Geschichte

Wilhelm Liebknecht: Vordenker der Sozialdemokratie

Er war einer der Urväter der SPD und der erste Chefredakteur des „Vorwärts“. Am 29. März 1826 wurde Wilhelm Liebknecht in Gießen geboren. Die junge Sozialdemokratie prägte er entscheidend.
von Horst Heimann · 3. Mai 2006
Wilhelm Liebknecht: SPD-Mitbegründer und erster Vorwärts-Chefredakteur
Wilhelm Liebknecht: SPD-Mitbegründer und erster Vorwärts-Chefredakteur

Wilhelm Liebknecht, am 29. März 1826 in Gießen geboren, musste nach der Teilnahme an der Revolution von 1848/49 über ein Jahrzehnt (1850-1862) im Exil in London verbringen. Motiviert von den freiheitlich demokratischen und sozialistischen Ideen, die dort im Freundeskreis von Karl Marx und Friedrich Engels entwickelt wurden, verzichtete er auf eine Universitätskarriere im Obrigkeitsstaat. Obwohl er aus dem Bildungsbürgertum stammte, wurde er zum Mitbegründer und Vordenker der Arbeiterbewegung.

Der erste Chefredakteur des „Vorwärts“

Für seine Überzeugung nahm er politische Verfolgung und fünf Jahre Festungshaft in Kauf. Seine Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die er 1869 in Eisenach gemeinsam mit August Bebel gründete, vereinigte sich 1875 in Gotha mit dem 1863 von Ferdinand Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands.

1876 wurde als deren Zentralorgan der „Vorwärts“ ins Leben gerufen. Liebknecht wurde Chefredakteur. Der „Vorwärts“ vermittelte der rasch anwachsenden SPD-Anhängerschaft außer aktuellen Informationen die Leitideen des Demokratischen Sozialismus, die Liebknecht mit geprägt hatte. Unter anderem auf der Grundlage seines Vortrages über die „Untrennbarkeit von Sozialismus und Demokratie“ (1869) hat die SPD bis heute breite Bevölkerungsschichten überzeugt, dass ohne soziale Gerechtigkeit die Demokratie gefährdet ist.

Im Vortrag „Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“ (1872) bezeichnete Liebknecht die SPD als „im eminentesten Sinne des Wortes die Partei der Bildung“. Sozialistischen Intellektuellen wie ihm ist zu verdanken, dass die SPD über die materielle Interessenvertretung hinaus zu einer starken geistig-kulturellen Bewegung wurde.

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