Marcel Hopps Buch: Ein Mutmacher gegen den Rechtsruck
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Marcel Hopp sitzt für die SPD im Berliner Abgeordnetenhaus.
Marcel Hopps Buch kommt zur richtigen Zeit. Denn jüngst vermeldete das ZDF-Politbarometer erstmals die rechtsextreme AfD als stärkste Kraft in ihrer Meinungsumfrage. Hopp, der seit 2021 für die SPD im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, stellt die Frage „Was geht mich das an?“ und gibt die Antwort mit dem Untertitel „Warum wir den Rechtsruck nur gemeinsam stoppen können“ im Grunde direkt selbst.
17.000 Haustürbesuche im Wahlkampf 2021
Wobei Hopps „Wir“ inklusiv zu verstehen ist, wie er gleich zu Beginn mit Blick auf seine Herkunft und sein Aufwachsen verdeutlicht. Der Sohn einer südkoreanischen Mutter und eines deutschen Vaters schildert darin die Anekdote, wie er als Zehnjähriger auf dem Schulhof im Berliner Stadtteil Gropiusstadt Rassismus erfuhr und eine Lehrerin ihm seine Würde zurückgab, indem sie klarmachte: „Wir dulden hier keinen Rassismus.“ Später wurde er selbst Lehrer, unterrichtete sechs Jahre lang Politik, Geschichte, Deutsch und Ethik, ehe er 2021 hauptberuflich in die Politik ging.
In einem Wahlkreis, in dem die CDU einst 60 Prozent holte, gewann er direkt. Auch weil er das Gespräch mit Menschen suchte und an insgesamt 17.000 Türen innerhalb von Neukölln klingelte. Er habe dabei Haltung gezeigt, statt den Menschen nach dem Mund zu reden, schreibt Hopp in seinem jüngst im Fischer-Verlag erschienenen Buch und ruft dazu auf, es ihm gleichzutun. Es ist eines seiner Rezepte, um den eingangs angesprochenen Rechtsruck zu stoppen.
Mit Haltung gegen Plattitüden
Dieser ist kein rein ostdeutsches, sondern ein gesamtbundesrepublikanisches Problem, auch in Berlin, wie Hopp mit Blick auf die Gropiusstadt aufzeigt. Gerade deswegen sei es wichtig, Plattitüden á la „Die Flüchtlinge sind Schuld daran, dass meine Rente so niedrig ist“ argumentativ zu begegnen. Gegen solche rechtspopulistischen Tendenzen Haltung zu zeigen, ist für Hopp eine Verpflichtung, die er direkt aus dem Grundgesetz ableitet.
„Das Grundgesetz ist eindeutig eine antifaschistische Verfassung“, schreibt er in seinem Buch. Davon ausgehend ist für ihn auch jede*r, der oder die sich als Demokrat*in im Sinne des Grundgesetzes versteht, automatisch Antifaschist*in.
Das beantwortet auch Hopps mit dem Buch aufgeworfene Frage: „Was geht mich das an?“ Denn wer sich als Demokrat*in versteht, kann nach seiner Logik nicht zum immer stärker werdenden Rechtsruck schweigen. Für Hopp gilt auch die Ausrede nicht, die ihm häufig begegne, Politiker*innen seien „die da oben“. Denn für den Sozialdemokraten sind alle Menschen, die sich in einer Partei engagieren, Politiker*innen, ob haupt- oder ehrenamtlich. Gleichzeitig müsse man nicht einer Partei beitreten, um politisch zu sein.
Hopp fordert ein neues Wir-Gefühl
So entsteht eine potenziell recht große Menge an Personen, die Hopp mit dem im Titel genannten „Wir“ anspricht. Er mahnt: „Demokratie ist und bleibt ein kollektiver und fortwährender Lern-, Handlungs- und Aushandlungsprozess.“ In diesem sei es von zentraler Bedeutung, „dass wir uns nicht als passive Empfänger:innen demokratischer Werte verstehen, sondern aktiv für unsere Demokratie einstehen“.
Er fordert, inhaltlich nicht den Rechten hinterherzulaufen, sondern ein neues Wir-Gefühl einer „faktisch postmigrantischen“ Gesellschaft zu entwickelt. Denn eine pluralistische Gesellschaft könne aus seiner Sicht nur dann resilient gegenüber Feind*innen der Demokratie sein, wenn sie sich schützend vor marginalisierte Minderheiten stellt. Demokrat*innen, die gegen Minderheiten agitieren, gefährdeten hingegen die Stabilität der Demokratie.
Berliner Wahl im September
„Rechtsextreme und autoritäre Kräfte sind nur so stark, wie wir es zulassen“, schreibt Hopp. Ein wichtiger Satz auch mit Blick auf den Herbst, wenn in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt wird. Denn Umfragen zufolge könnte die rechtsextreme AfD auch in der Hauptstadt ein Rekordergebnis erzielen.
Marcel Hopp: „Was geht mich das an? Warum wir den Rechtsruck nur gemeinsam stoppen können“, erschienen im Fischer-Verlag, 240 Seiten, ISBN: 978-3-10-397734-9
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo