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Zum Tod von Uwe-Karsten Heye: Er war gut für den „vorwärts“

3. August 2026 20:08:14
Gut vier Jahre, von Januar 2006 bis September 2010, lenkte Uwe-Karsten Heye als Chefredakteur die Geschicke des „vorwärts“. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben. Seine frühere Stellvertreterin Susanne Dohrn erinnert sich an die gemeinsame Zeit in der vorwärts-Redaktion.
Schwarz-Weiß-Foto von Uwe-Karsten Hexe im Wintermantel vor einem Plakat mit der Aufschrift "Deutschland, bleib stark!"

Der Kampf gegen Rechtsextremismus war eines seiner Lebensthemen: Ex-vorwärts-Chefredakteur Uwe-Karsten Heye ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Uwe-Karsten Heye wurde Chefredakteur und plötzlich wehte ein Hauch von Fernseh-Journalismus und großer weiter Welt durch unsere kleine Parteizeitungs-Redaktion. Das war im Januar 2006. Uwe, wie er bei uns hieß, denn in der SPD duzen wir sogar den Kanzler, brachte erfahrungs-bedeutsame Ex-Kolleg*innen mit zum „vorwärts“, Männer und Frauen mit wohlklingenden Radio- und Fernseh-Stimmen, die uns mit ihren Ideen ergänzen sollten. Wir waren beeindruckt, mancher vielleicht sogar ein wenig eingeschüchtert. Zumal, wie immer bei Chef-Wechseln, die Frage für jeden von uns im Raum stand: Was bedeutet das für mich? Kann ich bleiben?

Uwe-Karsten Heye verlieh dem „vorwärts“ eine bisher ungekannte Bedeutsamkeit

Auch ich stellte mir diese Frage. Schließlich hatte ich die Redaktion zuvor geleitet und durch die Untiefen der Hartz-Reformen sowie der dazu gehörenden innerparteilichen Auseinandersetzungen gesteuert. Schnell wurde klar: Uwe ist gut für den „vorwärts“ und gut für die Redaktion. Seine Bedingung für die Übernahme der Chefreaktion waren Beinfreiheit und finanzielle Spielräume.

In Partei und Regierung hatte er ein Standing, das keiner von uns vorweisen konnte. Schließlich war er zuvor viele Jahre Regierungssprecher gewesen, erst von Ministerpräsident Gerhard Schröder in Niedersachen und dann als Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung von Bundeskanzler Schröder. Das verlieh der Redaktion eine bisher ungekannte Bedeutsamkeit.

Uwe-Karsten Heye brachte spannende Ideen in die Redaktion

Uwe hatte ausgehandelt, dass der „vorwärts“ – so wie früher – wieder am Kiosk zu kaufen sein sollte. Dazu musste das Magazin sich inhaltlich weiter entwickeln. Unsere Redaktionskonferenzen wurden zu Diskussionen über die großen Linien von Politik und Gesellschaft. Die Redaktion entwickelte Extra-Seiten, die auf weißerem, dickerem Papier gedruckt wurden und mitten im Heft zum Herausnehmen waren. Sie sollten Menschen ermuntern, die Zeitung zumindest an Bahnhofskiosken zu erwerben.

Bei der Themenfindung kam der Redaktion zugute, dass Uwe aufgrund seiner langjährigen politischen Erfahrung sowie als Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des Vereins „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ spannende Ideen mitbrachte. Wir schrieben über die Kindertransporte, die jüdischen Kindern im Nationalsozialismus die Ausreise u.a. nach Großbritannien ermöglichten. Wir schrieben über Gunter Demnig und seine Stolpersteine, die an das Schicksal von Menschen erinnern, die während der NS-Herrschaft ermordet wurden.

An diese redaktionell spannende Zeit habe ich mich erinnert, als vor wenigen Wochen in meiner Kleinstadt in Schleswig-Holstein solche Steine verlegt wurden. Da wusste ich noch nicht, wie schlecht es Uwe schon ging. 

Auch die Beinfreiheit eines Uwe-Karsten Heye war nicht ungegrenzt

Natürlich konnte auch ein Uwe-Karsten Heye auf die Dauer nicht den Grenzen einer Parteizeitungs-Logik entkommen. Ich erinnere mich noch gut an einen unserer Themenschwerpunkte. Es ging um das Thema Pflege, die schwierigen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten und die Folgen für die Bewohner von Pflegeheimen. Wir sprachen, unterstützt von Uwes Kontakten, mit Pflegenden, mit Betroffenen, mit Angehörigen, mit Menschen, die sich für eine Verbesserung der Arbeitssituation einsetzten und handelten uns gewaltigen Ärger des von der SPD geführten Gesundheitsministeriums ein. Wir waren zu kritisch gewesen, zu sehr „Spiegel“ oder „Stern“. Den Sturm haben wir als Redaktion überlebt, aber die Grenzen waren gesteckt. Die Beinfreiheit einer Parteizeitung ist auch für einem Chefredakteur Uwe-Karsten Heye nicht unbegrenzt. 

2010 endete Uwes Zeit beim „vorwärts“. Er hatte das Rentenalter erreicht. Ich war schon im Jahr zuvor ausgeschieden, arbeitete aber weiter als freie Autorin für den „vorwärts“. An die Zeit mit Uwe erinnere ich mich gerne. Wenn er mit seinem kleinen blauen Sportwagen vorgefahren kam, wehte der Wind der großen weiten Welt in unsere Räume in der Stresemannstraße. Wenn er wieder zurück nach Potsdam brauste, wo er bis zuletzt wohnte, haben wir uns – ohne Uwe – nochmal zusammengesetzt und versucht, die vielen großartigen Ideen an die zur Verfügung stehenden Seiten – ganze, halbe, drittel, viertel – anzupassen.

Das Klein-Klein war seine Sache nicht

Dieses Klein-Klein war seine Sache nicht. Als ehemaliger Generalkonsul in New York und Autor vieler Bücher, von denen eines sogar mir Maria Furtwängler in der Hauptrolle verfilmt wurde, musste er das auch nicht. Für diese Arbeit war die Redaktion zuständig, die das mit Bravour und inzwischen ohne Scheu vor den großen Tieren, die Uwe mitgebracht hatte, bewältigte.

Nun ist Uwe tot. Es macht mich traurig. Wir hatten eine gute Zeit miteinander. Als Kollege und Chef war er tolerant und zugewandt. Er ließ seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „Beinfreiheit“ und ermöglichte damit Freude an der Arbeit. Glücklich, wer mit solchen Menschen zusammenarbeiten darf.

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Susanne Dohrn

ist freie Autorin und ehemalige Chefredakteurin des vorwärts.

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