränkungen nur schwer zu erlernen.
Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt AWO befragte wiederum junge Social-Media-Nutzer*innen selbst. Die nicht repräsentative Umfrage kommt zu dem Schluss, dass ein pauschales Verbot an der Realität vieler Jugendlichen vorbeiginge. Die jungen Menschen selbst seien sich der Risiken Sozialer Medien durchaus bewusst, so heißt es in einer Pressemitteilung der AWO dazu, sie wünschten sich jedoch statt einer Altersbeschränkung eine verbindliche Regulierung der Plattformen.
Daraus leitet die AWO für sich konkrete Forderungen ab, wie etwa „deutlich mehr Medienbildung an Schulen, Jugendhilfe und außerschulischen Angebote sowie an niedrigschwelligen Beratungs- und Unterstützungsstrukturen“. Zentral sei zudem, „dass junge Menschen selbst an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt werden, die ihre digitale Lebenswelt unmittelbar betreffen.“
Wie gehen andere Länder mit diesem Thema um?
Tatsächlich in Kraft ist ein Social-Media-Verbot bisher nur in Australien. Dort hatte die Regierung im vergangenen Jahr ein Verbot für alle Nutzer*innen unter 16 Jahren beschlossen, das im Dezember 2025 in Kraft trat.
In einigen Ländern hatte die Debatte um ein mögliches eigenes Social-Media-Verbot seitdem Fahrt aufgenommen. Sowohl die dänische als auch die malaysische Regierung haben jeweils erklärt, ein ähnliches Verbot anzustreben. Die französische Nationalversammlung wiederum hat Ende Januar 2026 für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gestimmt.
Was würde ein Social-Media-Verbot konkret bedeuten?
Das hängt von der jeweiligen gesetzlichen Ausgestaltung ab. Der allgemeine Grundgedanke ist aber, dass Menschen unterhalb einer festgelegten Altersgrenze sich keine Social-Media-Accounts mehr anlegen können. Bereits bestehende Accounts von Menschen unterhalb der Altersgrenze müssten durch die Anbieter gesperrt oder entfernt werden.
Wie kann das Alter der Nutzer*innen überprüft werden?
Dafür sind sogenannte Verfahren zur Altersverifikation notwendig, bei denen es im Kern darum geht, dass Nutzer*innen sich gegenüber den Plattformanbietern ausweisen. Eine Möglichkeit ist dabei zum Beispiel, dass Ausweisdokumente wie Pass oder Führerschein eingescannt werden. Das gilt jedoch aus Datenschutz-Perspektive als fragwürdig, da die eingescannten Ausweisdokumente auch von den Plattformbetreibern gespeichert werden müssen. Eine weitere Option wäre die Altersschätzung per Gesichtserkennung, die jedoch als deutlich fehleranfälliger gesehen wird.
Was wäre statt eines Verbots möglich?
Selbst Kritiker*innen eines Social-Media-Verbots sind sich offenbar einig, dass Handlungsbedarf besteht, wenn es darum geht, Kinder im digitalen Raum besser zu schützen. Statt eines Zugangsverbots werden immer wieder Forderungen nach mehr Medienkompetenzvermittlung an Schulen laut.
Außerdem gibt es alternative Ideen, um Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen. Sie könnten beispielsweise dafür sorgen, dass ihre Algorithmen für die Konten von Kindern und Jugendlichen so angepasst werden müssen, dass sie keine unangemessenen Inhalte angezeigt bekommen und der „Suchtfaktor“ geringer wird.