Iran-Krieg: Wie Schwarz-Rot auf die teuren Spritpreise reagiert
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Auch an dieser Tankstelle in München machen sich die Preissteigerungen bemerkbar.
Die Eskalation im Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA macht sich an den Zapfsäulen bemerkbar. Die Ölpreise sind am Mittwoch den vierten Tag in Folge kräftig gestiegen. Dadurch klettern auch die Preise für Benzin, Kerosin und Diesel sowie Gas und Heizöl. Der Dieselpreis knackte am Mittwoch die Zwei-Euro-Hürde.
Wie sehr steigen die Preise?
Aktuelle Angaben sind kaum möglich, da die Preise im Tagesverlauf schwanken. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent beispielsweise lag am Mittwoch bei mehr als 83 US-Dollar. Das hat unmittelbaren Einfluss auf die Spritpreise an den Tankstellen. Laut ADAC lag Superbenzin der Sorte E10 am Mittwochmorgen bei 1,995 Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnitt, der Dieselpreis knackte sogar die Zwei-Euro-Marke. Das sind die höchsten Werte seit rund zwei Jahren.
Seit Beginn der Woche hat Katar Exporte an LNG-Flüssiggas eingestellt. Dadurch hat sich der Referenzpreis für Erdgas übers Wochenende um fast die Hälfte erhöht. Den Angaben des Portals HeizOel24 zufolge lag der Durchschnittspreis für einen Liter Heizöl vor einer Woche noch unter 97 Cent. Am Mittwoch waren es bis zu 1,30 Euro.
Wieso steigen die Preise so stark?
Die Preissteigerungen hängen mit den gestiegenen Rohölpreisen zusammen, da der Konflikt den Öltransport in der Förderregion behindert. Teheran hat faktisch die Straße von Hormus geschlossen, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet. Damit ist eine der wichtigsten Handelsrouten blockiert. Rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte passieren die Straße täglich, ebenso ein Fünftel des Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG).
Das hat Einfluss auf den wahrgenommenen Risikoaufschlag an den Energiemärkten und damit auf die Preise an den Börsen. Dadurch stehen Aktienkurse weltweit unter Druck.
Wie geht es jetzt weiter?
Analyst*innen rechnen mit weiter steigenden Preisen, falls der Konflikt andauert. Laut der Investmentbank Bernstein sind Preise für das Brent-Öl von 120 bis 150 Dollar möglich. Das Risiko dürfte steigen, wenn Iran zusätzlich die Energieinfrastruktur in der Region in den Blick nimmt und gezielt attackiert. So musste Saudi-Arabien am Montag nach einem Drohnenangriff seine größte Raffinerie schließen.
„Ich befürchte, dass es an den Zapfsäulen noch weiter nach oben geht“, teilte der Kraftstoffmarktexperte des ADAC, Christian Laberer, am Dienstag mit. Autofahrer*innen wird geraten, am Abend zu tanken, da dann die Preise in der Regel günstiger sind. Sie müssen sich allerdings auf längere Wartezeiten einstellen.
Wie reagiert Schwarz-Rot auf die Preissteigerungen?
Die Bundestagsfraktionen von SPD und Union haben eine Taskforce gegründet, die die Entwicklungen beobachten und Maßnahmen prüfen soll. Für die SPD ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Armand Zorn Teil der Gruppe. Zorn teilte am Mittwoch mit:
„Die stark steigenden Öl- und Benzinpreise sind für viele Pendlerinnen und Pendler, für Familien und für kleine Betriebe eine erhebliche Belastung. Sie treffen vor allem diejenigen, bei denen das Geld ohnehin knapp ist.“ Er erwarte, dass sich die Bundesregierung auf alle Szenarien vorbereite, auch auf eine Nutzung von Reserven, um Preissprünge abzufedern. „Wir brauchen einen gemeinsamen Krisenplan mit unseren europäischen Partnern, der Marktverwerfungen reduziert und Preise stabilisiert.“ Parallel dazu müsse die Bundesregierung den Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigen, um von fossilen Energieträgern wie Rohöl unabhängiger zu werden.
Kann es zu Versorgungsengpässen kommen?
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie teilte mit, Versorgungsengpässe seien nicht zu befürchten, „weder bei Benzin und Diesel, noch bei Heizöl oder Flugkraftstoff“. Deutschland beziehe Rohöl aus rund 30 Ländern, Hauptlieferländer seien Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.
Unabhängig von dem Konflikt in Iran waren die europäischen Gasspeicher Ende Februar aufgrund des harten Winters bereits nur noch zu 30 Prozent gefüllt – ein Jahr zuvor waren es 62 Prozent.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mahnte mit Blick auf die Gasversorgung zu Gelassenheit, denn Deutschland beziehe Gas vor allem über Pipelines aus Norwegen und Belgien und Flüssiggas überwiegend aus den USA und Kanada. Preissteigerungen seien grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Angesichts des meteorologischen Frühlingsanfangs dürften auch die Preissteigerungen beim Heizöl Verbraucher*innen weniger hart treffen.
Das Ölkartell OPEC+, dem 14 Erdöl exportierende Länder im Nahen Osten angehören, hat eine geringfügige Fördererhöhung beschlossen. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) teilte mit, sie beobachte die Lage, um im Notfall strategische Ölreserven freigeben zu können. Wenn mehr produziert wird, erhöht das die Hoffnungen auf gemäßigtere Preise, allerdings müssten auch diese eine Handelsroute nach Europa passieren. Laut ADAC-Experte Laberer dauert es grundsätzlich länger, bis Preissenkungen an den Zapfsäulen ankommen, als das bei Preissteigerungen der Fall ist.
alle, auch die Einkommenschwächeren Schichten, andererseits steigen mit den Preisen auch die Steuereinnahmen des Staates. Diese Einnahmesteigerung schafft Raum für Verteiung an die Sozialschwachen. Wir können damit auf steigende Grundsicherungsleistungen und höheres Kindergeld hoffen