Spitzenkandidat Jochen Ott: „Ein Macher mit Leidenschaft und Herz“
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Mit Rückendeckung des Landesvorstands und eingerahmt von den Vorsitzenden Sarah Philipp und Achim Post: Jochen Ott will die SPD als Spitzenkandidat in dien Landtagswahl führen und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden.
„Mein Name ist Jochen Ott und ich will Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden.“ Ein Satz, ein Ziel, mit dem sich der 51-jährige Kölner in die direkte Traditionslinie von Johannes Rau stellt. Jener Johannes Rau, der 1992 Ministerpräsident war, als Ott im Alter von 18 Jahren in die SPD eingetreten ist. Und jener Johannes Rau, nach dem die Parteizentrale der Sozialdemokrat*innen in Düsseldorf benannt ist, in der am Freitag der Landesvorstand der NRWSPD den einstimmigen Beschluss fasste, Ott als Spitzenkandidaten in die Landtagswahl im kommenden Jahr zu schicken. Ein Mann, der es nicht nur optisch mit CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst aufnehmen kann. Ähnliche Größe, ähnliches Alter, ähnlich viel politische Erfahrung.
Jochen Ott: Groß, lautstark, verlässlich
Schon mit 26 Jahren wurde Ott in Köln, der einzigen Millionenstadt Nordrhein-Westfalens, SPD-Vorsitzender und blieb es 18 Jahre lang. Auch der Weg in die Landeshauptstadt Düsseldorf ist für ihn nicht neu. Schon seit 2010 ist der frühere Studienrat Landtagsabgeordneter, seit Mai 2023 dort auch Fraktionsvorsitzender. Seine Kritik am derzeitigen Ministerpräsidenten äußert Ott in dieser Funktion gerne deutlich und selten leise.
„Hendrik Wüst ist der freundliche Herr Tutnix“, kritisierte er beispielsweise beim DEMO-Kommunalkongress im Sommer 2025. Bei der Landtagswahl im kommenden Jahr trete er an, „um die SPD wieder stark zu machen und unser Bundesland gerechter“, sagte Ott am Freitag in Düsseldorf. Er wolle handeln, kündigte er an und fügte hinzu: „Wer mich schon lange kennt, weiß, dass ich nicht locker lasse, bis die Dinge geregelt sind, diese Einstellung vermisse ich bei der Landesregierung.“
Für den NRWSPD-Vorsitzenden Achim Post ist Ott ein „treusorgender und liebevoller Familienvater, verlässlicher Freund, ein Macher mit Leidenschaft und Herz“. Der Landesvorstand habe sich früh entschieden, dass es besser sei, einen Landespolitiker ins Rennen zu schicken, um Hendrik Wüst auf seinem eigenen Spielfeld zu stellen, erklärte Post. „Der mit Abstand beste Kandidat dafür ist Jochen Ott. Du kannst dich darauf verlassen, die NRWSPD steht hinter dir.“ Wie zum Beweis versammelte sich während der 15-minütigen Pressekonferenz der komplette Landesvorstand hinter der Troika aus Ott, Post und seiner Co-Vorsitzenden Sarah Philipp.
Jochen Ott: Mann mit hoher Glaubwürdigkeit
Philipp zählte in der Pressekonferenz die zahlreichen Problemfelder in Nordrhein-Westfalen auf: 85.000 Kita-Betreuungsplätze fehlten demnach allein für Unter-Dreijährige – so viele wie in keinem anderen Bundesland. Monatlich würden im bevölkerungsreichsten Bundesland derzeit rund 2.000 Industriearbeitsplätze abgebaut. Im Bildungsmonitor liege NRW nur auf Platz 14 und die Anzahl der Staus sei nach der Corona-Pandemie explodiert. Verkehrsminister war bis 2021 der heutige Ministerpräsident Hendrik Wüst. Philipp versprach jedenfalls: „Wir werden dafür sorgen, dass Gerechtigkeit in NRW wieder zu Hause ist.“
Dieses Versprechen einlösen soll Jochen Ott. Ein Mann, der sich durch seine jahrzehntelange politische Arbeit in seiner Heimatstadt eine hohe Glaubwürdigkeit erarbeitet. Beispielsweise durch Projekte wie „Eine Stadt, vier Veedel“, eine Art innerstädtischen Schüleraustausch, bei dem Kinder und Jugendliche aus besser gestellten und sogenannten Problemvierteln aufeinandertreffen und den Alltag des jeweils anderen kennenlernen. Ott hat die Idee gemeinsam mit der deutsch-türkischen Theaterpädagogin und Regisseurin Hülya Doğan-Netenjakob umgesetzt.
Ott: „Ich stehe für eine SPD, die handelt“
In den kommenden 15 Monaten bis zur Landtagswahl wird es für ihn und seine Partei darum gehen, sich diese Glaubwürdigkeit und Sichtbarkeit im gesamten Bundesland zu erarbeiten. Mit Zuversicht, Zusammenhalt und Zukunft, wie Achim Post sagte. Der designierte Spitzenkandidat Jochen Ott, der auf einem Landesparteitag im Juni offiziell gekürt werden soll, machte am Freitag klar: „Ich stehe für eine SPD, die nicht redet, sondern handelt. Dinge geregelt zu kriegen, und zwar gerecht, ist das, was mich antreibt.“
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo